DAZ aktuell

Rabattverträge auf Rekordniveau

Apotheken müssen viele Patienten mit neuen Präparaten vertraut machen

BERLIN (ks). In den letzten Wochen sind eine Reihe neuer Rabattverträge angelaufen. Darunter die erste Tranche der öffentlich ausgeschriebenen Rabattverträge der Barmer GEK, die seit dem 1. Mai gelten. In der Folge müssen sich Millionen Patienten an neue Arzneimittel gewöhnen. Auch in den Apotheken sorgen die Verträge nach wie vor immer wieder für Probleme.
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Erklären, erklären, erklären Wegen der sich immer wieder ändernden Rabattverträgemuss man sich in der Apotheke nun schon seit Jahren denMund fusselig reden. In den letzten Wochen sind wieder eine Reihe neuerVerträge angelaufen …

Wie der Deutsche Apothekerverband (DAV) letzte Woche mitteilte, ist die Anzahl der zwischen Kassen und Pharmaherstellern geschlossenen Rabattverträge in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Waren es 2009 noch 9300 Verträge, stieg ihre Anzahl ein Jahr später auf 12.400 und ein weiteres Jahr später auf 16.400. 2012 ist ein neuer Höchststand absehbar. Die Anzahl der rabattierten Arzneimittel (nach PZN) lag im Jahr 2011 bereits bei 28.500. Über den HV-Tisch gingen im vergangenen Jahr 332 Millionen rabattierte Generika-Packungen. "Seit 2007 setzen die Apotheken alle Rabattverträge der Kassen zuverlässig um", betonte der DAV-Vorsitzende Fritz Becker. Dennoch komme es immer wieder zu Problemen bei der Umstellung: "Eine unzweckmäßige Herstellerauswahl kann zu Lieferengpässen in der Apotheke führen oder Verwirrung bei den Patienten stiften." Becker appellierte daher an die Kassen, die Versorgungsqualität ihrer Versicherten wieder stärker in das Zentrum ihres Handelns zu stellen – "auch wenn es dabei ein paar Euro weniger Rabatt von der Industrie gibt". Zudem unterstrich der DAV-Chef, dass sich für die Apotheken der Beratungsaufwand durch die Rabattverträge deutlich erhöht habe. "Diese Mehrleistung ist auf Dauer ohne eine Anpassung der Honorierung nicht tragbar", so Becker.

N1 und N2 von Firma A, N3 von Firma B

Für Mehrarbeit sorgen sicherlich auch die neuen Rabattverträge der Barmer GEK über die Bluthochdruck-Arzneimittel Enalapril und Bisoprolol+Hydrochlorothiazid. Hier bekam die Bietergemeinschaft Teva/Ratiopharm den Zuschlag. In beiden Fällen ist für die N3-Packung die Konzerntochter AbZ Pharma Vertragspartner – die N1- und N2-Packungen kommen jedoch von Teva (Bisoprolol) bzw. Ratiopharm (Enalapril). Dass dies zu Diskussionen in der Apotheke führen wird, ist absehbar. Bei der Barmer GEK räumt man zwar ein, dass ein solcher Vertrag nicht optimal ist. Allerdings könne so etwas vorkommen, wenn auch Bietergemeinschaften Angebote unterbreiten können. Jedenfalls ist auch diese Vertragsbesonderheit für Deutschlands größte Kasse kein Grund, den Apotheken eine Friedenspflicht einzuräumen, die sie in der ersten Zeit vor Retaxationen schützt. Die Kasse gibt sich überzeugt, im Vorfeld ausreichend über ihre neuen Verträge informiert zu haben – sowohl die Apotheken als auch ihre Versicherten.

Weitere Ausschreibungen

Indessen setzen sich die Ausschreibungen der Krankenkassen munter fort. Letzte Woche wurde im Supplement zum Amtsblatt der Europäischen Union eine weitere Ausschreibung der Techniker Krankenkasse veröffentlicht. Ausgeschrieben sind 18 Wirkstoffe. Für sechs dieser Fachlose werden exklusive Vertragspartner gesucht, für die übrigen können bis zu drei Unternehmen einen Zuschlag erhalten. Die Verträge sollen zum 1. November 2012 starten und zwei Jahre gültig sein.



DAZ 2012, Nr. 19, S. 18

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