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Private Kassen freuen sich über mehr Versicherte

PKV-Verband stellt Branchenzahlen 2011 vor

BERLIN (ks). Die Private Krankenversicherung (PKV) steht derzeit von vielen Seiten unter Beschuss. Dennoch sind immer mehr Menschen in Deutschland privat krankenversichert – sei es über eine Voll- oder eine Zusatzversicherung. Dies vermeldete vergangene Woche der PKV-Verband.

Zuletzt hatten einige privat Versicherte kräftige Prämienerhöhungen zu schlucken. Verbraucherschützer gingen dafür wenig zimperlich mit den PKV-Unternehmen ins Gericht. Auch aus der Politik – selbst aus der Unionsfraktion – werden zunehmend Stimmen laut, die die in Deutschland gewachsene Trennung des Krankenversicherungsmarktes kritisch sehen. Ebenso äußerten sich Vertreter der gesetzlichen Krankenkassen. Doch die PKV scheint aller Kritik zu trotzen: "Es gibt heute so viele Privatversicherte wie nie zuvor – insgesamt rund 31 Millionen. Das zeigt: Alle Spekulationen über angebliche Abwanderungen haben mit der Wirklichkeit nichts zu tun", erklärte heute der Vorsitzende des PKV-Verbandes, Reinhold Schulte, bei der Vorstellung der vorläufigen Branchenzahlen für das Geschäftsjahr 2011.

Über 500.000 neue Verträge

Insgesamt waren in der PKV Ende letzten Jahres 8,98 Millionen Menschen vollversichert. Das waren rund 1 Prozent bzw. 80.800 Personen mehr als im Vorjahr. Mittlerweile beträgt der PKV-Anteil am Gesamtmarkt der Krankenversicherung 11,3 Prozent. Noch deutlicher wuchs das Geschäft mit den Zusatzversicherungen: Für 2011 meldet der PKV-Verband 541.500 neue Verträge. Zum Jahresende bestanden damit insgesamt 22,51 Millionen Zusatzversicherungen – 2,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Verträge über eine Pflegezusatzversicherung stieg um 10,8 Prozent auf 1,88 Millionen. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung sieht der PKV-Verband hier noch großen Nachholbedarf. "Deshalb ist die von der Bundesregierung geplante steuerliche Förderung der freiwilligen privaten Vorsorge für den Pflegefall ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung", betonte Schulte.

Die Alterungsrückstellungen wuchsen bis Ende 2011 in der Privaten Krankenversicherung auf 146 Mrd. Euro und in der Privaten Pflegeversicherung auf 24 Mrd. Euro an. Das sind 7,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Kein starkes Ausgabenwachstum

Von überbordenden Ausgabenzuwächsen vermag der PKV-Verband nicht zu berichten: Während die Beitragseinnahmen in der Kranken- und Pflegeversicherung 2011 um 4,3 Prozent auf insgesamt 34,7 Mrd. Euro gestiegen seien, lag das Ausgabenplus in der Krankenversicherung bei 3,7 Prozent (22 Mrd. Euro). Ebenso weist der Verband Berichte über massive Prämiensteigerungen zurück. Vielmehr hätten "mehrere unabhängige Branchen-Analysedienste" aktuell einen Beitragsanstieg in der PKV von durchschnittlich rund zwei Prozent ermittelt. Im langfristigen Vergleich hätten sich die Beiträge in der GKV und der PKV prozentual kaum unterschiedlich entwickelt. Dazu Schulte: "Die steigenden Gesundheitskosten in einer älter werdenden Gesellschaft betreffen beide Versicherungssysteme gleichermaßen, wobei die PKV mit ihren kapitalgedeckten Alterungsrückstellungen weitaus besser auf diese demografische Herausforderung vorbereitet ist."

BaFin-Zahlen zeigen deutliche Beitragssteigerung

Etwas anders lesen sich die Zahlen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), die das Bundesfinanzministerium vergangene Woche vorgelegt hat. Die Linksfraktion im Bundestag hatte eine Kleine Anfrage zu den Beitragssteigerungen in der PKV gestellt. Der Antwort lässt sich entnehmen, dass sich die Beiträge für privat Krankenversicherte in den Jahren 2000 bis 2010 um 74,6 Prozent erhöht haben. Das Jahr 2010 war dabei mit einer durchschnittlichen Beitragssteigerung von 7,3 Prozent ein Spitzenreiter. Allerdings mussten die Privatversicherten auch in den Jahren 2006, 2004, 2003, 2002 und 2001 im Schnitt rund 5 bis 7,5 Prozent mehr bezahlen. Zum vergangenen Jahr, als sich viele Versicherte bei den Verbraucherzentralen über starke Beitragssprünge beschwerten, gab es keine Angaben. Bei den Steigerungen handelt es sich um Durchschnittswerte über rund 5000 verschiedene Tarife zur Krankenversicherung. Eine Aufteilung in Einstiegs- und Bestandstarife ist nach Aussage des Ministeriums nicht möglich.



DAZ 2012, Nr. 17, S. 40

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