Zeta-Akademie

Wir brauchen neue Arzneimittel

Krise in der Arzneimittelentwicklung?

Gibt es noch ausreichend Arzneimittelinnovationen oder steckt die Forschung schon in einer Krise? Ertrinken wir in Zukunft in drittklassigen Generika, hergestellt in Ländern wie Indien und China? Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Professor für Pharmazeutische Chemie an der Uni Frankfurt und wissenschaftlicher Leiter des Zentrallaboratoriums Deutscher Apotheker (ZL), zeigte an Beispielen, dass es sehr wohl innovative Arzneimittel gibt.
Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz Seine Thesen: Die Zukunft gehört der individualisierten Therapie und Innovationen sind weiterhin notwendig.
Foto: DAZ/diz

Seine These: Die Zukunft gehört der individualisierten Therapie. Aber gerade auch neue Arzneistoffe, insbesondere Biosimilars werden helfen, Therapieanforderungen gerecht zu werden.

Während man heute in bestimmten Indikationsgebieten wie beispielsweise der Hypertonie hervorragende Wirkstoffe zur Verfügung hat ("wir brauchen keine neuen Antihypertonika"), gibt es andere Bereiche, beispielsweise Herzinsuffizienz oder Tumorerkrankungen, in denen neue Therapiestrategien notwendig sind. Die Diagnose Pankreaskarzinom bedeutet noch immer ein Todesurteil.

Arzneiform berücksichtigen

In den vergangenen Jahren gab es zahlreiche Innovationen. Sprunginnovationen wie Cimetidin, Propranolol oder Sumatriptan führten zu vollkommen neuen Wirkstoffen, Schrittinnovationen optimierten bekannte Wirkstoffe und schufen Wirkstoffklassen wie die Protonenpumpeninhibitoren (ausgehend vom Omeprazol) oder die Dihydropyridine (ausgehend vom Nifedipin).

Schubert-Zsilavecz forderte, dass bei der Bewertung einer Innovation nicht nur der Arzneistoff, sondern verstärkt auch die Arzneiform berücksichtigt werden müsse.

Innovationen

Noch sind genügend Innovationen in den Pipelines der Unternehmen. In Zukunft könnten jedoch die Konzepte, wie man zu Innovationen gelangt, andere sein als bisher. Möglicherweise werden große Hersteller verstärkt mit kleineren Unternehmen zusammenarbeiten, die sich auf bestimmte Forschungsgebiete spezialisiert haben.

Eine Zukunftsrichtung dürfte vor allem in den maßgeschneiderten Therapien liegen, die an das Enzymmuster des Patienten angepasst sind.

Anhand von Beispielen wie dem Antikoagulans Dabigatranetexilat (Pradaxa) und Rivaroxaban (Xarelto) zeigte Schubert-Zsilavecz, wie wichtig Innovationen sein können.

Weitere Beispiele für Innovationen, die therapeutische Lücken füllen können, sind Mipomersen (Kynamro®), ein Antisense-Oligonukleotid zur Therapie der familiären Hypercholesterinämie, oder Vismodegib (Erivedge®), das erste Medikament für Erwachsene mit fortgeschrittenem Basalzellkarzinom, das von der FDA im Januar zugelassen wurde. Dieser Wirkstoff, ein sogenannter Hedgehog-Pathway-Inhibitor, ist das erste Medikament einer völlig neuen Wirkstoffklasse, das entstellende bzw. potenziell lebensbedrohliche Läsionen bei fortgeschrittenem Hautkrebs schrumpfen lässt.

Qualität der Generika

Neben Innovationen werden weiterhin Generika auf den Markt kommen, deren Qualität Schubert-Zsilavecz derzeit als "noch hoch bezeichnete. Beunruhigt zeigte er sich darüber, dass die Produktion von Generika immer mehr ins Ausland (Indien, Vietnam, China) verlagert wird. Behörden können die Kontrollen vor Ort nicht in dem Maße ausführen, wie es notwendig wäre.

Eine größere Bedeutung dürften in Zukunft neue monoklonale Antikörper bekommen, außerdem werden auch die Biosimilars (derzeit sind etwa 130 Biosimilars auf dem Markt) mehr Bedeutung erlangen. Mit ihnen lassen sich Kosten im Gesundheitswesen sparen.


diz



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DAZ 2012, Nr. 26, S. 74

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