Aus Kammern und Verbänden

Siemsen fordert mehr Selbstbewusstsein der Apotheker

Agenda des neuen Kammerpräsidenten

Am 18. Juni fand die erste Kammerversammlung der Apothekerkammer Hamburg unter der Leitung des neuen Kammerpräsidenten Kai-Peter Siemsen statt. Als wichtigstes Thema habe sich der neue Kammervorstand vorgenommen, mit größerem Selbstbewusstsein an die Öffentlichkeit zu gehen, erklärte Siemsen. Denn die Apotheker hätten sich zu lange auf das Thema Preisbildung reduzieren lassen.

"Preis können andere besser als wir", erklärte Siemsen, doch der direkte Kontakt zu den Patienten sei die Stärke der Apotheker. Andere Player, die meinten, die Leistung der Apotheker besser erbringen zu können, bezögen sich immer nur auf Preis und Logistik. Die Apotheker müssten ihre Leistungsfähigkeit selbstbewusst nach außen tragen. Auch in Verhandlungen sollten Apotheker künftig selbstbewusster agieren. Lieferverträge ohne auskömmliche Margen würden einen falschen Eindruck von vermeintlichen Reserven im System vermitteln.

"Unserem Berufsstand weht ein eisiger Sturm aus Politik und Krankenkassen ins Gesicht" – so beschrieb Siemsen die Lage der Apotheker. Dieser Sturm rüttele an den Fundamenten der Apotheken und am freien Beruf. Einigen Apothekern habe dieser Sturm bereits die Lebensgrundlage zerstört. Nur über die Kommunikation mit der Politik und den Partnern im Gesundheitswesen sei dagegen etwas zu erreichen.

Die Öffentlichkeitsarbeit der Kammer, die unter seinem Amtsvorgänger Töbing "aus dem Dornröschenschlaf erwacht" sei, möchte Siemsen künftig weiter ausbauen. Dazu gehöre neben zielgerichteter Arbeit nach außen und in Netzwerken auch die Arbeit nach innen. Dafür würden dezentrale Apothekerkammer-Stammtische eingeführt, und die Kammer werde demnächst einen Facebook-Auftritt einrichten.

Qualitätsorientierung in der Praxis

Zur Arbeit in den Apotheken erklärte der neue Kammerpräsident, es sei wichtig, Fehler zu erkennen und zu analysieren, um sie künftig zu vermeiden. Die Feedbackgepräche im Rahmen der Überprüfungen der Beratung seien erfolgreich. Außerdem werde die Kammer noch in diesem Jahr neue Fortbildungen zur Rezeptur anbieten. Denn es habe sich gezeigt, dass die meisten Fehler bei Rezepturen auf wenige Ursachen zurückzuführen sind.

Siemsen ging auf einige Aspekte der neuen Apothekenbetriebsordnung ein und folgerte: "Wir können mit der nun vorliegenden Fassung leben." Zugleich warnte er vor übereifrigem Aktionismus bei der Umsetzung. Bei der Barrierefreiheit seien individuelle Lösungen gefragt. Die neue Formulierung zur Vertraulichkeit der Beratung ermöglicht nach Einschätzung von Siemsen ein flexibles Vorgehen, bei dem die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleibe. Angesichts des gestiegenen Aufwands für die Rezeptur und der bisher schon völlig unzureichenden Honorierung fürchtet er, dass der theoretisch sinnvolle Ansatz der neuen Verordnung zu diesem Thema in der Praxis nicht lückenlos umsetzbar sei.

Außerdem berichtete Siemsen, dass der Kammervorstand bereits im November 2011 die "Akademische Ausbildungsapotheke" für die Pharmazeuten im dritten Ausbildungsabschnitt ins Leben gerufen habe. Als eine seiner ersten Amtshandlungen habe er im Januar zudem den Finanzausschuss angewiesen, den Haushalt umgehend auf Einsparpotenziale zu prüfen. Breiten Raum bei der Kammerversammlung nahm die Diskussion über die künftigen Beiträge ein (siehe DAZ Nr. 25, S. 24). In diesem Zusammenhang wurde auch der Plan einer Fusion der norddeutschen Apothekerkammern angesprochen (siehe AZ Nr. 26, S. 1). 

tmb

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