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„25 Cent nach neun Jahren sind nicht genug!“

ADEXA-Mitglieder zur Apothekenhonorierung

Mit einer an Presse und Politiker gerichteten Kampagne unterstützt die Apothekengewerkschaft die Forderung der Standespolitik nach einer angemessenen Erhöhung der Apothekenhonorierung.

Seit 2004 bekommen Apotheken bei der Abgabe rezeptpflichtiger Arzneimittel einen pauschalen Betrag von 8,10 Euro plus 3% des Arzneimittelpreises von den Krankenkassen. Dieser Betrag ist seitdem nicht angehoben worden, sondern noch mehrfach um Zwangsrabatte von bis zu 2,30 Euro abgesenkt worden.

In dieser Zeit betrug der inflationsbedingte Preisanstieg 14,4 Prozent, außerdem sind regelmäßige Gehaltserhöhungen einzukalkulieren.

Auf Basis der gestiegenen Betriebs- und Personalkosten hat die Standesvertretung der öffentlichen Apotheken eine Erhöhung des Honorars auf 9,14 Euro gefordert. Die beiden FDP-geführten Bundesministerien für Wirtschaft und Gesundheit haben dagegen lediglich 25 Cent angeboten, das heißt ein Honorar von 8,35 Euro ab 2013.

Als Vertretung aller Angestellten in den öffentlichen Apotheken weist die Apothekengewerkschaft ADEXA diesen Vorschlag als ungenügend zurück. Es ist abzusehen, dass die Erhöhung nicht ausreicht, um die unter anderem durch die neue Apothekenbetriebsordnung gestiegene Arbeitsbelastung auszugleichen und angemessene Einkommen der rund 130.000 Apothekenbeschäftigten sicherzustellen.

Damit verschärft sich der Druck auf viele Apotheken, die ohnehin am Existenzminimum wirtschaften – und das begonnene Apothekensterben wird sich verschärfen, gerade auch auf dem Land. Schon jetzt müssen pro Woche sechs Apotheken schließen. Niedrige Einkommen führen außerdem zu Nachwuchsmangel und Abwanderung in andere Branchen – bereits jetzt fehlen vielerorts Fachkräfte.

ADEXA fordert deshalb die Politik auf, die Honorierung stärker anzuheben und dabei auch die Bereiche Notdienst, Rezeptur und Betäubungsmittelabgabe einzubeziehen.

„Ich bin angestellter Apotheker und trage Verantwortung für Ihre Gesundheit. Dafür leiste ich auch Nacht- und Notdienste. Die Leistung der Apotheken wird aber weder von der Regierung noch von den Krankenkassen entsprechend honoriert – und im Vergleich zu anderen akademischen Berufen ist mein Gehalt nicht besonders hoch. Gerecht finde ich das nicht! Die Politik ist gerade dabei, das Vertrauen von uns Apothekenangestellten endgültig zu verspielen.“ Necdet Kalipcioglu, angestellter Apotheker in Hessen



„Dass unser Gesundheitssystem sparen muss, steht außer Frage. Hier sollten aber Wege gefunden werden, die die gute Qualität der Arzneimittelversorgung nicht gefährden – gerade auch im ländlichen Bereich. Heute beraten Apotheken 4 Millionen Kunden pro Tag. Im Bereich der Selbstmedikation ersparen sie dadurch den Krankenkassen jährlich mehr als 4,2 Milliarden Euro*“. Jutta Brielich, PTA in Niedersachsen * Studie des Institutes für Handelsforschung (IfH) vom März 2011




„Angestellte Apotheker in Landapotheken müssen oft alle 14 Tage Nachtdienst leisten. Wussten Sie, dass Apotheken seit 2004 immer die gleiche Notdienst-Gebühr von 2,50 Euro für die Abgabe auf Rezepte bekommen? Kennen Sie andere Bereiche, in denen es so lange keine Erhöhung gegeben hat?“ Stefanie Adam, angestellte Apothekerin in Schleswig-Holstein





„Bereits heute ist in vielen ländlichen Regionen die nächste Apotheke etliche Kilometer weit entfernt. Stoppen die Politiker diese Tendenz nicht, ist bald in vielen Dörfern und Gemeinden die Arzneimittelversorgung gefährdet.“ Andreas May, PTA in Bayern





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