Prisma

Farbensehen als Indikator für Depression

Depressive Menschen besitzen ein vermindertes Kontrastsehen, sie nehmen Schwarz-Weiß-Unterschiede schlechter wahr. Eine neue Studie zeigt jetzt, dass mit der Heilung der Depression auch eine Normalisierung des Farbsehens einhergeht.

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Patienten, die unter Depressionen leiden, beschreiben ihre Umwelt oft als grau und eintönig. Dieses subjektive Empfinden haben Wissenschaftler der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg nun objektiv „sichtbar“ gemacht. Mithilfe eines Elektroretinogramms konnten sie feststellen, dass die Netzhaut depressiver Menschen auf Farbkontraste in Schachbrettmustern stark vermindert reagiert. 14 depressive Patienten zeigten in einer Untersuchung eine drastisch schlechtere Antwort der Netzhaut als 40 gesunde Vergleichspersonen. In der aktuell veröffentlichten Studie konnten die Forscher nun eine Normalisierung des Kontrastsehens nach Abklingen der Depression nachweisen. Wird dieser Zusammenhang in weiteren Studien bestätigt, wäre es möglich, die persönliche Farbempfindung in objektive Messwerte zu überführen, die sich für die Diagnose und Therapie der Depression nutzen lassen.


sk


Quelle: Bubl, E. et al.: Br. J. Psychiat. 2012; 201:151 – 158



DAZ 2012, Nr. 33, S. 6