Tierpharmazie

Impfungen bei Tieren

Foto shootingankauf – Fotolia.com

Einfache und sichere Methode, Tiere vor Leiden zu schützen

Sabine Wanderburg | Auch gegen Impfungen für Tiere wird in der Publikumspresse immer wieder Stimmung gemacht. "Unsere Tiere werden zuviel geimpft" und "Impfungen schaden mehr als sie nutzen" sind häufige Behauptungen. Dabei übersehen die Impfkritiker, dass erst die lange verbreitete Impfpraxis die Infektionskrankheiten weitgehend eingedämmt und damit eine Diskussion über die Notwendigkeit von Impfungen ermöglicht hat. Doch viele Tierbesitzer sind verunsichert und fragen sich, ob und gegen welche Krankheiten sie ihren Hund, ihre Katze oder ihr Pferd impfen lassen sollen. Darum sollen hier die wichtigsten Fragen beantwortet werden: Gegen welche Krankheiten sollte jedes (!) Tier geimpft werden (Core-Komponenten)? Gegen welche Krankheiten kann (!) im Einzelfall geimpft werden, wenn ein Tier gefährdet ist (Non-Core-Komponenten)?
Noch immer treten beim Hund tödlich verlaufende Fälle von z. B. Staupe und Parvovirose auf. Impfen ist deshalb nach wie vor nötig und bietet den einfachsten und wirksamsten Schutz gegen diese Erkrankungen. Foto: S. Wanderburg, Süsel
Foto: Virbac Tierarzneimittel GmbH, Bad Oldesloe
Durch die entwicklung und konsequente Anwendungwirksamer Impfstoffe sind die klassischen Infektionskrankheitenunserer Tiere beherrschbar geworden.

Auch wenn die klassischen Infektionskrankheiten unserer Tiere durch wirksame Impfstoffe beherrschbar wurden, sind sie längst nicht besiegt. Noch immer treten tödlich verlaufende Fälle von z. B. Staupe, Parvovirose, Katzenschnupfen und Katzenseuche auf. Impfen ist deshalb nach wie vor nötig und bietet den einfachsten und wirksamsten Schutz gegen diese Erkrankungen. Unerwünschte Wirkungen sind sehr selten. Dennoch sollte ein Einzeltier nicht öfter als nötig geimpft werden.

In jeder Tierpopulation müssen mindestens 70% der Tiere geimpft sein, um Epidemien zu verhindern. Jedoch verfügen in Deutschland nur die Hälfte aller Hunde und ein Drittel aller Katzen über einen ausreichenden Impfschutz. Bis vor einigen Jahren wurden starre Impfschemata benutzt, die weder auf unterschiedliche Haltungsformen noch auf individuelle Gefährdungen für bestimmte Infektionserreger eingingen. Dagegen berücksichtigen die von der Ständigen Impfkommission Vet. 2009 für Kleintiere und 2011 für Pferde herausgegebenen Leitlinien zur Impfung solche individuellen Unterschiede. Die Bedeutung einer umfassenden Grundimmunisierung wird dort ausdrücklich hervorgehoben, ebenso die regelmäßige, aber nicht zwangsläufig jährliche Wiederholungsimpfung nach dem zweiten Lebensjahr gegen die für das jeweilige Tier relevanten Erreger. Die Grundimmunisierung besteht je nach Infektionskrankheit aus einer zwei- bis dreimaligen Impfung im Abstand von jeweils etwa vier Wochen sowie einer weiteren Impfung nach einem Jahr (siehe Kasten). Danach kommt es nicht unbedingt auf ein starres Impfschema an. Auch wenn einmal ein Termin zur Wiederholungsimpfung "verpasst" wurde, muss die Grundimmunisierung nicht wiederholt werden.

Core- und Non-Core-Komponenten

Für die Strukturierung von Impfungen hat sich eine Unterteilung in Core-Komponenten (Pflichtimpfstoffe) und Non-Core-Komponenten (Wahlimpfstoffe) bewährt. Gegen Erreger der Core-Komponenten sollte jedes Tier zu jeder Zeit geschützt sein. Dies betrifft insbesondere Zoonosen (z. B. Tollwut) und für das Tier selbst lebensgefährliche Erkrankungen (z. B. Staupe, Parvovirose). Non-Core-Komponenten können ebenso wichtig sein, sind aber typischerweise nur für exponierte Tiere notwendig. Beispielsweise muss eine ausschließlich in der Wohnung gehaltene Katze weder gegen Tollwut noch gegen das feline Leukämievirus (FeLV) geimpft werden, da diese Erreger nur bei direktem Kontakt mit anderen Tieren übertragen werden.

"Pflicht"-Impfungen beim Hund

Die Staupe war vor Einführung der Impfung um 1960 die verlustreichste Virusinfektion des Hundes. Sie wird durch ein Paramyxovirus hervorgerufen, das eng mit dem Masernvirus des Menschen verwandt ist. Da das Virus in der Umwelt wenig widerstandsfähig ist, wird es praktisch ausschließlich durch direkten Kontakt übertragen. Das breite Wirtsspektrum umfasst auch Marderartige, Robben und Schweineartige. Je nach Schwerpunkt der Virusvermehrung kommt es zur Pneumonie, Enteritis oder Enzephalitis. Die meisten Tiere sterben, Überlebende zeigen häufig lebenslang zentralnervöse Symptome ("Staupetick"). Vor allem in Ballungsräumen kommt es immer wieder zu kleineren Epidemien, da dort bei hoher Populationsdichte insgesamt zu wenige Hunde geimpft sind. Bei Jagdhunden, die Kontakt mit infizierten Wildtieren haben können, und Zuchthündinnen, die hohe maternale Antikörper an die Welpen abgeben sollen, sollte das Impfschema besonders sorgfältig beachtet werden. Die Bestimmung von Staupevirusantikörpern kann hilfreich für eine Entscheidung über die Notwendigkeit einer Wiederholungsimpfung sein. Zur Impfung stehen verschiedene Lebendvakzinen zur Verfügung. Nach erfolgter Grundimmunisierung reichen Wiederholungsimpfungen alle drei Jahre aus.


Empfohlene Grundimmunisierung beim Hund


Im Alter von

8 Wochen
Staupe, Hepatitis contagiosa canis, Parvovirose, Leptospirose

12 Wochen
Staupe, Hepatitis contagiosa canis, Parvovirose, Leptospirose, Tollwut

(16 Wochen
Staupe, Hepatitis contagiosa canis, Parvovirose, Tollwut)

15 Monaten
Staupe, Hepatitis contagiosa canis, Parvovirose, Leptospirose, Tollwut


Ab einem Alter von 12 Lebenswochen ist zur Grundimmunisierung eine zweimalige Impfung aller Komponenten im Abstand von drei bis vier Wochen, gefolgt von einer weiteren Impfung nach einem Jahr, ausreichend.


Die ansteckende Leberentzündung Hepatitis contagiosa canis (HCC) wird durch das canine Adenovirus 1 (CAV-1) verursacht. In Deutschland ist die Krankheit mittlerweile selten, in Osteuropa ist sie dagegen noch verbreitet. Junge, ungeimpfte Tiere sterben meist, Überlebende scheiden das Virus monatelang mit dem Urin aus. Geimpft wird mit dem attenuierten, nahe verwandten caninen Adenovirus 2 (CAV-2), das zum Zwingerhustenkomplex gehört und eine Immunantwort auch gegen CAV-1 hervorruft. Derzeit sind ausschließlich Kombinationsimpfstoffe zugelassen, die neben CAV-2 auch Komponenten gegen Staupe plus Leptospirose bzw. Parvovirose enthalten.

Das canine Parvovirus verursacht die Parvovirose des Hundes und ist in den 1970er Jahren durch wenige Mutationen aus dem lange bekannten felinen Panleukopenievirus, dem Erreger der Katzenseuche, entstanden. Seitdem hat sich das Virus weiter verändert. Während das ursprüngliche canine Parvovirus nur Hunde infizierte, können die neuen Typen Hund und Katze infizieren und zwischen diesen Tierarten übertragen werden. Die Lebendvakzine mit dem ursprünglichen caninen Parvovirus schützt gegen alle Virustypen. Das Virus führt zur hämorrhagischen Gastroenteritis, Myokarditis und dramatischen Lymphopenie bzw. Leukopenie. Es wird in großen Mengen mit dem Kot erkrankter Tiere ausgeschieden und ist äußerst widerstandsfähig. Infektionsgefährdet sind vor allem Welpen, besonders wenn deren maternale Antikörper soweit abgebaut sind, dass sie nicht mehr vor der Infektion schützen, jedoch noch soweit vorhanden sind, dass sie die Impfantigene als fremd erkennen und zerstören (kritische Phase). Nach korrekter Grundimmunisierung genügen Wiederholungsimpfungen alle drei Jahre.

Die bakterielle Leptospirose (auch Stuttgarter Hundeseuche oder Weil’sche Krankheit) wird durch Spirochäten der Gattung Leptospira hervorgerufen. Sie kommt bei vielen Tierarten vor und ist eine Zoonose mit weltweiter Bedeutung. Die beweglichen Erreger werden mit dem Urin infizierter Tiere, vor allem Ratten, ausgeschieden und können in Gewässern über lange Zeit überleben. Sie dringen über Haut oder Schleimhäute in den Körper ein, vermehren sich in nahezu allen Organen und führen vor allem zu Leber- und Nierenschäden sowie Gerinnungsstörungen. Eine sofortige antibiotische Therapie mit Amoxicillin in der ersten und Doxycyclin in der zweiten Phase ist oft lebensrettend. Bis vor kurzem waren in Deutschland inaktivierte Impfstoffe nur gegen eine Infektion mit den früher sehr häufigen Serovaren icterohaemorrhagiae und canicola verfügbar. Die Impfung hat zu einem deutlichen Rückgang dieser beiden Serovare geführt, jedoch schützt sie nicht vor den immer häufiger auftretenden Serovaren grippotyphosa, bratislava, saxkoebing, sejroe, australis und pomona. Seit letztem Jahr ist ein trivalenter Impfstoff (Versican DHPPi/L3® , Fa. Pfizer) zugelassen, der zusätzlich gegen eine Infektion mit Leptospira grippotyphosa schützt. Da der Impfschutz aller Vakzinen weniger als ein Jahr anhält, werden in Endemiegebieten und bei hohem Infektionsrisiko, z. B. bei Jagdhunden, Wiederholungsimpfungen alle sechs Monate empfohlen.


Die Tollwut ist eine anzeigepflichtige Zoonose, die von einem Lyssavirus aus der Familie der Rhabdoviridae hervorgerufen wird. Empfänglich sind alle warmblütigen Säuger sowie Vögel. Da die Erkrankung in der Regel tödlich endet, kommt der Prophylaxe eine besondere Bedeutung zu. In Deutschland fungiert der Rotfuchs als Hauptüberträger. Durch den jahrelangen Einsatz von Impfködern gilt Deutschland seit 2008 nach den Kriterien der Weltorganisation für Tiergesundheit (Office Internationale des Epizooties, OIE) als frei von terrestrischer (klassischer) Tollwut, nicht jedoch nach den strengeren WHO-Kriterien, nach denen die "Freiheit von jeglichen Tollwutviren" maßgeblich ist. Diesen Status können wir wegen der Fledermaustollwut (siehe Kasten) nicht erzielen.


Vorsicht Fledermaustollwut


Die Europäischen Fledermaus-Tollwutviren EBLV-1 und 2 sind eng mit dem klassischen Tollwutvirus verwandt. Jährlich werden in Deutschland etwa zehn Fälle von Fledermaustollwut nachgewiesen, vor allem im norddeutschen Flachland. Eine Übertragung der Fledermaustollwut auf andere Tiere ist selten, aber möglich. Grundsätzlich geht von ihr die gleiche Gefahr für Mensch und Tier aus wie von der klassischen Tollwut. Gegen Tollwut geimpfte Haustiere sind auch gegen Infektionen mit Fledermaus-Tollwutviren geschützt. Menschen sollten tote oder flugunfähige Fledermäuse nicht anfassen.


Durch Einschleppung von außen, z. B. durch zuwandernde Marderhunde aus Osteuropa oder infizierte importierte Tiere, kann die terrestrische Tollwut jederzeit wieder lokal ausbrechen. Da laut Tollwutverordnung ungeimpfte Tiere, die Kontakt zu einem tollwütigen Tier hatten, sofort getötet werden können, sollten Hunde auch hierzulande unter einem dauerhaften Impfschutz stehen, auch wenn sie nicht ins Ausland reisen. Zur Impfung sind ausschließlich inaktivierte und mit Aluminiumhydroxid oder Aluminiumphosphat als Adjuvans versehene Impfstoffe zugelassen. Die Virusstämme werden durchgängig in permanenten Zellkulturen hergestellt. Seit Änderung der Tollwutverordnung vom 20. Dezember 2005 gelten die nunmehr in den Packungsbeilagen aufgeführten Wiederholungsimpftermine, z. B. bei Vanguard R®, Fa. Pfizer, alle zwei Jahre, bei Virbagen-Tollwut-Impfstoff®, Fa. Virbac, Nobivac T®, Fa. Intervet, Rabisin®, Fa. Merial, Rhabdomun® und Enduracell T®, beide Fa. Pfizer, alle drei Jahre.


Impfungen beim Frettchen


Frettchen sind sowohl für das Staupe- als auch für das Tollwutvirus empfänglich. Da die für den Hund zugelassenen Lebendvakzinen gegen Staupe beim hochempfänglichen Frettchen eine Erkrankung auslösen können, dürfen Frettchen nur mit der für sie zugelassenen Staupevakzine (Febrivac DIST® , Fa. IDT Biologika), die attenuiertes Staupevirus Stamm D 84/1 enthält, geimpft werden. Ab einem Alter von zehn Wochen reicht zur Grundimmunisierung eine einmalige Impfung aus, gefolgt von jährlichen Wiederholungsimpfungen. Gegen Tollwut sind jährliche Impfungen mit den auch für Frettchen zugelassenen Tollwutvakzinen Nobivac T® (Fa. Intervet), Rabisin® (Fa. Merial), Riemser Tollwut-Vakzine® (Fa. Ecuphar N.V.) oder Vanguard R® (Fa. Pfizer) möglich.

"Kann"-Impfungen beim Hund

Die Lyme-Borreliose wird beim Hund durch verschiedene Spezies von Borrelia burgdorferi sensu lato verursacht, die durch Schildzecken der Gattung Ixodes ricinus (Gemeiner Holzbock) übertragen werden. In Deutschland sind zwischen 5 und 35% der Zecken mit Borrelien befallen, davon nur 10% mit Borrelia burgdorferi sensu stricto, gegen die es seit einigen Jahren eine inaktivierte Vakzine gibt (Eurican Merilym®, Fa. Merial). Wesentlich häufiger kommen B. garinii und B. afzelii vor, gegen die erst seit kurzem inaktivierte Vakzinen (Virbagen canis B®, Fa. Virbac, und RIVAC Borrelia®, Fa. Riemser Arzneimittel) zur Verfügung stehen. Hohe Impfantikörperspiegel im Hund sind eine Grundvoraussetzung für einen protektiven Effekt in der Zecke. Die Antikörper blockieren die Anheftung der Borrelien in der Darmwand der Zecke und somit die Wanderung in die Speicheldrüse. Da keine ausreichend schützende Kreuzimmunität zwischen den Borrelienspezies besteht, ist eine wirksame Prophylaxe wichtig. Dazu dienen die tägliche mechanische Entfernung der Zecken und die Applikation von akariziden bzw. repellierenden Substanzen (siehe DAZ 2010, Nr. 21, S. 52-56 über "Reisekrankheiten des Hundes"). Da eine Impfung infizierter Hunde derzeit nicht zu empfehlen ist, sollten Tiere vor der Impfung mittels Antikörpernachweis auf eine eventuelle Infektion hin untersucht werden.

Der "Zwingerhusten" ist eine klinisch definierte hochkontagiöse Infektion der oberen Atemwege durch verschiedene virale und bakterielle Erreger. Neben Parainfluenzavirus Typ 2 (CPiV-2), Adeno- Reo-, Influenza- und Herpesviren könnenBordetella bronchiseptica und Mykoplasmen beteiligt sein. Überall dort, wo viele Hunde unterschiedlicher Herkunft zusammentreffen, besteht erhöhtes Gefährdungspotenzial und ist eine Impfung zu empfehlen. Es steht eine Lebendvakzine zur Verfügung, die Bordetella bronchiseptica und auf permanenten Zellkulturen produziertes CPiV-2 zur intranasalen Verabreichung enthält (Nobivac BpPi®, Fa. Intervet). CPiV-2-Vakzinen gibt es monovalent oder in Kombination mit Core-Komponenten zur parenteralen Applikation. Da die Impfstoffe nicht das gesamte Erregerspektrum abdecken, bewirkt die Impfung eine Reduktion der klinischen Symptome, aber keinen vollständigen Schutz.

Gegen die canine Herpesvirus-Infektion, die zu Fruchtbarkeitsstörungen und "Welpensterben" führt, können Zuchthündinnen mit einer Subunit-Vakzine (Eurican Herpes 205®, Fa. Merial) geschützt werden. Gegen Babesiose (siehe DAZ 2010, Nr. 21, S. 52-56) ist in Deutschland kein Impfstoff zugelassen, eine Ausnahmegenehmigung für in Frankreich vertriebene Produkte (z. B. Nobivac Piro®, Fa. Intervet) ist im Einzelfall nach § 17c(4) TierSG möglich und muss bei der zuständigen Landesbehörde beantragt werden. Ebenso kann ein Impfstoff gegen Leishmania infantum (CaniLeish®, Fa. Virbac S.A.) aus Frankreich bezogen werden. Zur Unterstützung der Behandlung gegen Dermatophytosen stehen inaktivierte Vakzinen gegen M. canis (Virbagen Mikrophyt®, Fa. Virbac, und RIVAC Mikroderm®, Fa. Riemser Arzneimittel) bzw. gegen verschiedene Mikrosporum- und Trichophyton-Arten (Insol Dermatophyton®, Fa. Boehringer Ingelheim) zur Verfügung. Da Hunde sehr unempfindlich gegenüber Tetanospasmin sind, wird eine aktive Immunisierung mit einem Tetanus-Toxoidimpfstoff (Equilis Tetanus Vaccine®, Fa. Intervet) nicht routinemäßig durchgeführt.

"Pflicht"-Impfungen bei der Katze

Für die Tollwut gilt bei freilaufenden Katzen das gleiche wie für Hunde, es sind jedoch andere Abstände für die Wiederholungsimpfung einzuhalten. Während z. B. Vanguard R®, Fa. Pfizer, alle zwei Jahre geimpft werden muss, gelten für Virbagen-Tollwut-Impfstoff®, Fa. Virbac, Nobivac T®, Fa. Intervet, und Rabisin®, Fa. Merial, Wiederholungsimpfungen alle drei Jahre und für Rhabdomun® und Enduracell T®, beide Fa. Pfizer, alle vier Jahre.

Für das feline Panleukopenievirus, den Erreger der Katzenseuche, gelten die gleichen Anmerkungen wie für das canine Parvovirus des Hundes. Zusätzlich kann das feline Panleukopenievirus bei einer Infektion trächtiger Katzen die Feten infizieren und zu Kleinhirnhypoplasie und dauerhafter Ataxie oder zum Abort führen. Lebendvakzinen sind inaktivierten Vakzinen vorzuziehen. Meist werden Kombinationsimpfstoffe verwendet, die auch Komponenten gegen den Katzenschnupfenkomplex enthalten. Nach korrekter Grundimmunisierung reichen Wiederholungsimpfungen alle drei Jahre aus.

Der Katzenschnupfen ist eine Erkrankung der oberen Atemwege und wird wie der Zwingerhusten des Hundes von verschiedenen Viren und Bakterien ausgelöst. Wichtigster viraler Erreger ist das feline Calicivirus (FCV), etwa 5 bis 10% der Katzenschnupfenfälle werden vom felinen Herpesvirus (FHV) verursacht. Gegen beide Erreger sind sowohl Lebendvakzinen als auch inaktivierte Impfstoffe verfügbar. Nobivac RC®, Fa. Intervet, und Virbagen felis RC®, Fa. Virbac, sind reine Lebendvakzinen, während bei Purevac RC®, Fa. Merial, die Calicivirus-Antigenkomponente inaktiviert ist. Nach erfolgter Grundimmunisierung werden jährliche Wiederholungsimpfungen empfohlen.


Empfohlene Grundimmunisierung bei der Katze


Im Alter von

8 Wochen
Katzenseuche, Katzenschnupfen

12 Wochen
Katzenseuche, Katzenschnupfen, bei Freigängern Tollwut

(16 Wochen
Katzenseuche, Katzenschnupfen, bei Freigängern Tollwut)

15 Monaten
Katzenseuche, Katzenschnupfen, bei Freigängern Tollwut


Ab einem Alter von 12 Lebenswochen ist zur Grundimmunisierung eine zweimalige Impfung aller Komponenten im Abstand von drei bis vier Wochen, gefolgt von einer weiteren Impfung nach einem Jahr, ausreichend.

"Kann"-Impfungen bei der Katze

Einige Vakzinen gegen Katzenschnupfen enthalten zusätzlich eine Komponente gegen Chlamydophila felis, das hochgradige Bindehautentzündungen hervorrufen kann. Die Impfung mit Tot- oder attenuierten Lebendvakzinen verhindert weder eine Infektion noch die Ausscheidung der Erreger, reduziert aber die Symptome. Gegen Bordetella bronchiseptica einen Erreger des Katzenschnupfenkomplexes, steht eine intranasal zu verabreichende Lebendvakzine (Nobivac BP für Katzen®, Fa. Intervet) zur Verfügung. Sie kann eine Infektion nicht verhindern, aber die Symptome mildern. Die Impfung sollte mindestens eine Woche vor einer zu erwartenden Exposition, z. B. Verbringung des Tieres in eine Tierpension, durchgeführt werden.

Bei einer Infektion mit dem felinen Leukämievirus (FeLV) kann die Behandlung mit rekombinantem felinem Interferon (Virbagen Omega®, Fa. Virbac) zur klinischen Besserung führen, eine Heilung gibt es jedoch nicht. Prophylaktisch sollten alle "Freigänger" und Katzen, die Kontakt zu Katzen mit unbekanntem Infektionsstatus haben, geimpft werden. Dafür stehen sowohl inaktivierte, adjuvantierte Impfstoffe (z. B. Leukogen®, Fa. Virbac, Purevax FeLV®, Fa. Merial, Fevaxyn FeLV® und Versifel FeLV®, beide Fa. Pfizer) als auch eine lebende FeLV-Vektorvakzine (FeLV-Virus-Rekombinante des Kanarienpockenvirus) zur Verfügung (Purevax FeLV®, Fa. Merial), entweder als Monoimpfstoff oder in Kombination mit Core-Komponenten. Bei unbekanntem Immunstatus sollte vor der Impfung ein FeLV-Antigentest durchgeführt werden, da die Impfung virämischer Katzen unwirksam ist.

Die feline infektiöse Peritonitis (FIP) wird vom weit verbreiteten felinen Coronavirus (FCoV) verursacht, einem im Darm lebenden Virus, das durch direkten Kontakt oder indirekt durch kontaminierte Gegenstände übertragen wird. Die meisten Katzen werden bereits in den ersten Lebenswochen mit FCoV infiziert, doch nur wenige entwickeln in den ersten beiden Lebensjahren oder im hohen Alter eine stets tödlich verlaufende FIP. Ein Antikörper-Test auf FCoV sagt nur aus, ob eine Katze bereits Kontakt mit FCoV hatte, nicht aber, ob eine FIP-Infektion vorliegt. Die intranasal zu verabreichende Lebendvakzine (Primucell FIP®, Fa. Pfizer) ist nur wirksam, wenn die Katze bei der Impfung im Alter von 16 und 20 Wochen noch keinen Kontakt mit FCoV hatte, was unter Feldbedingungen selten ist. Die wichtigste Maßnahme besteht in der Reduktion des Infektionsdrucks, z. B. Haltung nur in Kleingruppen, regelmäßige Reinigung der Katzentoiletten und eventuell die Entfernung konstanter Virusausscheider aus der Gruppe. Für die Impfung gegen Tetanus und Dermatophytosen gelten die gleichen Anmerkungen wie beim Hund.


Fibrosarkomgefahr durch Impfungen?


Das Risiko eines impfassoziierten Fibrosarkoms bei Katzen wird mit 1:3000 bis 1:10.000 beziffert und erscheint gegenüber dem Nutzen der Impfung sehr gering. Die Gefahr einer bösartigen Veränderung von Bindegewebszellen besteht theoretisch bei jeder Injektion, weil eine traumatische Reaktion in Kombination mit genetischen und lokalen Faktoren zu einem Fibrosarkom führen kann. Dabei scheint die Temperatur des injizierten Arzneimittels einen Einfluss zu haben. Je kälter das Arzneimittel, desto höher scheint das Risiko zu sein.

Besonderheiten beim Pferd

Da Pferde meist in Beständen mit mehreren Tieren gehalten werden, dient die Impfung auch dem Schutz des jeweiligen Bestandes und letztlich der gesamten Pferdepopulation. Pferde haben eine Plazenta epitheliochorialis, bei der kein Abbau mütterlichen Gewebes stattfindet. Daher ist eine transplazentare Passage von Immunglobulinen nicht möglich, sodass Fohlen mütterliche Antikörper ausschließlich mit dem Kolostrum erhalten. Die Impfung trächtiger Stuten gegen equine Influenza, equine Herpesviren und Tetanus (Impfschema siehe Kasten) ist für einen hohen Antikörpergehalt im Kolostrum notwendig. Die Immunkompetenz des Fohlens und die Impfhistorie der Mutterstute bestimmen den geeigneten Zeitpunkt für die erste Impfung des Fohlens. Im Zweifel sollten Fohlen im Alter von vier Monaten auf Antikörper gegen das equine Influenzavirus (EIV) und vor allem der equinen Herpesviren (EHV-1 und EHV-4) untersucht werden.

"Pflicht"-Impfungen beim Pferd

Das Pferd ist im Vergleich zum Hund etwa 600 mal empfindlicher gegenüber Tetanospasmin und etwa doppelt so empfindlich wie der Mensch. Daher ist die Tetanus-Prophylaxe ein absolutes Muss für jedes Einzeltier. Grundlage der eingesetzten Impfstoffe ist gereinigtes Tetanustoxoid, das an Adjuvans (z. B. Aluminiumphosphat oder Aluminiumhydroxid) adsorbiert ist. Es stehen sowohl Monoimpfstoffe (z. B. Equip T®, Fa. Pfizer, Duvaxyn Te®, Fa. Elanco, Equilis Tetanus Vaccine®, Fa. Intervet) als auch Kombinationsimpfstoffe mit Komponenten gegen equine Influenza zur Verfügung. Nach korrekter Grundimmunisierung (siehe Kasten) reicht eine Wiederholungsimpfung alle zwei Jahre aus.

Vakzinen gegen equine Influenza verhindern keine Infektion, schützen für eine begrenzte Zeit aber vor Symptomen und senken die Viruslast im Bestand. Es sind inaktivierte Vakzinen (Equilis Prequenza®, Fa. Intervet, Duvaxyn IE Plus® und Equip F®, beide Fa. Pfizer), ein Lebendimpfstoff (ProteqFlu®, Fa. Merial) sowie ein inaktivierter Kombinationsimpfstoff gegen equine Influenza und Herpesvirus-Infektionen (Resequin NN plus®, Fa. Intervet) verfügbar. Nach erfolgter Grundimmunisierung ist eine jährliche Wiederholungsimpfung notwendig.

Equine Herpesvirus-Infektionen mit Typ 1 und 4 verursachen sowohl Rhinopneumonitis als auch die oft seuchenartig verlaufenden Virusaborte der Stuten. Beide Virustypen sind hochkontagiös. Die Impfung gehört mittlerweile zu den Core-Komponenten und zielt auf die Reduktion des Infektionsdrucks. Daher muss der gesamte Bestand im gleichen Rhythmus geimpft werden. Es stehen eine inaktivierte Vakzine gegen Typ 1 und 4 (Duvaxyn EHV1,4®, Fa. Pfizer), eine Lebendvakzine gegen Typ 1 (Prevaccinol®, Fa. Intervet) und ein inaktivierter Kombinationsimpfstoff gegen Typ 1 und 4 sowie equine Influenza (Resequin NN plus®, Fa. Intervet) zur Verfügung. Fohlen sollten bei ihren ersten Impfungen die inaktivierte Vakzine erhalten. Wiederholungsimpfungen sind nach erfolgter Grundimmunisierung alle sechs Monate notwendig.


Empfohlenes Impfschema der Pflichtimpfungen beim Pferd


Die Grundimmunisierung beim Fohlen besteht aus jeweils drei Impfungen gegen Tetanus, equine Influenza und equine Herpesvirus-Infektionen. Erfahrungsgemäß ist die Immunantwort umso besser, je weniger Komponenten zeitgleich geimpft werden.


Mögliches Impfschema:

im Alter von 5 Monaten
equines Herpesvirus (inaktivierte Vakzine)

im Alter von 6 Monaten
Tetanus, equines Influenzavirus, equines Herpesvirus (inaktivierte Vakzine)

4 bis 6 Wochen später
Tetanus, equines Influenzavirus

im Alter von 12 bis 14 Monaten
equines Influenzavirus, equines Herpesvirus

im Alter von 18 bis 20 Monaten
Tetanus


Bei Erstimpflingen in einem höheren Alter und bei unbekanntem Impfstatus ist eine zweimalige Impfung aller Core-Komponenten im Abstand von vier bis sechs Wochen angezeigt.


Wiederholungsimpfungen:

alle 6 Monate equines Herpesvirus

alle 12 Monate equines Influenzavirus

alle 2 Jahre Tetanus

"Kann"-Impfungen beim Pferd

Da Deutschland frei von terrestrischer Tollwut ist und diese nicht vom Pferd zu anderen Warmblütern übertragen werden kann, zählt die Impfung nicht mehr zu den Core-Komponenten. Es genügt, gefährdete Tiere zu impfen, z. B. vor Reisen in Länder, in denen Tollwut vorkommt. Als Grundimmunisierung reicht ab einem Alter von sechs Monaten eine einmalige Impfung aus. Wiederholungsimpfungen sind z. B. bei Vanguard®, Fa. Pfizer, und Nobivac T®, Fa. Intervet, alle zwei Jahre, bei Rhabdomun® und Enduracell T®, beide Fa. Pfizer, alle 18 Monate notwendig. Bei Druse, einer bakteriellen Infektion durch Streptococcus equi ssp. equi, wird der Einsatz der Lebendvakzine Equilis StrepE®, Fa. Intervet, nur als Notfallmaßnahme zur Verringerung der klinischen Symptome bei akut infektionsgefährdeten Pferden empfohlen. Die equine Virusarteritis (EVA, auch Pferdestaupe, "pink eye" oder Rotlaufseuche) ist eine hochkontagiöse, weltweit verbreitete meldepflichtige Erkrankung, die durch das equine Arteritisvirus (EAV) hervorgerufen wird. Mit Artervac®, Fa. Pfizer, steht eine inaktivierte, mit Squalen adjuvantierte Vakzine zur Verfügung, die klinische Symptome und die Virusausscheidung über nasale Sekrete reduzieren, nicht jedoch eine Infektion und die Virusausscheidung über das Sperma verhindern kann. Deutschland ist derzeit frei vom anzeigepflichtigen West-Nil-Virus (WNV). Eine Impfung mit der inaktivierten Vollvirus-Vakzine Duvaxyn WNV®, Fa. Pfizer, wird nur empfohlen, wenn Pferde in WNV-Endemiegebiete verbracht werden. Zur Behandlung bestehender Dermatophytosen kann in vierzehntägigen Abständen die inaktivierte polyvalente Vakzine Insol Dermatophyton®, Fa. Boehringer Ingelheim, zweimal oder bei Bedarf auch häufiger verwendet werden. Zur Immunprophylaxe stehen zwei monovalente Lebendimpfstoffe mit Trichophyton equinum (Equiphyt®, Fa. Virbac, und Hippo Trichon® , Fa. Riemser Arzneimittel) zur Verfügung.


Quelle

Ständige Impfkommission Vet. Leitlinie zur Impfung von Kleintieren. Beilage zum Deutschen Tierärzteblatt 8/2009. 2. Auflage 2009 .

Ständige Impfkommission Vet. Leitlinie zur Impfung von Pferden. Beilage zum Deutschen Tierärzteblatt 9/2011. 1. Auflage Juli 2011.

Impfstoffe & Sera für Tiere. Tierärztliche Umschau Spezial 8/2011. Terra-Verlag 2011.

Vahlenkamp, T. Felines Leukosevirus (FeLV): Infektion und Management. Sonderdruck aus: Der praktische Tierarzt 88 (12) (2007) 976 ff. Schluetersche 2007.

Paul-Ehrlich-Institut www.pei.de

Focusthema "Impfempfehlungen für Hund und Katze" bei www.msd-tiergesundheit.de

www.ivd-gmbh.de/html/eva.html


Anschrift der Verfasserin
Tierärztin Sabine Wanderburg, Seeweg 5a, 23701 Süsel



DAZ 2012, Nr. 13, S. 60

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