Prisma

Gehirn im Takt, Stimmung gut

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Depressionen haben in den vergangenen Jahren in unserer Gesellschaft immer mehr zugenommen. Den meisten Betroffenen kann mit einer Kombination aus Psychotherapie und der Gabe von Antidepressiva geholfen werden. Allerdings nicht allen. Für sie könnte die tiefe Hirnstimulation ein Ausweg aus der Depression sein.

Schätzungen zufolge erleidet jeder Fünfte in Deutschland im Lauf seines Lebens eine Depression. Der Schweregrad der Erkrankung kann sehr unterschiedlich sein und mit ihm die Krankheitsdauer. "Bei manchen Patienten hilft keine Therapie", sagt Prof. Dr. Thomas E. Schläpfer von der Bonner Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie. "Manche verharren mehr als zehn Jahre im Bett – nicht weil sie müde sind, sondern weil ihnen jeglicher Antrieb fehlt und sie unfähig sind aufzustehen." Für diese Patientengruppe kann die tiefe Hirnstimulation eine Option sein. Dabei werden den Patienten Elektroden in den Nucleus Accumbens eingepflanzt, eine Hirnregion, die als Belohnungszentrum bekannt ist. Mithilfe eines schwachen elektrischen Stroms wird diese Region dann stimuliert. Dass sich eine Depression damit bessern lässt, wurde bereits in einer im Jahr 2009 durchgeführten kleinen Studie gezeigt. Aktuell wurde nun untersucht, ob der antidepressive Effekt der tiefen Hirnstimulation dauerhaft anhält oder ob er sich mit der Zeit abschwächt. Elf Patienten nahmen an der Studie über einen Zeitraum von zwei bis fünf Jahren teil. Bei knapp der Hälfte der Probanden wurde nachhaltig eine Reduktion der Symptome um mehr als 50 Prozent nachgewiesen. Damit eröffnet sich den Studienautoren zufolge für Menschen mit schwersten Depressionen, die auf keine andere Therapie ansprechen, eine neue Perspektive.


ral


Quelle: Bewernick, B. H. et al.: Neuropsychopharmacol., Online-Vorabpublikation, DOI: 10.1038/npp.2012.44



DAZ 2012, Nr. 15, S. 8

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