Prisma

Eizellen möglichst "jung" einfrieren

Um Krebspatientinnen eine spätere Schwangerschaft zu ermöglichen, werden häufig vor Therapiebeginn Eizellen entnommen und eingefroren. Wie in einer Studie nun beschrieben wird, ist dies bei Frauen ab 30 Jahren nur noch begrenzt sinnvoll.

Eizellen, die Krebspatientinnen vor der Therapie entnommen und eingefroren werden, sollen ihnen eine spätere Schwangerschaftermöglichen. Bei älteren Frauen istdie Erfolgsquote der Methode allerdings gering. Foto: Uniklinik Freiburg

Jungen Krebspatientinnen werden vor Bestrahlung und Chemotherapie häufig Eizellen entnommen und tiefgefroren. Dadurch soll es den Frauen ermöglicht werden, nach der Genesung schwanger zu werden ohne Furcht, dass das Kind durch die Krebsbehandlung genetisch geschädigt sein könnte.

Immer häufiger bitten auch gesunde Frauen darum, ihre Eizellen einfrieren zu lassen. Das Einfrieren von Eizellen aus nicht-medizinischen Gründen wird im angloamerikanischen Sprachraum "Social freezing" genannt. Das Durchschnittsalter der Frauen, die mit dem Wunsch nach "Social freezing" in die Kinderwunschsprechstunde kommen, liegt bei 38 Jahren. Damit sind allerdings die Erfolgschancen für eine spätere Schwangerschaft denkbar schlecht: Statistisch müssen zehn bis 15 Eizellen aus dem Eierstock entnommen, gefroren, aufgetaut, befruchtet und in die Gebärmutter eingepflanzt werden, bis es zu einer erfolgreich beendeten Schwangerschaft kommt. Doch übersteht nur jede dritte Eizelle, die von einer 38-jährigen Frau entnommen wird, den Auftauprozess unbeschadet. Eizellen, die von 25-jährigen Frauen entnommen wurden, sind nach dem Auftauen fast zu 100% intakt. Außerdem steigt mit dem Alter – unabhängig vom Überleben nach dem Einfrieren – die Wahrscheinlichkeit, dass das Erbmaterial der Eizellen auffällig wird. Von Frauen über 35 Jahre müssten also noch viel mehr Eizellen entnommen werden, damit die Chance auf eine glückliche Schwangerschaft einigermaßen realistisch wird – eine sehr anstrengende und belastende Prozedur. Die Implantationsraten pro aufgetauter Eizelle liegen derzeit bei maximal zehn Prozent.


hel


Quelle: Nawroth, F. et al.: Frauenarzt 2012; 53: 528 – 533



DAZ 2012, Nr. 36, S. 8