Fachmedien

Personalisierte Medizin – eine Modeerscheinung?

Georg Soldner und Hermann Michael Stellmann, Individuelle Pädiatrie, Leibliche, seelische und geistige Aspekte in Diagnostik und Beratung. Anthroposophisch-homöopathische Therapie, 4., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage 2011. XXIV, 984 Seiten, 2 Abbildungen, 24 Tabellen, 98 Euro Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart. ISBN 978-3-8047-2870-7 (auch als E-Book erhältlich)

"Das Ideal einer vollkommenen Gesundheit ist bloß wissenschaftlich interessant. Krankheit gehört zur Individualisierung" – erinnert Sie dieser Ausspruch von Novalis nicht an die aktuelle Diskussion über die "personalisierte Medizin"?

Um es vereinfacht zu sagen: Den Stand dieser keineswegs neuen Erkenntnis können Sie in dem Buch "Individuelle Pädiatrie – anthroposophisch-homöopathische Therapie " nachlesen, verfasst von den beiden Kinderärzten Soldner und Stellmann und bereits in 4. Auflage in der Wissenschaftlichen Verlagsgesellschaft Stuttgart erschienen.

In ihrem Vorwort zu diesem umfassenden Werk schreiben die Autoren unter anderem: "Deshalb ist es von so weitreichender Bedeutung, Kinderheilkunde nicht einseitig von der Macht der medizinischen Technik, vom Ideal der vollkommenen und permanenten Gesundheit her zu denken und zu praktizieren. Es gilt, die Frage zu stellen: Wie kann die aktive Überwindung gesundheitlicher Krisen angeregt und so nachhaltig die Selbstregulationsfähigkeit gefördert werden?"

Das Buch beantwortet diese Fragestellung sehr präzise und praxisbezogen in insgesamt zehn Hauptkapiteln; das elfte Kapitel beschäftigt sich mit der Heil-eurythmie. Die ersten Kapitel behandeln den Behandlungsansatz der "therapeutische Selbstregulation", die Pathologien des Geburtsverlaufs sowie die Krankheitsprophylaxe; dabei werden die Rachitisprophylaxe und vor allem auch die Impfungen und die Nebenwirkungen sowie deren Therapie ausführlich dargestellt.

Im Weiteren folgen die Kapitel über primär somatische sowie psychosomatische Erkrankungen (z. B. Verhaltensstörungen), wobei auch das Krankheitsbild ADS/ADHS thematisiert wird. Selbst neurologische Krankheitsbilder (z. B. Epilepsie) und orthopädische Erkrankungen werden vorgestellt, darunter auch so schwere Erkrankungen wie die im Kindesalter gar nicht so seltenen, aber oft schwer zu diagnostizierenden Aseptischen Knochennekrosen.

Besonders beeindruckend ist das zehnte Kapitel zu den "Erweiterungsmöglichkeiten der Therapie bei einzelnen Krankheitsbildern". Dabei handelt es sich um so komplexe Erkrankungen wie die Purpura Schoenlein-Henoch, die Mukoviszidose, die Rheumatoide Arthritis u. a.. Ein ausführliches Sach- und Arzneimittelregister runden das 1008 (!) Seiten umfassende Werk ab.

Das Buch zeichnet sich aus durch seinen didaktischen Aufbau mit den Beschreibungen der Erkrankungen aus Sicht der Schulmedizin, ergänzt durch die Sichtweise der anthroposophisch erweiterten Medizin, wobei auch immer wieder Bezug zur Hahnemannschen Homöopathie genommen wird. Dies widerspiegeln auch die konkreten und Praxis-evaluierten Empfehlungen für eine schwerpunktmäßig anthroposophische Therapie, meist verknüpft mit Hinweisen zu homöopathischen Einzelmitteln.

Für den Leser äußerst hilfreich sind die Dosierungsangaben bei jedem Arzneimittel, was den Nutzen dieses Buches ungemein erhöht. Dazu zählen auch die beeindruckenden Kasuistiken, um dem Leser den Zugang zur anthroposophisch erweiterten Medizin zu vereinfachen. Einmal mehr sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die Umsetzung dieses Behandlungsansatzes kein Studium der Anthroposophie voraussetzt.

Insofern ist das Buch für Apotheker und Ärzte gleichermaßen geeignet, denn es ist eine wahre Fundgrube für alle, die in der Patientenversorgung tätig sind. Im übrigen könnte ein solches Werk dem Fachgebiet "Klinische Pharmazie" wertvolle Impulse vermitteln, sodass auch Studierende endlich Kenntnis vom Methodenpluralismus erhalten. Darüberhinaus zeigt das Buch eindrucksvoll, dass die "personalisierte Medizin" schon längst in der Praxis Realität ist.



Dr. med. Markus Wiesenauer, Kernen-Stetten


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DAZ 2012, Nr. 18, S. 114

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