Aus Kammern und Verbänden

Karin Maag (MdB) besucht Stuttgarter Apotheke

Pharmazeutischen Sachverstand besser zugunsten der Patienten nutzen

Die Stuttgarter Bundestagsabgeordnete Karin Maag (CDU) setzt sich für die Belange der Apotheker ein. Bei ihrem Besuch in der Stuttgarter Solitude-Apotheke von Christoph Gulde, dem Vizepräsidenten des Landesapothekerverbandes Baden-Württemberg, sagte sie Ende August, dass der pharmazeutische Sachverstand der Apotheker besser genutzt werden müsse. Das Wissen der Apotheker um die Wirkungsweise von Medikamenten dürfe im Alltag nicht zur Nebensache werden.
Maßarbeit in Einzelanfertigung: Karin Maag (rechts) schaut zu, wie PTA Julia Vogl im Apothekenlabor eine Nasensalbe herstellt. Foto: Gulde

Maag besuchte die Apotheke in der heißen Phase der Auseinandersetzung um die Apothekenvergütung. Die Notwendigkeit der deutlichen Erhöhung des Fixzuschlags stand zwar nicht im Mittelpunkt des Besuchsprogramms, wurde aber gleich zu Beginn mit Hinweis auf die neun Apotheken, die in Stuttgart in den letzten 12 Monaten geschlossen haben, unterstrichen.

Patienten wollen hochwertige pharmazeutische Beratung

Maag sagte, dass die Patienten in Deutschland auch künftig eine qualitativ hochwertige Arzneimittelversorgung und die Beratung in der inhabergeführten, öffentlichen Apotheke wünschen. Die Politik müsse sich dafür einsetzen, dass die Hauptaufgaben des Apothekers dort wieder stärker in den Vordergrund rücken.

Als Mitglied im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestags will sich Maag künftig stärker um die großen Ärgernisse der Apotheker kümmern. Bei allen wirtschaftlichen Betrachtungen und Umsetzung von Einsparmöglichkeiten dürfe der pharmazeutische Sachverstand nicht von Zahlen und undurchschaubaren Prüfmechanismen verdrängt werden. Beispielsweise gebe es in Deutschland bei der Rezeptbelieferung und der Zuzahlung zu viele Einzelfallregelungen, die für den Patienten kaum noch nachvollziehbar seien. Derzeit kann für ein und dasselbe Medikament je nach Krankenkasse oder der besonderen Situation des Versicherten die volle, halbe oder gar keine Zuzahlung anfallen. Es könne nicht sein, dass nur besonders gut informierte Patienten nachvollziehen können, warum ein Medikament mal mehr und mal weniger kostet, so Maag.


Karin Maag (MdB, Mitte) lässt sich von Christoph Gulde und Apothekerin Jessica Häußer eine nach der neuen Apothekenbetriebsordnung erstellte Plausibilitätsprüfung und Herstellungsvorschrift einer Rezeptur erläutern. Foto: Gulde

ApBetrO darf nicht in Dokumentations-Wahnsinn ausarten

Maag ließ sich die personal- und zeitaufwendige "Rezeptur 2.0" vorführen: Am Beispiel einer Nasensalbe zeigten Gulde und sein Team, wie die Plausibilitätsprüfung der Rezeptur erfolgt und dokumentiert wird und wie eine Herstellungsvorschrift angefertigt wird. Maag verfolgte den ganzen weiteren Vorgang von dem Rührvorgang bis zur Abfüllung der Salbe und Etikettierung des Behältnisses und der Taxation nach der Arzneimittelpreisverordnung.

Maag und Gulde und waren sich einig, dass die neuen gesetzlichen Regelungen nicht im Dokumentations-Wahnsinn enden dürfen: 45 Minuten und sechs Seiten Dokumentation für das Bedienen einer Verordnung von 10 g Nasensalbe zum Apothekenverkaufspreis von 8,12 Euro seien eigentlich zu viel.

Rezepturen werden häufig von Haut- und Kinderärzten verordnet, weil es keine passenden Fertigarzneimittel auf dem Markt gibt. Oft sind sie für die Krankenkassen wirtschaftlicher als Fertigarzneimittel. Für die Apotheken hingegen bedeuten sie – auch bei einer Anhebung des Fixzuschlags beim Apothekenhonorar – ein Verlustgeschäft. Maag sagte, über die Rezepturvergütung müsse nachgedacht werden; sie stellte in Aussicht, dass es am ehesten bei der apothekerlichen Vergütung im Notdienst zu einer Anhebung kommen könne, gab jedoch kein definitives Versprechen.

Mit Blick auf unterschiedliche Möglichkeiten der Herstellungsprüfung nach Anfertigen einer Defektur machte sich Gulde für praktikable, qualitätssichernde Kontrollen stark, die für Apotheken leicht umzusetzen sind. Ob die Arzneimittelsicherheit durch aufwendige Nasschemie oder gar Infrarotspektroskopie erheblich gesteigert werden kann, bezweifelt er. Viele Apotheken könnten auch keine fünfstelligen Beträge für neue Gerätschaften ausgeben. Besonders wichtig sei aber eine einheitliche Auslegung der Apothekenbetriebsordnung durch alle vier Regierungspräsidien in Baden-Württemberg.

An alle Apotheker: berufliche Ärgernisse bitte melden!

Maag will den Apothekerberuf wieder attraktiver gestalten, denn junge Apotheker werden in der Industrie und in den öffentlichen Apotheken gebraucht. Dazu müssten auch die nicht-heilberuflichen und nicht-kaufmännischen Alltagstätigkeiten und Aufgaben der Apotheker unter die Lupe genommen werden, um beispielsweise alltägliche Ärgernisse wie die mangelnde Lieferfähigkeit von rabattierten Medikamenten zu beseitigen. Es könne nicht sein, dass Apotheker nicht-funktionierende Verträge von Krankenkassen und Herstellern ausbaden müssen. Dies den Patienten zu erklären, sei Ressourcenverschwendung von erstklassig ausgebildetem, pharmazeutischem Fachpersonal, so Maag.

Damit sie sich noch mehr für die Belange der Apothekerschaft einsetzen kann, hat Maag von Gulde eine Liste mit den häufigsten Ärgernissen im apothekerlichen Alltag erbeten. Apotheker, die hier etwas beizutragen haben, werden daher aufgerufen, ihre wichtigsten Ärgernisse im Apothekenalltag kurz und sachlich zusammengefasst mit dem Betreff "Rangliste apothekerlicher Ärgernisse" per E-Mail an presse@apotheker.de zu senden. Der LAV erstellt daraus eine Rangliste der wichtigen, grundsätzlich zu lösenden Probleme, die er der Abgeordneten Karin Maag zukommen lässt.


Quelle: Simon Veeser, LAV Baden-Württemberg



DAZ 2012, Nr. 37, S. 85

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