Arzneimittel und Therapie

Psoriasis umfassend behandeln

Was TNF-α-Inhibitoren bei Psoriasis leisten können

Die TNF-alpha-Blockade ist fester Bestandteil der Psoriasis-Therapie. Bei einem Teil der Patienten lässt sich nur damit das primäre Ziel, ein PASI 75, erreichen. Unverzichtbar sind TNF-alpha-Inhibitoren auch bei Psoriasis-Arthritis und der Nagelpsoriasis. Aktuelle Daten zu den beiden TNF-alpha-Inhibitoren Infliximab und Adalimumab wurden anlässlich der 23. Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie in München präsentiert.
Typisches Verteilungsmuster Bei der Psoriasis vulgaris treten typischerweisean beiden Körperhälften symmetrisch ausgeprägte stark gerötete undschuppende Herde auf, bevorzugt an den Streckseiten der Gliedmaßen (Ellenbogen und Knie) aber auch in der Kreuzbeingegend. Bei 80% der Betroffenenvergrößern sie sich im Laufe der Zeit an den verschiedenen Körperstellen.  Foto: Farina3000 – Fotolia.com

Primäres Ziel der systemischen Therapie der Psoriasis ist die Senkung des PASI (Psoriasis Area and Severity Index) um 75% (PASI 75). Bei einem PASI < 50 sollte die Therapie angepasst werden. Wird eine Senkung zwischen 50 und 75% erreicht, entscheidet die Lebensqualität über das weitere therapeutische Vorgehen, erläuterte Prof. Dr. Ulrich Mrowietz, Kiel, auf einem von der MSD Sharp & Dohme GmbH veranstalteten Meet-the-Expert. Für die Therapieeskalation stehen bei mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis TNF-α-Inhibitoren wie Infliximab (Remicade®) zur Verfügung. Sie sind indiziert, wenn die Patienten auf eine andere systemische Therapie einschließlich Ciclosporin, Methotrexat oder PUVA nicht angesprochen haben oder eine Kontraindikation oder Unverträglichkeit vorliegt. Im Vergleich verschiedener Biologika im Rahmen einer Metaanalyse, die neben TNF-α-Inhibitoren auch Ustekinumab berücksichtigte, zeigte Infliximab die höchste Vorhersagewahrscheinlichkeit für das Ansprechen auf eine Therapie.

Vorteil bei Übergewichtigen: gewichtsadaptierte Dosierung

Direkten Einfluss auf das Therapieansprechen hat das Körpergewicht: Patienten mit einem hohen BMI sprechen schlechter auf die Behandlung an. Das ist besonders relevant, da der BMI bei Patienten mit Psoriasis ohnehin signifikant erhöht ist. Priv.-Doz. Dr. Andreas Körber, Essen, erläuterte anhand von Studiendaten, dass adipöse Patienten von der gewichtsadaptierten Therapie mit Infliximab profitieren. Auch der lösliche TNF-α-Rezeptor Etanercept kann für die mittelschwere bis schwere Plaques-Psoriasis eingesetzt werden. Sprechen die Patienten darauf nicht an, lohnt sich ein Switch zu Infliximab, wie die PSUNRISE-Studie belegt. Nach insgesamt 26 Wochen erreichten 61% der 215 auf Infliximab umgestellten Patienten eine Verbesserung des PGA (Physician Global Assessment)-Scores auf 0 oder 1. Der mediane DLQI (Dermatology Life Quality Index) verbesserte sich während des Beobachtungszeitraums von 10,2 auf 2,7.


Selbsttest


Da die Früherkennung und rechtzeitige Behandlung bei der Psoriasis-Arthritis von besonderer Bedeutung ist, sollte man bei den Patienten nachfragen, ob in der letzten Zeit zu den schuppigen Plaques auf der Haut auch noch Schmerzen in den Gelenken hinzugekommen sind. Diese sollten dann unbedingt von dem entsprechenden Arzt abgeklärt werden! Patienten können mit dem Selbsttest "Psoriasis und Gelenkschmerzen" auf den Internetseiten www.special-psoriasis.de einen ersten Hinweis darauf bekommen, ob sie möglicherweise an einer Psoriasis-Arthritis erkrankt sind.

Auch an die Gelenke denken

Bei der Psoriasis nur die Haut zu betrachten, greift allerdings zu kurz, machte Priv.-Doz. Dr. Marc Radtke, Hamburg, auf einem von der Abbott GmbH veranstalteten Symposium deutlich. Auch die Gelenke und die Nägel müssen in Augenschein genommen werden. Immerhin entwickeln bis zu 20% der Menschen mit Psoriasis langfristig eine Psoriasis-Arthritis. Bei jedem Psoriasis-Patienten mit Hauterscheinungen sollte deshalb gezielt nach Gelenkbeschwerden gefragt werden, und zwar nicht nur bei schwerer Psoriasis. Auch bei leichten Hautmanifestationen können die Gelenke bereits betroffen sein.

Psoriasis-Arthritis: langfristiges Ansprechen auf Adalimumab

Um eine Progression der Gelenkdestruktion zu verhindern, muss frühzeitig eine systemische Behandlung begonnen und konsequent durchgeführt werden. Ähnlich wie bei der rheumatoiden Arthritis sollte dabei das "window of opportunity" nicht verpasst werden. Zudem muss die gewählte Therapie sowohl die psoriatischen Plaques als auch die psoriatische Arthritis effektiv bekämpfen. Dies gelingt durch eine TNF-alpha-Blockade. Für den TNF-alpha-Antikörper Adalimumab (Humira®) konnte in der ADEPT (Adalimumab Effectiveness in Psoriatic Arthritis Trial)-Studie bei Patienten mit mäßig bis schwer aktiver Psoriasis-Arthritis eine rasche und anhaltende Wirkung auf die Gelenkentzündung gezeigt werden. Nach einer Doppelblindphase über 24 Wochen hatten 57% der Patienten unter Adalimumab ein ACR20-, 39% ein ACR50- und 23% ein ACR70-Ansprechen erreicht (Placebo: 15%, 6% und 1%, alle p < 0,001). Eine signifikante Response war schon nach zwölf Wochen zu erkennen. Während der offenen Studienerweiterung ergab sich nach insgesamt 104 Therapiewochen eine anhaltende Verbesserung der jeweiligen ACR20/50/70-Ansprechraten bei 57,3%, 45,2% und 29,9% der Patienten. Eine TNF-alpha-Blockade ist bei peripherer Arthritis indiziert, wenn nicht-steroidale Antirheumatika und DMARDs (disease modifying antirheumatic drugs) nicht ausreichend effektiv sind. Bei axialer Psoriasis-Arthritis sowie bei Daktylitis und Enthesitis ist sie entsprechend der Empfehlungen von GRAPPA (Group for Research and Assessment of Psoriasis and Psoriatic Arthritis) und EULAR (European League against Rheumatism) hingegen erste Wahl.


ZUM WEITERLESEN

Schuppenflechte – eine Krankheit, die unter die Haut geht

Psoriasis spielt sich über die Haut hinaus bei einem Teil der Patienten auch an den Gelenken ab. Längst wird sie nicht mehr nur als harmlose Hauterkrankung, sondern vielmehr als folgenschwere Systemerkrankung mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall angesehen.

  • Führen Sie Ihren Patienten diese Zusammenhänge deutlich vor Augen
  • Ermuntern Sie durch kompetente Beratung, die medikamentöse Behandlung konsequent einzuhalten

  • Legen Sie Ihren Patienten eine regelmäßige Hautpflege ans Herz und verhelfen Sie ihnen damit zu mehr Lebensqualität


Zeigen Sie Beratungsgeschick!

Winterhagen, Ines

Beratungspraxis Psoriasis

1. Auflage 2010.

XVI, 144 S., 10 farb. Abb., 36 farb. Tab.

14,80 Euro

Kartoniert

Deutscher Apotheker Verlag

ISBN 978-3-7692-5288-0


Apothekerin Dr. Beate Fessler



DAZ 2012, Nr. 36, S. 47

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