Bayerischer Apothekertag

Dem Diabetes davonlaufen

Beweg Dich – jeder Schritt zählt!

Dass die Prävention des Diabetes in allen Altersgruppen erfolgreich, kostensparend und kosteneffektiv ist, gilt als gesichert. Doch die Umsetzung der wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Praxis ist ein mühsamer Prozeß. Da chronische Erkrankungen wie Diabetes weltweit eine große finanzielle Belastung darstellen, sollte mehr dafür getan werden, chronische Erkrankungen zu verhindern statt sie zu behandeln. Im Rahmen der Lesmüller-Vorlesung zeigte Prof. Dr. Peter Schwarz vom Lehrstuhl für Prävention und Versorgung am Universitätsklinikum der TU Dresden, welchen wichtigen Platz Apotheker in der Diabetesprävention einnehmen können.
Prof. Dr. Peter Schwarz motivierte zu mehr Bewegung im Alltag, um Gewicht und Diabetesrisiko zu senken. Foto: DAZ/ck

Übergewicht erhöht das Diabetesrisiko. Gefährlich ist dabei nicht das oft deutlich ins Auge springende subkutane Fett, sondern das viszerale Fett, das die inneren Organe umgibt. Es setzt mehr blutdruckerhöhende Hormone frei, als die Nebennierenrinde. Die Fettzellen im Bauch lassen sich aber nicht absaugen oder entfernen. Durch eine Änderungs des Lebensstils und Gewichtsreduktion kann aber einer Insulinresistenz und einem Diabetes entgegen gewirkt werden. Doch obwohl dieser Zusammenhang wohl bekannt ist, sind die meisten Menschen nicht zu einer individuellen Verhaltensänderung bereit. Hier sieht Schwarz die Chancen für strukturierte Präventionsprogramme, die Unterstützung auf mehreren Ebenen bieten müssen: Ernährung, Bewegung, Motivation. Ziel solch eines zentralen Präventionsmanagement ist es, Menschen mit einem erhöhten Diabetesrisiko frühzeitig zu erkennen, umfassend zu beraten und langfristig zu betreuen. Dazu wurde der Find-Risk-Fragebogen entwickelt, mit dem jeder durch das Beantworten weniger Fragen in kurzer Zeit sein individuelles Diabetesrisiko bestimmen kann. Ist das Risiko erhöht, sollte der Patient dazu gebracht werden, Eigenverantwortung zu entwickeln und bestimmte Lebensweisen im Sinne der Diabetesvorsorge umzustellen. Über Hotlines, Newsletter oder persönliche Beratung können strukturiert ausgebildete Präventionsmanager die Teilnehmer zu einer Umstellung von Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten motivieren. Schwarz betonte, dass eine Lebensstilintervention in der Diabetesvorbeugung erfolgreicher sein kann als eine Arzneimitteltherapie!

Apotheker als Präventionsmanager

Schwarz sieht in der Apotheke das ideale Umfeld, um erfolgreich Prävention zu betreiben. Hier können Personen erreicht werden, die sonst nicht zum Arzt gehen. Und die Apotheker kennen sich mit Lebensstilaspekten aus und verfügen häufig über die entsprechende Qualifikation und auch die räumlichen Voraussetzungen, mögliche Interventionen adäquat umzusetzen, auch wenn viele Vertreter der Ärzteschaft dies nicht begrüßen, bedauerte Schwarz.

Entscheidend für eine erfolgreiche Lebensstilumstellung ist mehr Bewegung. Schwarz stellte das dezentrale Präventionsprogramm "Beweg Dich – jeder Schritt zählt" vor, bei dem die Teilnehmer einen Schrittzähler erhalten sowie eine entsprechende Schulung, ein Begleitheft als Hilfsmittel für zu Hause und einen Newsletter mit verschiedenen Themen zu Bewegung und Ernährung. Ein einfacher Schrittzähler – der durchaus in der Apotheke verliehen werden kann – kann helfen, sich mehr zu bewegen. Die Erfahrung zeigt, dass Menschen, die solch einen Schrittzähler bewusst tragen am Tag ca. 3500 Schritte mehr laufen. Und bereits durch das Gehen von 1000 Schritten kann der postprandiale Glucosespiegel gesenkt werden! Und geht man ab einem Alter von 25 Jahren jeden Tag 10.000 Schritte, so wird eine chronische Erkrankung sehr unwahrscheinlich. Das zu vermitteln ist Chance und Aufgabe für den Präventionsmanager, der in der Apotheke auch nichtinvasiv körperliche Parameter wie Körpergewicht, Blutdruck und Taillenumfang als Erfolgs- und Qualitätskontrolle erfassen und die Teilnehmer zum Durchhalten motivieren kann.

Schwarz wies zum Abschluss auf den Global Diabetes Survey hin, der das Ziel verfolgt, jährlich einen Report zur Qualität der Diabetesversorgung weltweit zu erstellen. Dazu werden einmal im Jahr Vertreter möglichst aller Interessensgruppen zur Qualität der Diabetesversorgung standardisiert befragt. Auch die Apotheker lud Schwarz herzlich ein, sich daran zu beteiligen!


ck

Das könnte Sie auch interessieren

Was eine Diabetes-Präventionsbetreuung aus der Apotheke leisten kann

Statistisch signifikante HbA1c-Senkung

Nahrungsergänzung & KARDIOVASKULÄRES RISIKO  

Omega-3-Fettsäuren: Ein leeres Versprechen?

Von Constanze Rémi, Dominik Bauer, Johannes Rosenbruch und Hartmut Derendorf

Ein Palliativ-Patient

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.