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Fünf Jahre Rabattverträge: (K)ein Grund zum Feiern?

Rabattverträge sind Realität – doch nicht jeder mag sich mit ihr anfreunden

BERLIN (ks). Anfang 2007 wurden die ersten Arzneimittel-Rabattverträge über Generika abgeschlossen. Die AOK-Gemeinschaft war bekanntlich Vorreiter in dieser neuen Vertragswelt. Fünf Jahre später will keine gesetzliche Krankenkasse mehr auf die kostensparenden Verträge verzichten. Viele von ihnen haben mittlerweile auch an Rabattverträgen über patentgeschützte Medikamente Geschmack gefunden. Vor allem dies missfällt den Generikaunternehmen.

Bevor die ersten Arzneimittel-Rabattverträge 2007 mit Leben gefüllt werden konnten, waren einige juristische Hürden zu überwinden. Hersteller und vor allem die AOK lieferten sich lange Auseinandersetzungen vor Gericht. Am Ende fand die AOK jedoch ihren Weg, der sie juristisch nicht mehr angreifbar machte. Es folgten ganz praktische Probleme – Lieferschwierigkeiten, Unverständnis bei Patienten – die Apotheken wissen ihr Lied davon zu singen. Einige Schwierigkeiten konnten inzwischen über regulatorische Maßnahmen und Softwarelösungen behoben werden, andere blieben bestehen.

Nachdem es zu Beginn der Rabattvertrags-Ära noch einige Generikafirmen gab, die sich an den Ausschreibungen nicht beteiligen, kann sich heute kaum ein Unternehmen erlauben, außen vor zu bleiben. Wie IMS Health anlässlich des Rabattvertrags-Jubiläums mitteilt, waren im Jahr 2011 bereits 61 Prozent der abgegebenen patentfreien Medikamente vertraglich rabattiert. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums beliefen sich die durch die Verträge erzielten Einsparungen für die Gesetzliche Krankenversicherung in 2011 auf 1,6 Mrd. Euro.

Zunächst schlossen einige Kassen noch Portfolioverträge. Damit nahmen sie ganze Produktsortimente von einzelnen Herstellern unter Vertrag. Für die Kassen eine recht unbürokratische Praxis, die das Bundesversicherungsamt jedoch recht bald untersagte. Die Sortimentsverträge standen unter anderem in der Kritik, über Zuschläge an wenige Unternehmen eine Anbieterkonzentration zu fördern. Aber auch den Ausschreibungen wird dies vorgehalten. Allerdings zeigen Daten von IMS Health auch, dass sich der Marktanteil der "Top 10"-Hersteller am Rabattmarkt zwischen 2008 und 2011 von 85 Prozent auf 74 Prozent (nach Absatz) verringert hat. Im Vergleich mit dem gesamten GKV-Markt haben die Großen im Vertragsgeschäft dennoch weiterhin die Nase vorn. Denn im Gesamtmarkt konnten sie 2011 laut IMS-Health-Daten nur 51 Prozent der Packungen für sich verbuchen.

Den Branchenverband Pro Generika macht der Rückblick auf die letzten fünf Jahre jedenfalls nicht froh. Derzeit liegen ihnen vor allem solche Verträge im Magen, die Kassen mit Herstellern kurz vor Patentablauf schließen. "Jetzt muss es darum gehen, die gesetzlichen Rahmenbedingungen nach Patentablauf so zu gestalten, dass für alle Marktteilnehmer faire und gleiche Wettbewerbschancen gelten. Ohne dieses Grundprinzip funktioniert kein Wettbewerb", fordert daher Pro Generika-Geschäftsführer Bork Bretthauer anlässlich des Rabattvertrags-Geburtstages.



DAZ 2012, Nr. 18, S. 35

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