Arzneimittel und Therapie

Hautkrebs seltener unter Therapie mit NSAID? Fall-Kontroll-Studie mit überraschenden Ergebnissen

Foto Skin Cancer Foundation
In Deutschland erkranken mehr als 170.000 Menschen jährlich an weißem Hautkrebs. Von etwa 24.000 Patienten, die am schwarzen Hautkrebs erkranken, sterben 3000 pro Jahr. Eine aktuelle dänische Fall-Kontroll-Studie, die die Verordnungsdaten von mehr als 18.500 Hautkrebspatienten auswertete, kommt zu unerwarteten Ergebnissen. Verglichen mit Kontrollen, bekamen Hautkrebspatienten seltener nicht-steroidale Entzündungshemmer (NSAID). Die Patienten mit Gelenkbeschwerden oder anderen Erkrankungen erhielten nicht-selektive NSAID oder selektive COX-2-Inhibitoren.

Zwischen 1991 bis 2009 traten in Norddänemark etwa 18.500 Fälle von Hautkrebs auf. Rund 13.300 der Patienten litten an einem Basalzellkarzinom (Basaliom), die mit 65% den größten Anteil der malignen Hauttumoren stellen. Bei weiteren 2000 Personen hatten sich Spinaliome (Plattenepithelkarzinome) und bei mehr als 3200 ein malignes Malignom (schwarzer Hautkrebs), die am häufigsten tödlich verlaufende Hautkrankheit, entwickelt.

Hemmung von Cyclooxygenasen möglicher Wirkmechanismus

In einer Fall-Kontroll-Studie haben dänische Wissenschaftler jetzt die Verordnungsdaten dieser Patienten mit denen von nahezu 180.000 Kontrollpersonen verglichen, deren Alter, Geschlecht und Wohnort jedem Fall von Krebserkrankung entsprechend zugeordnet wurden. In der Gruppe von Patienten, denen mehr als zweimal nicht-steroidale Entzündungshemmer (NSAID) verschrieben worden waren, war das Risiko, an einem Spinaliom oder Melanom zu erkranken, um 15% bzw. 13% geringer. Besonders augenfällig waren die Ergebnisse bei langfristiger (mehr als sieben Jahre) und höher dosierter Medikation. Für ein Basiliom-Risiko konnte lediglich ein Zusammenhang aufgezeigt werden, wenn die Tumorbildung nicht den Hals- und Kopfbereich betraf und die Einnahme der Medikamente langfristig erfolgte. Als Arzneistoffe wurden nicht-selektive NSAID sowie ältere COX-2-Hemmer (Diclofenac, Etodolac und Meloxicam) verschrieben. Die Autoren vermuten eine mäßige Schutzwirkung dieser Medikamente vor Hautkrebserkrankungen, da sie Cyclooxygenasen hemmen, die mit einer Karzinogenese in Verbindung gebracht werden. Für Acetylsalicylsäure wird eine Senkung des Risikos für Krebserkrankungen seit Längerem diskutiert.

Es gibt allerdings auch Zweifel an der Aussagekraft der Studie. Zum einen ist selbst bei der vergleichsweise hohen Zahl der Studienteilnehmer eine Risikoreduktion um etwa 15% in einer Fall-Kontroll-Studie relativ gering. Weiterhin sind die applizierten Medikamente rezeptfrei in der Apotheke erhältlich und die tatsächlich eingenommenen Dosen lediglich anhand der Verschreibungen nur bedingt abschätzbar. Auch lagen den Autoren keine vergleichenden Informationen zur UV-Exposition der Studienteilnehmer vor. Vorstellbar ist, dass die Patienten mit den rheumatischen Beschwerden sich weniger im Freien bewegt haben und so dem Sonnenlicht weniger ausgesetzt waren.

Auch wenn nicht-steroidale Antiphlogistika eine gewisse Schutzwirkung vor der Entstehung von Hautkrebserkrankungen haben sollten, bleibt ganz sicher die Vermeidung einer zu langen Sonneneinwirkung primäre Vorsichtsmaßnahme.


Zum Weiterlesen


Chemoprävention mit ASS: Schutz vor Krebs und Fernmetastasen möglich.

DAZ 2012, Nr. 13, S. 35– 36.



Quelle

Johannesdottir, S.A.; et al.: Nonsteroidal anti-inflammatory drugs and the risk of skin cancer. A population-based case-control study. Cancer 2012; DOI: 10.1002/cncr. 27406, Vorabveröffentlichung vom 29. Mai 2012.

Uhl, D.: Weniger Krebstodesfälle unter ASS-Langzeitprophylaxe. Mitteilung vom 7. Dezember 2010.


Dr. Hans-Peter Hanssen



DAZ 2012, Nr. 23, S. 40

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