Arzneimittel und Therapie

FDA sieht positives Nutzen-Risiko-Verhältnis für Tofacitinib

Januskinase-Inhibitoren als neue Wirkstoffklasse

In Deutschland schätzt man die Zahl der an einer rheumatoiden Arthritis Erkrankten auf 800.000. Als Ursache wird von einer Autoimmunerkrankung ausgegangen. Tofacitinib, ein neuartiger Wirkstoff aus der Klasse der Januskinase-Inhibitoren, steht jetzt kurz vor der Zulassung in den USA. Diese neue Wirkstoffklasse greift direkt in die intrazellulären Signalwege ein, die im Netzwerk der inflammatorischen Zytokine von zentraler Bedeutung sind. Das Mittel soll bei Patienten eingesetzt werden, die auf andere immunmodulierende Antirheumatika mit starken Nebenwirkungen reagieren.

Bei schwerem Rheuma kann mit den Januskinase-Inhibitoren bald eine neue Wirkstoffklasse zur Verfügung stehen. Foto: DOC RABE Media – Fotolia.com

Zur medikamentösen Therapie der Autoimmunerkrankung werden – individuell abgestimmt – neben Methotrexat verschiedene Basistherapeutika wie Analgetika, NSAID oder Glucocorticoide eingesetzt. Neuere Therapeutika sind Antikörper, lösliche Rezeptoren oder Antagonisten, die gegen proinflammatorische Zytokine gerichtet sind. Eine andere Wirkstoffklasse, die Januskinase-Inhibitoren, greift direkt in die intrazellulären Signalwege ein, die im Netzwerk der inflammatorischen Zytokine von zentraler Bedeutung sind. Die Januskinase (JAK) phosphoryliert das Protein STAT (signal transducer and activator of transcription), das dann in den Zellkern wandert und die Bildung proinflammatorischer Zytokine anregt. Als erster Wirkstoff dieser Klasse soll das oral anzuwendende Tofacitinib (Pfizer) demnächst von der FDA zugelassen werden. Das Mittel soll zweimal täglich zu 5 oder 10 mg oral eingenommen werden. Das Präparat kann als Monotherapie oder in Kombination mit anderen krankheitskontrollierenden Medikamenten (DMARD; Disease Modifying Anti-Rheumatic Drugs) eingesetzt werden. Nachdem Tofacitinib bereits in früheren Studien an etwa 5000 Patienten erfolgreich getestet worden war, zeigte es in einer aktuellen 24-monatigen Phase-III-Studie mit mehr als 950 Probanden im Vergleich zu Methotrexat signifikant weniger strukturelle Schäden bei Patienten mit aktiver rheumatoider Arthritis. Auch Beschwerden und Symptome der Patienten wurden durch das Präparat deutlicher reduziert. Allerdings wurden auch schwere Nebenwirkungen wie Lungenentzündungen, Lymphome, Neutropenien, Tuberkulose, Herpes zoster und erhöhte Lipidwerte festgestellt. Besonders auffällig waren die Herpes-Erkrankungen. Daher sollten Ärzte die behandelten Patienten beobachten und Nebenwirkungen systematisch erfassen. Pfizer hat auch bei der europäischen Arzneimittelagentur und in Japan die Zulassung beantragt. Eine Entscheidung wird in den USA für Mitte August erwartet.


Quelle

Cohen, S.; Fleischmann, R.: Kinase inhibitors: a new approach to rheumatoid arthritis treatment. Curr. Opin. Rheumatol. 2010; 22(3): 330 – 335.

Associated Press: Pfizer Study: Arthritis Pill Beats Standard Drug: Pressemitteilung vom 31. Juli 2012.


Dr. Hans-Peter Hanssen



DAZ 2012, Nr. 32, S. 37

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