Arzneimittel und Therapie

Arthrosepatienten unterstützen

Pharmazeutische Betreuung verbessert die Versorgung von Patienten mit Osteoarthritis

Patienten mit einer Kniegelenksarthrose sind häufige Apothekenkunden. Eine Studie aus Vancouver zeigt, dass diese im Rahmen einer pharmazeutischen Betreuung besser versorgt werden können. Es besserte sich die Qualität der Versorgung sowie die gesundheitsbezogene Lebensqualität der betroffenen Patienten.
Patienten mit Kniegelenksarthrose können von der interdisziplinären Zusammenarbeit von Ärzten, Physiotherapeuten und Pharmazeuten profitieren. Apotheker sind dafür prädestiniert, schlecht versorgte Patienten zu erkennen und zwischen dem Patienten und Hilfsangeboten zu vermitteln. Den Benefit hat eindeutig der Patient: weniger Schmerzen und eine höhere Beweglichkeit. Foto: nebari – Fotolia.com

Beschwerden aufgrund einer Osteoarthritis des Knies treten bei rund 10% aller älteren Männer und bei 13% aller über 60-jährigen Frauen auf. Diese Zahlen werden aufgrund steigender Lebenserwartung und Zunahme der Adipositas in den nächsten zwei Dekaden um etwa 50% ansteigen. Trotz dieser beachtlichen Zahl von Betroffenen ist die medizinische Versorgung dieser Patienten nur unzureichend. Das liegt zum einen an dem schleichenden Verlauf der Erkrankung und zum anderen an häufig nicht korrekt gestellten Diagnosen oder unadäquaten Therapien. Obwohl Leitlinien zur Osteoarthritis des Knies die Notwendigkeit kombinierter medikamentöser und nicht medikamentöser Maßnahmen betonen, wird diese Forderung in der Praxis nur selten umgesetzt. Da die Betroffenen häufig Rat in der Apotheke suchen, liegt es nahe, sich im Rahmen einer pharmazeutischen Betreuung professionell um diese Patenten zu kümmern. Diesen Weg ging eine amerikanische Arbeitsgruppe, die eine Studie zur multidisziplinären Betreuung von Patienten mit Kniegelenksarthrose initiierte (PhIT-OA, The Pharmacist initiated intervention trial in osteoarthritis). Durch die pharmazeutische Betreuung sollte die Qualität der Versorgung sowie die gesundheitsbezogene Lebensqualität der betroffenen Patienten verbessert werden.

Patientenrekrutierung in der Apotheke

Die Rekrutierung der über 50-jährigen Studienteilnehmer erfolgte in öffentlichen Apotheken. Dazu wurden potenzielle Kandidaten direkt angesprochen und schriftliches Informationsmaterial ausgelegt. Zur Aufnahme in die Studie mussten vorgegebene Kriterien wie Alter, bestätigte Diagnose, Ausschluss bestimmter Erkrankungen etc. erfüllt sein. Die Probanden wurden zwei Gruppen zugeteilt, der Interventions-Gruppe und der Vergleichs-Gruppe.

  • Patienten der Interventions-Gruppe wurden interdisziplinär durch den Apotheker, den Hausarzt und den Physiotherapeuten betreut. Diese Betreuung umfasste die Beratung und Aufklärung des Patienten, das Management der Schmerztherapie, die von Physiotherapeuten begleitete Krankengymnastik sowie die Kommunikation mit dem Hausarzt.

  • Probanden der Vergleichs-Gruppe erhielten die Aufklärungsbroschüre einer kanadischen Fachgesellschaft (The Arthritis Society).

Primärer Studienendpunkt war die Qualität der Betreuung basierend auf den Qualitätsindikatoren der Arthritis Foundation for the management of OA. Beurteilt wurde die Qualität der Betreuung von einer speziell geschulten Nurse mithilfe verschiedener Fragebögen zu Beginn der Studie sowie nach drei und sechs Monaten. Dabei wurden jeweils Punkte vergeben, deren Endsumme zum Vergleich der beiden Gruppen herangezogen wurde. Sekundäre Endpunkte beurteilten mithilfe verschiedener Messinstrumente zusätzlich die Lebensqualität, Aktivitäten des täglichen Lebens sowie krankheitsbezogene Parameter. Die hierzu herangezogenen Hilfen waren der WOMAC-Score, die LEF-Skala, der PA-Test sowie der HU-Index (siehe Kasten).


Eingesetzte Messinstrumente zur Ermittlung der Lebensqualität


WOMAC: Western Ontario and McMaster Universities Osteoarthritis Index; Messinstrument für die Evaluation der gesundheitsbezogenen Lebensqualität von Patienten mit Arthrose an den unteren Extremitäten

LEFS: Lower Extremities Function Scale; Instrument zur Untersuchung der Funktionsfähigkeit von Patienten mit Problemen der unteren Extremitäten

PAT-5D: Paper Adaptive Test-5D; Fragebogen zu täglichen Aktivitäten, Gehvermögen, Schmerzen, Emotionen etc.

HUI3: Health Utilities Index Mark 3; Fragebogen zur Erfassung von Erkrankung und Lebensqualität

Höhere Qualität in der pharmazeutisch betreuten Gruppe

An der randomisierten, kontrollierten Cluster-Studie nahmen 139 Patienten teil. 66 wurden der Kontroll-, 73 der Interventions-Gruppe zugeteilt. Insgesamt waren 23 Apotheken im Einzugsgebiet von Vancouver beteiligt. Die Auswertung der Daten erfolgte mithilfe einer Intention-to-treat-Analyse.

Die die Qualität beschreibende Erfolgsquote war in der Interventions-Gruppe signifikant höher als in der Kontroll-Gruppe. Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen lag bei 45,2%. Das bessere Abschneiden der Interventions-Gruppe betraf sieben Bereiche, unter anderem den Gewichtsverlust, die Information, die Einschätzung der Schmerztherapie und der Funktionalität sowie die körperliche Verfassung. Die Kontroll-Gruppe schnitt lediglich in zwei Bereichen besser ab.

Signifikante Unterschiede zugunsten der Interventions-Gruppe betrafen ferner nach drei und sechs Monaten den WOMAC-Score, den PAT-5D-Score zur Beschreibung der täglichen Aktivität sowie den HUI3-Schmerz-Index; nach sechs Monaten den PAT-5D-Score zur Schmerzbeurteilung und die LEF-Skala.

Apotheker schließt Versorgungslücke

In dieser Studie konnte gezeigt werden, dass Patienten mit einer Kniegelenksarthrose von einer interdisziplinären Versorgung profitieren. Das Verdienst des Pharmazeuten liegt vornehmlich darin, schlecht versorgte Patienten zu erkennen, diese an die entsprechenden Stellen (Physiotherapeuten, Hausarzt) zu verweisen, die Medikation zu überwachen und zwischen dem Patienten und Hilfsangeboten zu vermitteln.


Quelle

Marra C., et al.: Pharmacist initiated intervention trial in osteoarthritis (PhIT-OA): a multidisciplinary intervention for knee osteoarthritis. Arthritis Care & Research DOI 10.1002/acr.21763


Apothekerin Dr. Petra Jungmayr



DAZ 2012, Nr. 36, S. 43

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