Aus der Hochschule

Lifestyle-Medikamente, Arzneimittel für den Gesunden

Fertigarzneimittelseminar der Goethe-Universität Frankfurt

Schöner, schlanker, gesünder! Kann man Schönheit, Makellosigkeit und körperliche Leistungsfähigkeit durch den Einsatz von Medikamenten erreichen? Mit dieser Frage beschäftigte sich das Abschlusssemester Pharmazie der Goethe-Universität Frankfurt im Rahmen des Fertigarzneimittelseminars im Sommersemester 2012.

Im Zuge des Wandels unseres Umfelds hin zu einer Leistungsgesellschaft mit stetig wachsenden Anforderungen in Studium und Beruf, wie auch in privaten Bereichen, genügt es vielen Menschen nicht mehr, im Strom der Durchschnittsbevölkerung mitzuschwimmen. Mithilfe des legalen, aber auch des illegalen Einsatzes von Arzneimitteln, wird zunehmend versucht, sich körperliche, wie auch geistige Vorteile zu verschaffen und sich dadurch von der breiten Masse abzuheben. Dass die Betroffenen durch den teilweise wenig reflektierten Missbrauch von wirksamen Arzneimitteln massive unerwünschte Arzneimittelwirkungen billigend in Kauf nehmen, wurde im Verlauf des Seminars deutlich. Auf der anderen Seite wurden Präparate präsentiert, deren Markteinführung und deren bestimmungsgemäßer Einsatz unsere Gesellschaft im Laufe der Jahre sichtbar geprägt haben.

Dem Fachpublikum wurde in vier Blöcken ein breites Themenspektrum von der Entwicklung und dem Einsatz oraler Kontrazeptiva, über das Doping im Breitensport bis hin zur Behandlung der androgenetischen Alopezie geboten. In ihrer Begrüßung gingen Ramona Sitzler und David Brunn zunächst auf die begriffliche Abgrenzung von Arzneimitteln, die bei klaren Indikationen verabreicht werden, von deren häufig missbräuchlichen Anwendung als Lifestyle-Medikamente ein. Diese klare Abgrenzung wurde von den einzelnen Gruppen in ihren Vorträgen aufgegriffen und der Einsatz der entsprechenden Substanzen von unterschiedlichen Gesichtspunkten aus bewertet.

Sexualleben

Im ersten Abschnitt des Seminars beschäftigten sich die vortragenden Gruppen mit dem Thema „Sexualleben“. Silvia Himolik referierte über die „Pille“ und wie sie die Welt verändert hat. Hierbei wurden neben den vielen positiven Aspekten oraler Kontrazeptiva auch der häufig unkritische Einsatz und die fehlende Aufklärung der Patientinnen über mögliche Risiken im Zuge der Einnahme der „Pille“ in den Fokus gerückt. Im Anschluss daran verglich und bewertete Jessica Ellmers die Wirkprofile von Sildenafil und seiner Alternativen zur Stärkung der Potenz des Mannes. Mit der Frage, ob Testosteron und Wachstumshormone beim Jungbleiben helfen können, beendete Robert Giesche den ersten Themenblock. In seinem Vortrag beleuchtete er unter anderem die großen Gefahren, die der Einsatz der entsprechenden Substanzen bei zum Teil nur marginalen positiven Effekten birgt.


Das Abschlusssemester Pharmazie der Universität Frankfurt beschäftigte sich im Fertigarzneimittelseminar mit dem Thema Lifestyle-Medikamente. Dazu wurden Referate über verschiedene Arzneimittel erarbeitet, die für sogenannte Lifestyle-Indikationen verwendet werden können.

Doping von Geist und Körper

Die Referenten des zweiten Themenblocks befassten sich mit dem Doping von Geist und Körper. Dass der missbräuchliche Einsatz von Anabolika im Rahmen des Muskelaufbaus bereits einige Todesopfer gefunden hat, wurde im Vortrag von Silke München deutlich. Während es beim Bodybuilding darauf ankommt, möglichst schnell an Muskelmasse zuzulegen, zählt im Radsport die Verbesserung der Kondition. Sabine Baum erläuterte den Einsatz von Epo im Ausdauersport, sowie dessen Nachweis im Rahmen von Dopingkontrollen. Dass sich auch Apotheker bei der wissentlichen Abgabe von Epo für Dopingzwecke strafbar machen, zeigte die Referentin am Beispiel des Arzneimittelgesetzes.

Beim Betrachten des Leistungsdrucks im Beruf wird jedoch deutlich, dass nicht nur die körperliche, sondern vielmehr die mentale Leistungsfähigkeit für viele Menschen von hoher Bedeutung ist. Sebastian Lobentanzer wägte mit seiner Gruppe in einem sehr anschaulichen Vortrag die psychostimulatorischen Wirkungen von unter anderem Amphetamin, Kokain und Coffein gegen deren Abhängigkeitspotenzial ab. Das Fazit der Gruppe lieferte die Erkenntnis, dass legale Aufputschmittel, wie eine Tasse Kaffee und ein gesunder Lebensstil, auf Dauer weitaus gesünder und effektiver als illegale Substanzen seien.

„Immer fit, schön und gut gelaunt“ war nicht nur das Motto unseres Semesters, sondern auch zentraler Bestandteil des folgenden Themenblocks. Stephan Oksas referierte über die fragwürdige Anwendung von Antidepressiva, Neuroleptika und Benzodiazepinen bei Gesunden und arbeitete den besonderen Stellenwert von Benzodiazepinen bei gleichzeitig hohem Abhängigkeitspotenzial heraus. Der Aspekt der Schönheit wurde von Désirée Than, die sich mit den verschiedenen Optionen zum Abnehmen beschäftigte, näher beleuchtet. Im Zeichen der Fitness hingegen stand der Vortrag zum Thema „Raucherentwöhnungsmittel“ von Jennifer Bender. Ergänzend dazu berichtete Prof. Dr. Theodor Dingermann, der vor 20 Jahren mit dem Rauchen aufgehört hatte, in einem kurzen Videoclip über seine persönlichen Erfahrungen und Probleme in Bezug auf die Raucherentwöhnung.

Gegen das Altern

Den Abschluss unseres Fertigarzneimittelseminars bildeten zwei Vorträge zum Thema „Gegen das Altern“. Katrin Berthel referierte über den zulassungskonformen, wie auch den Off-label-Use von Botox, einem vielfältigen Arzneimittel mit Anwendung in der Kosmetik. So wird Botulinumtoxin bekanntermaßen nicht nur zum Kaschieren unliebsamer Fältchen im Gesichtsbereich, sondern auch gegen Dystonien, Hyperhidrosis und zur Migräneprophylaxe eingesetzt. Was gegen den Haarverlust im Alter wirklich hilft, präsentierte Theresa Alt, die sich dabei auf die androgenetische Alopezie konzentrierte. Im Rahmen ihres Vortrags wurden Versprechungen der Werbung kritisch bewertet und wissenschaftlich hinterfragt.

Während der Vorbereitungen auf das Seminar lernten wir nicht nur den Umgang mit Primärliteratur, sondern auch die Planung und Durchführung eines wissenschaftlichen Symposiums, bei dem neben den guten Vorträgen auch das Rahmenprogramm stimmen muss. Hierbei waren wir auf die Unterstützung von verschiedenen Institutionen angewiesen. So konnten wir unseren Gästen Dank unseres Hauptsponsors, dem Pharmahandel Phoenix (Vertriebszentrum Hanau), ein breites kulinarisches Angebot nach den einzelnen Themenblöcken anbieten. Bei der Erstellung des ausführlichen Skriptes zum Seminar war die Techniker Krankenkasse maßgeblich beteiligt. In diesem Skript gehen die Gruppen zusätzlich zu den in den Vorträgen behandelten Aspekten, auf weitere interessante Themen ein, die aufgrund des engen Zeitfensters keinen Platz in den Präsentationen gefunden haben. Es sind noch einige Exemplare verfügbar und können über info@fertigarzneimittelseminar.com bezogen werden.

Wir möchten außerdem den betreuenden Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern, die nicht zuletzt durch ihre tatkräftige Unterstützung bei der Erarbeitung der Vorträge für den Erfolg der Veranstaltung mitverantwortlich sind, danken. Die Landesapotheker- und die Landesärztekammer zertifizierten unser Seminar mit jeweils acht Fortbildungspunkten und das Deutsche Rote Kreuz mit acht Fortbildungsstunden für Rettungsdienstpersonal.

Weiterer Dank gilt den folgenden Institutionen:

Alumni und Freunde der Pharmazeutischen Institute e.V., Apotheken-Rechen-Zentrum GmbH Darmstadt, Arbeitsgemeinschaft Pharmazeutische Verfahrenstechnik e.V., F. Hoffmann-La Roche AG Basel, Landesapothekerkammer Hessen.


Benjamin Kühn



DAZ 2012, Nr. 32, S. 70

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