Arzneimittel und Therapie

Mögliche Risiken einer Fluorochinolon-Therapie

Leberschäden durch Moxifloxacin und Levofloxacin

Fluorochinolone hemmen spezielle bakterielle Enzyme, zeichnen sich aber gegenüber vergleichbaren Antibiotika durch ein breiteres Wirkungsspektrum aus. Während einer Behandlung mit Fluorochinolonen können allerdings unerwünschte Wirkungen auftreten. Verschiedene Präparate dieser Gruppe wurden daher bereits vom Markt genommen. Jetzt zeigt eine kanadische Studie ein erhöhtes Risiko für schwere Leberschäden bei älteren Patienten nach einer Therapie mit Moxifloxacin und Levofloxacin. Die EMA hatte die Anwendung von Moxifloxacin bereits vor einigen Jahren eingeschränkt.
Bei älteren Patienten kam es unter einer Therapie mit den Fluorochinolon-Antibiotika Moxifloxacin und Levofloxacin zu einer vergleichsweise deutlich erhöhten Zahl von schweren Leberschäden. Foto: StefanieB. – Fotolia.com

Fluorochinolon-Antibiotika hemmen die Gyrase, ein bakterielles Enzym; neuere Präparate auch andere Enzyme wie die Topoisomerase IV und damit die Replikation der Bakterien-DNA. Sie zeichnen sich durch ein breites Wirkungsspektrum aus; als Indikation gelten fast alle bakteriellen Infektionen, vor allem Harnwegs- und Atemwegsinfektionen. Einige Chinolone mussten allerdings wegen seltener, aber schwerer unerwünschter Wirkungen, teilweise mit Todesfällen, zwischenzeitlich vom Markt genommen werden, so Trovafloxacin bereits 1999 in Europa wegen schwerer Leberschäden. Darüber hinaus ist für mehrere Chinolone das Risiko eines vorübergehenden reversiblen Anstiegs bestimmter Aminotransferasen, die diagnostische Bedeutung bei Lebererkrankungen haben, bekannt.

Auch unter Levofloxacin Leberfunktionsstörungen!

Nachdem es zu mehreren Todesfällen durch Leberschäden unter einer Moxifloxacin-Therapie gekommen war, hatte die Europäische Arzneimittelagentur EMA im Jahr 2008 die Anwendung des Fluorochinolon-Antibiotikums weitgehend eingeschränkt; es soll nur noch als Reserveantibiotikum Anwendung finden. Eine weitere ausdrückliche Warnung wurde von der kanadischen Gesundheitsbehörde Health Canada ausgesprochen. Die US-amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA nimmt bisher eine eher zurückhaltende Position ein. Grund dafür könnten die insgesamt relativ selten vorkommenden schweren Nebenwirkungen sein.

Eine langjährige kanadische Fall-Kontroll-Studie zeigt jetzt einen Zusammenhang zwischen den Verordnungsdaten zu Moxifloxacin, Levofloxacin und Ciprofloxacin für Patienten über 66 Jahren mit einem möglichen Krankenhausaufenthalt wegen einer schweren akuten Lebererkrankung. Als Vergleich dienten das Cephalosporin Cefuroxim und das Makrolid Clarithromycin.

Für den Zeitraum von April 2002 und März 2011 konnten die Autoren der Studie insgesamt 144 Fälle von schweren Leberschäden aufzeigen, 88 davon endeten tödlich. Die bereits bekannte Nebenwirkung von Moxifloxacin wurde wiederum bestätigt; innerhalb der ersten 30 Tage nach einer Moxifloxacin-Verordnung war das Risiko eines schweren Leberversagens mehr als doppelt so hoch wie nach der von Clarithromycin. Nach einer Verordnung von Levofloxacin war der Anstieg von schweren Leberfunktionsstörungen sogar noch etwas höher. Für Ciprofloxacin und Cefuroxim hingegen war das Risiko verglichen mit Clarithromycin nur leicht erhöht.

Auch wenn die Zulassungsbehörden bislang nicht auf die jetzt veröffentlichten Ergebnisse der Studie reagiert haben, sollten sie – so die Autoren – trotz der vergleichsweise geringen Zahl von sechs Fällen auf 100.000 Patienten mit regulatorischen Warnhinweisen reagieren.


Quelle

Paterson, J.M.; et al.: Fluoroquinolone therapy and idiosyncratic acute liver injury: a population-based study: CMAJ 2012. DOI:10.1503/cmaj.111823 vom 13. August 2012.

www.bfarm.de: Moxifloxacin-haltige Arzneimittel: Einschränkungen der Anwendungsgebiete und zusätzliche Warnhinweise. Aktualisierung vom 9. Januar 2009.


Dr. Hans-Peter Hanssen



DAZ 2012, Nr. 34, S. 36

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