Aus der Hochschule

"There was never a better time to be a pharmacist”

EPSA Annual Reception im Europäischen Parlament

Bereits zum dritten Mal in Folge lud die Europäische Vereinigung der Pharmaziestudierenden (EPSA) Partner, Politiker und Studierende zu einer Veranstaltung im Europäischen Parlament ein. Dieses Jahr kamen fast 150 Gäste aus ganz Europa im drittgrößten Saal der Institution zusammen und referierten und diskutierten zum Thema "Active and Healthy Ageing".
Studierende bei der EPSA Annual Reception 2012 in Brüssel.
Foto: Kolberg

Zwei Members of the European Parliament (MEP) waren Gastgeber für den Event und gaben politischen Input. Außerdem referierten Dr. Roberto Frontini (Präsident der European Association of Hospital Pharmacists), John Chave (Generalsekretär der Pharmaceutical Group of the EU) und Franciska Deplenter (Vizepräsidentin der European Society of Clinical Pharmacy, ESCP) über die Sichtweisen der Offizin, der Krankenhausapotheker und der Klinischen Pharmazie. EPSA-Vertreter trugen die Gedanken der Studierenden vor; so konnten die junge und die erfahrenere Generation ihre Standpunkte austauschen.

Statements zur Pharmazie

"Unsere Aufgabe ist es, einzugreifen und das Bewusstsein zu schärfen", eröffnete Mariana Matias (MEP) die Vortragsreihe. Dr. Frontini erläuterte im Folgenden die Problematik im Krankenhausalltag. Die Behandlung von älteren Patienten sei oft aufgrund von Demenz nicht unproblematisch. Es würden mehr Soft Skills in der Pharmazie benötigt, denn tiefgründiges Wissen sei schön und gut, aber es muss auch richtig angewendet werden können. "Wir brauchen Pharmazeuten mit zusätzlichen Trainings, wie man mit schwierigen Erkrankungen wie etwa Demenz umgeht; Pharmazeuten, die in der Lage sind, mit dem Patienten zu kommunizieren." Die neue Generation solle möglichst früh darauf vorbereitet werden, wie man die ältere Generation pflegt.

John Chave begann seinen Vortrag provokativer: Es sei niemals eine bessere Zeit gewesen, um Apotheker zu sein. Die Probleme seien gerade in diesem Feld herausfordernder denn je: Polypharmazie, UAW und geriatrische Pharmazie seien die hot topics. Ein Zehntel aller Krankenhauseinweisungen bei älteren Patienten basieren auf UAW. Was ist da zu tun? In Großbritannien und Frankreich zum Beispiel gebe es bereits stellenweise elektronische Medication Records, die jeder Patient bei sich trägt und die der Apotheker jederzeit checken kann. 10% aller Rezepte werden aufgrund dieser Überprüfung korrigiert – ein großer Erfolg. Was kann neben den Neuerungen im Bereich IT und CT noch zum Gelingen beitragen? Motivierung der Patienten und eine engere Zusammenarbeit mit anderen Heilberufen, so John Chave.


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Klinische Pharmazie

In der ESCP gibt es schon seit einiger Zeit die "Geriatrics Special Interest Group". Bei deren Treffen wird über die Verordnung geeigneter Medikamente und die Desidarate der Arzneimittelforschung für die ältere Generationen referiert, denn sehr viele Medikamente werden immer noch im Off-label-use verschrieben. Außerdem kommen die Probleme Gebrechlichkeit und Demenz zur Sprache. In Workshops besteht die Möglichkeit, sich über Schmerztherapie, den Umgang mit älteren Patienten und die Überprüfung der Medikation fortzubilden, um fit zu sein beim Thema "Active Ageing". Eines der größten Probleme alter Menschen sind Defizite bei der Diagnose und Therapie. Der Apotheker spielt hierbei eine wichtige Rolle, denn er steht regelmäßiger als der Arzt im Kontakt mit den Patienten und kann Änderungen in ihrem Verhalten und Beschwerdespektrum früher entdecken.

Die Pharmaziestudierenden fordern, dass die Heilberufler besser zusammenarbeiten und miteinander kommunizieren. Neue Forschungsprojekte auf diesem Gebiet sollen initiiert und finanziell unterstützt werden. Die junge Generation muss sich mit dem Thema "Healthy Ageing" befassen und als Herausforderung des Berufs begreifen.

Fit für die Zukunft

Also wie begegnen wir, die zukünftige Apothekergeneration, den Veränderungen und Herausforderungen im Gesundheitssystem am besten? Durch mehr Fähigkeiten in der Klinischen Pharmazie und personalisierten Medizin, durch die Zusammenarbeit und den Dialog mit Patienten und Ärzten, durch die Nutzung von IT und CT und den Austausch mit der älteren Apothekergeneration, Engagement in Verbänden, Forderungen an die Politik.

Was wir dringend benötigen, um die Medikation für ältere Patienten zu verbessern, sind komplette, verständliche, aktuelle Daten eines jeden Patienten, der in die Apotheke kommt.

"Wir müssen in unseren Forderungen hartnäckig bleiben und uns vermehrt und vielschichtig dafür einsetzen und engagieren", so Oana Antonescu (MEP). Zudem seien Trainings und Soft Skills unerlässlich, um den Beruf fach- und zeitgemäß auszuüben.

Soft Skills

Um Sozialkompetenz ging es auch bei einer Umfrage, die die EPSA in Zusammenarbeit mit der Firma GlaxoSmithKline Ende letzten Jahres unter Studierenden in Europa durchgeführt hat. Die Teilnehmer der Umfrage (n = 202) fordern eine intensivere Ausbildung in der Arzneimitteltherapie (AM-Wechselwirkungen, Pharmakologie, UAW) und mehr praktisches Wissen in klinischer Pharmazie. Das zunehmende Interesse an diesen Fächern offenbart den gegenwärtigen Mangel im pharmazeutischen Curriculum.

Die Studenten sehen sich als die künftigen Care Provider und erachten Kommunikation und andere Soft Skills als einen wichtigen Teil der Sozialkompetenz und ihrer Fähigkeit, den Beruf auszuüben.

Eine Ausbildungsreform sollte vor allem die künftigen Patienten im Blickfeld haben. Sie muss nicht nur die Semesterwochenstunden ausbalancieren, sondern auch neue Lehrmethoden anwenden und die bereits existierenden Ressourcen besser nutzen. Die Studenten sind sich der Veränderungen im Apothekerberuf durchaus bewusst und ihnen gegenüber positiv eingestellt. Deshalb fordern sie die Professoren auf, gemeinsam mit ihnen das Studium weiterzuentwickeln.

Fazit

Die Veranstaltung in Brüssel war eine gute und wertvolle Erfahrung – nicht nur inhaltlich, sondern auch zwischenmenschlich. Dank an EPSA für den inspirierenden Event! Es war schön zu sehen, dass trotz der vielen nationalen Unterschiede sowohl Studierende als auch Berufstätige gemeinsam an einem Strang ziehen, was die Herausforderung "Active and Healthy Ageing" betrifft. Das ist eine höchst erfreuliche Tatsache, und wir sind gespannt, wie diese Geschichte in Europa und in Deutschland weitergeht.


Daniela Kolberg



DAZ 2012, Nr. 12, S. 115

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