Prisma

Physiotherapie versus Methylphenidat

Im Rahmen einer Studie wollen Dresdener Wissenschaftler erstmals die Effekte einer Physiotherapie mit der Gabe von Methylphenidat oder eines Elterntrainings bei Kindern mit unterschiedlichen Formen der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und motorischen Defiziten vergleichen.

Physiotherapie als Alternative zur medikamentösen ADHS-Therapie soll nun in einer Studie auf eine wissenschaftliche Basis gestellt werden. Foto: Engelhard

Viele Kinder mit ADHS fallen nicht nur durch ihre Zappeligkeit und ihre Konzentrationsschwächen auf, sondern haben auch große Probleme beim Schreiben oder anderen feinmotorischen Bewegungen wie dem Binden einer Schleife. Zusätzlich sind diese Kinder oft von Koordinationsproblemen betroffen, so dass sie sich beim Lernen komplexerer Bewegungsabläufe wie Ballwerfen und Fahrradfahren schwer tun. Sie bewegen sich verkrampft und sind verspannt. Dadurch werden sie noch mehr zu Außenseitern.

Eine Behandlungsoption bei schwerwiegender ADHS ist die Gabe von Methylphenidat. Der Wirkstoff hat nicht nur den Effekt, dass die Kinder konzentrierter und weniger zappelig werden: Sie bewegen sich auch unverkrampfter, und das Schreiben fällt ihnen leichter. Mit Ergo- und Physiotherapie stehen den Betroffenen Alternativen zur Verfügung. Da die Wirksamkeit dieser Alternativen bei Kindern mit ADHS und motorischen Beeinträchtigungen noch nicht hinreichend untersucht ist, wollen die Forscher unter den Bedingungen einer wissenschaftlichen Studie nun herausfinden, welche Fortschritte Kinder machen, die zwei Monate lang zweimal pro Woche jeweils 45 Minuten eines physiotherapeutischen Programms absolvieren. Die Ergebnisse werden verglichen mit den Verbesserungen in der Motorik als auch den Fortschritten in der Aufmerksamkeit, die sich bei ADHS-Patienten allein durch die Gabe von Methylphenidat einstellen, sowie bei einer dritten Patientengruppe, in der die Eltern im Umgang mit ihren oft sehr schwierigen Kindern geschult werden.


hel/ral


Quelle: Pressemitteilung der Universität Dresden



DAZ 2012, Nr. 2, S. 8

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