Prisma

Viren einfach rausschneiden

Hamburger Forscher arbeiten an einer Strategie, die HIV/AIDS heilen könnte. Mithilfe eines Enzyms, das wie eine molekularen Schere wirkt, wollen sie den genetischen Bauplan des Virus aus den befallenen Immunzellen entfernen.

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Schnipp Schnapp Mithilfe eines Enzyms,das wie eine molekulare Schere wirkt, sollenHIV-Gene aus Immunzellen entfernt und dieHIV-Infektion somit heilbar werden.

Mit der gängigen HIV-Therapie kann heute die Vermehrung des HI-Virus weitestgehend unterdrückt werden. Die in das Erbgut von Immunzellen integrierten Virusgene lassen sich jedoch nicht mehr entfernen. Hamburger Forscher arbeiten nun an einer Therapieform, die eine direkte Heilung herbeiführen könnte: Das Einbringen eines Rekombinase-Enzyms, Tre-Rekombinase genannt, kann die HIV-Gene erstmals wieder entfernen. Die Tre-Rekombinase wirkt dabei wie eine molekulare Schere, die den genetischen HIV-Bauplan aus dem Erbgut der Wirtszelle gezielt ausschneidet. Dadurch wird die ursprünglich infizierte Zelle geheilt und kann ihre Funktion im Immunsystem wieder ausüben.

Beim Einbringen der Tre-Rekombinase oder ähnlicher Enzyme in Patientenzellen handelt es sich um ein gentherapeutisches Verfahren, wobei nicht die Tre-Rekombinase selbst, sondern deren genetischer Bauplan in die Wirtszelle eingebracht wird. Die Wirtszelle produziert dann die Tre-Rekombinase selbst, sobald sie von HIV infiziert wird. Gene mit antiviraler Wirkung können stabil in das Erbgut der Wirtszelle integriert werden. Dabei wird diese Zelle aber permanent genetisch modifiziert, ein Vorgang der zu toxischen Nebenwirkungen führen kann. Alternativ kann das antivirale Gen nur vorübergehend eingebracht werden. Da die entsprechenden Zellen nicht dauerhaft verändert werden, kann dies die Sicherheit eines entsprechenden Therapieverfahrens deutlich erhöhen.

Im Rahmen des Hamburger Forschungsprojekts wird entsprechend vorgegangen. Patienten werden dabei wiederholt HIV-Zielzellen aus dem Blut entnommen und im Labor mit nicht-integrierenden Tre-Rekombinase tragenden Gentranfervektoren ausgestattet. Durch Wiedereinbringen der modifizierten T-Zellen in die Blutbahn soll bei den Patienten eine gezielte Bekämpfung des Virus erreicht und ihr Immunsystem gestärkt werden.


hel/ral


Quelle: Mitteilung der Wilhelm Sander-Stiftung



DAZ 2012, Nr. 14, S. 8