Bayerischer Apothekertag

Mehr Prävention!

Fotos: DAZ/diz

Bayerischer Apothekertag und WIPIG-Präventionskongress

R. Berger, P. Ditzel, C. Kusnick | Politik, Fortbildung, Fachmesse und Geselligkeit – das Konzept des Bayerischen Apothekertags ist auch in diesem Jahr aufgegangen. Rund 700 Apothekerinnen, Apotheker, Pharmaziestudierende und PTA konnten die Veranstalter in Augsburg vom 11. bis 13. Mai begrüßen. Die Bayerische Landesapothekerkammer, der Bayerische Apothekerverband und das Wissenschaftliche Institut für Prävention im Gesundheitswesen (WIPIG) gemeinsam mit der PZ boten ein abwechslungsreiches Programm. Im Mittelpunkt der Fortbildung stand die Prävention und der Nutzen, den Patienten, das Gesundheitswesen, aber auch die Apotheken davon haben.
Berufspolitischer Auftakt im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses
Foto: DAZ/diz

Zum berufspolitischen Auftakt des Bayerischen Apothekertags hatte die Stadt den Goldenen Saal im Augsburger Rathaus für die Apotheker geöffnet. Grußworte aus der bayerischen Politik unterstrichen die Bedeutung der Apotheken im Gesundheitswesen und das gute Verhältnis zwischen Politik und Apothekern in Bayern.


Thomas Benkert

ApBetrO: Licht und Schatten

Mit der neuen Apothekenbetriebsordnung befasste sich Bayerns Kammerpräsident Thomas Benkert. Konstruktive Kritik am Referentenentwurf und zahlreiche Änderungsvorschläge vonseiten der Apotheker konnten eine Abkehr vom bestehenden und bewährten Apothekensystem verhindern, so Benkert. Die jetzt verabschiedete Verordnung kombiniere an vielen Stellen sinnvoll Neues und Altes. So habe das Gesundheitsministerium beispielsweise die Verpflichtung zur diskreten Beratung gestärkt. Geblieben sei die Gleichstellung von Einzelapotheke und Filialen. "Wir wollten und wollen kein Zwei-Klassen-System mit Vollapotheke auf der einen Seite und dem Apotheken-Kiosk auf der anderen!", so der Kammerpräsident.

Allerdings bringe die Verordnung auch Veränderungen mit sich, beispielsweise den Mehraufwand für die Herstellung von Rezepturen und Defekturen. Aber für die Präsenzapotheke müsse es vernünftige Rahmenbedingungen geben, auch eine leistungsgerechte Vergütung. Die Neuerungen verlangen, so Benkert, auch Augenmaß bei der Einführung immer neuer Verwaltungsvorschriften und Dokumentationspflichten.

Nicht nachvollziehbar sei die komplette Streichung konkreter Vorgaben für die in der Apotheke vorhandenen Hilfsmittel, Geräte und Prüfmittel. Solche Vorgaben erleichterten zum einen die Visitation durch Pharmazieräte, zum andern bilden sie auch die Grundlage für die eingeforderte Qualität.

Um alle Apothekerinnen und Apotheker Bayerns optimal auf die neue Verordnung vorzubereiten, bietet die Kammer Infoveranstaltungen in Bayern und Telefonsprechstunden sowie ein Muster-Handbuch für die QMS-Einführung.

Benkert dankte der Bayerischen Staatsregierung und dem Bayerischen Landtag dafür, dass sie sich erneut gegen den Versandhandel mit Rx-Arzneimitteln ausgesprochen haben.

Und er stellte heraus, dass Qualitätsbewusstsein und Patientenorientierung noch mehr in der Ausbildung verankert werden müssen: "Beratungspflicht ist kein notwendiges Übel, sondern unser Alleinstellungsmerkmal."


Dr. Marcel Huber

Pro inhabergeführte Präsenz-Apotheke

Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung, einer immer älter werdenden Gesellschaft und der Notwendigkeit einer flächendeckenden Versorgung in einem Land wie Bayern bekannte sich Bayerns Gesundheitsminister Dr. Marcel Huber zur inhabergeführten Präsenz-Apotheke. Huber sieht im Apotheker eher den Heilberufler als den Kaufmann. In der Weiterentwicklung des Apothekerberufs hin zum Medikationsmanager liege noch Potenzial für den Apotheker und ein großer Nutzen für die älter werdende Gesellschaft.

Zur neuen Apothekenbetriebsordnung merkte er an, hier habe es anfangs Knackpunkte gegeben. Aber Bayern habe sich deutlich mit den Apothekern gegen die Apotheke light positioniert, gegen die Kiosk-Apotheke, "daran haben wir keinen Bedarf," so Huber.

Deutlich lehnte Bayerns Gesundheitsminister auch die Pick-up-Stellen ab, "weil sie die finanzielle Grundlage der vollversorgenden Apotheke untergräbt. Pick up ist Rosinenpickerei."

Für Huber ist es klar: Eine gute Versorgung muss etwas wert sein. Er setze sich daher für eine Anhebung der Apothekenhonorierung ein. Die Apotheke muss von ihrem Kerngeschäft leben können. Die hervorragende Leistung des Apothekers müsse auch entsprechend honoriert werden.

Dr. Wolfgang Heubisch

Die Prävention im Gesundheitswesen ist ein wichtiges Element. Die Apotheke habe hier hervorragende Möglichkeiten, sich einzubringen, so Huber, dies habe Vorteile für die Bevölkerung, das Gesundheitswesen und für die Apotheke selbst. Er freue sich daher, dass der Bayerische Apothekertag zusammen mit dem Wissenschaftlichen Institut für Prävention im Gesundheitswesen (WIPIG) den Präventionskongress durchführt.

Grußworte überbrachte auch der Bayerische Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Dr. Wolfgang Heubisch. Besonderes Anliegen seien ihm die Bildungsbedingungen und die Ausbildung des Nachwuchses in Bayern. Vor diesem Hintergrund habe man in Bayern 100 Studienplätze mehr geschaffen. Auch die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln sei ihm ein großes Anliegen. Es dürfe nicht zu einer Landflucht in Bayern kommen, bei der immer mehr Ärzte vom Land wegziehen und Apotheken dann aufgeben müssen.


Dr. Hans-Peter Hubmann

Gute Arbeit – gute Bezahlung

AMNOG sei sicher notwendig gewesen, aber die Einsparungen waren nicht richtig verteilt, so Dr. Hans-Peter Hubmann Vorsitzender des Bayerischen Apothekerverbands. Die Apotheker wurden überproportional stark belastet, "alle negativen Voraussagen zum AMNOG sind für die Apotheken eingetroffen". Mit dem erhöhten Kassenabschlag und den Belastungen durch den Großhandel habe die Politik den Apotheken viel zugemutet. Die wirtschaftlichen Analysen der Apotheken zeigen: Das Betriebsergebnis wird auch in 2012 weiter sinken, "unsere Sparmöglichkeiten sind ausgeschöpft", so Hubmann. Auch Einsparungen am Personal seien nicht machbar, zumal die Apotheken immer mehr gesetzliche Vorgaben erfüllen müssen – und das gehe nur mit gutem Personal. Die Folge der wirtschaftlichen Entwicklung: Immer mehr Apothekerinnen und Apotheker geben auf. Derzeit befindet sich die Zahl der Apotheken auf dem niedrigsten Stand seit 1995. Gerade auf dem Land schließen immer mehr Apotheken, obwohl sie dort besonders für eine flächendeckende Versorgung wichtig wären.

Apotheker sind seit 2004 von der Einkommensanpassung abgekoppelt. Hubmann mahnte eine Honoraranpassung für die Apotheker an. Derzeit seien erneut Erhöhungen für Krankenhäuser und Ärzte im Gespräch: "Jetzt müssen endlich auch wir berücksichtigt werden", so der Verbandsvorsitzende. Es könne zudem nicht so weitergehen, dass das Anliegen einer Honorarerhöhung derzeit zwischen dem Wirtschafts- und dem Gesundheitsministerium hin- und hergeschoben werde: "Wir brauchen eine Entscheidung."

Die Apotheker nehmen ihren Auftrag der ordnungsgemäßen Arzneimittelversorgung gerne und in hoher Qualität wahr, aber die Rahmenbedingungen müssen stimmen: "Gute Arbeit braucht gute Bezahlung – unsere Arbeit ist gut, davon bin ich überzeugt!", stellte Hubmann fest.

Ausdrücklich dankte der Verbandsvorsitzende dem Bayerischen Ministerium für seine erneute Initiative in Sachen Pick-up-Verbot. Da auf Bundesebene keine Lösung gefunden worden sei und Innen- und Justizministerium ein Pick-up-Verbot juristisch nicht für machbar hielten, habe Bayern erneut den Antrag eingebracht, den Versandhandel mit Rx-Arzneimitteln zu verbieten. "Danke dafür!", so Hubmann.

Überzeugt zeigte sich der Verbandsvorsitzende von den positiven Auswirkungen eines ABDA-KBV-Konzeptes für die Betreuung von Patienten. Die Apotheker brächten sich hier aktiv in das Konzept ein und liefern durch die Einsparungen sogar die Gegenfinanzierung. Gemeinsam mit den Ärzten könne man viel für den Patienten erreichen. Die vorgesehene Medikationsliste sei zudem besser als eine Positivliste. Vonseiten der Bayerischen Landesärztekammer sei zum Konzept zwar Zustimmung gekommen, aber Hubmann bedauerte, dass die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns hier nicht mitzieht und der Bremser ist.


diz

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