Interpharm 2012

Zehn Euro jeden Tag

Kostenbetrachtung zur neuen Apothekenbetriebsordnung

"Mit zehn Euro sind Sie dabei, täglich – Minimum". So viel kostet die neue Apothekenbetriebsordnung jede Apotheke. Und darin ist noch nicht einmal der erwartete Mehraufwand der Apotheker für die Patientenberatung eingerechnet. Auf diesen Preis kam Dr. Reinhard Herzog in seinem Interpharm-Vortrag "Was kostet die ApBetrO – Ist sie wert, was sie kostet?"

Dr. Reinhard Herzog

Noch ist die ApBetrO nicht in trockenen Tüchern, der Bundesrat hat sein Votum noch nicht abgegeben. Aber so viel ist für den Fachautor und Apothekenberater klar: "Es wird nicht billiger." Die neuen, im Regierungsentwurf vorgesehenen Regelungen für den alltäglichen Apothekenbetrieb treiben die Kosten weiter in die Höhe. Die Big-Points von Herzogs Kosten-Skala sind rasch aufgelistet: QMS-Pflicht, Apothekenräume, Rezeptur und Beratungspflicht.

Vor allem die neue QMS-Pflicht schlägt laut Dr. Herzog in der Apothekenbilanz kräftig zu Buche: 3000 Euro Einmalkosten für die Einführung der damit verbundenen Aufgaben – und dazu noch Jahr für Jahr 1000 Euro laufende Kosten für die regelmäßige QMS-Pflege und Umsetzung. Da kommt rasch was zusammen, allein die QMS-Pflicht kostet so im ersten Jahr der Einführung zehn Euro pro Tag.

Nicht ganz so teuer wird laut Herzog der neue Hygieneplan, den jede Apotheke nicht nur aufstellen, sondern auch umsetzen muss. "Im Vergleich zu QMS ist das eine kleine Petitesse", so Herzog. Anders sieht es wieder für die Rezeptur aus. Der damit verbundene Dokumentationsaufwand wird die Rezeptur "erheblich verteuern". Zwischen einem und zwei Euro pro Rezept kalkuliert Herzog die zusätzlichen Kosten. Das macht für alle Apotheken 12 bis 20 Millionen Euro pro Jahr.

Gar nicht zu kalkulieren sind für Herzog ist Mehrkosten für die "Soll"-Vorschrift Barrierefreiheit für den Apothekenzugang. Da es keine Pflicht zur Nachbesserung gibt, können in den Apotheken "die drei Stufen" vorerst so bleiben wie sie sind. Es gilt Bestandsschutz. Aber dann: Was passiert beim beabsichtigten Verkauf der Apotheke an einen Nachfolger? Da können je nach Lage der Dinge erhebliche Umbaukosten entstehen, so Herzog. Mehr noch: in einigen Fällen könnte der Verkauf der Apotheke daran sogar scheitern. Totalschaden. Herzog: "Das dicke Ende kommt beim Verkauf."

Und dann die Forderung in der ApBetrO nach einer Ausweitung der Beratungspflicht in der Offizin. Was bedeutet das in Euro und Cent. Schwer zu kalkulieren oder doch nicht? Da kommen rasch "etliche Millionen zusätzliche Arbeitsstunden" in allen 21.400 Apotheken zusammen. Dr. Herzog rechnet so: Eine Minute zusätzliche Beratungszeit addiert sich bei 45.000 Kundenkontakten in einer Apotheke bei einem Minutenpreis von 0,40 Euro rein betriebswirtschaftlich auf Mehrkosten in Höhe von 18.000 Euro pro Jahr. Das macht für alle Apotheken rund 380 Millionen Euro. Den Betrag hat Herzog aber nicht in seine 10-Euro-Tageskalkulation einbezogen. Denn der größte Teil des Mehraufwandes dürfte vom vorhandenen Apothekenpersonal gestemmt werden müssen. Stichwort: Arbeitsverdichtung.

Unkalkulierbar auch die neue Vorschrift, die Apothekenausstattung auf dem aktuellen Stand der Technik zu halten. Das alte "Glasmuseum" sei zwar passé. Weil aber klare Vorgaben in der neuen ApBetrO fehlen, "drohen enorme Auseinandersetzungen mit den Prüfern", so Herzog. Mehr noch: Was heute High-Tech ist, kann in wenigen Jahren schon zum kostspieligen Standard gehören. Das Tempo des Fortschritts könnte die Apotheker so noch teuer zu stehen kommen.

Aber es stecken aus Sicht von Herzog auch neue ökonomische Chancen in der ApBetrO. Beispiel Körperpflege: "Das ist ein erheblicher Markt mit 12,6 Milliarden Euro Jahresumsatz." 3,8 Milliarden Packungen Körperpflege gehen jährlich über die Ladentische. "Warum nicht davon eine Scheibe abschneiden? Warum nicht den Drogerieketten Konkurrenz machen?", so Herzog. Durchschnittlich kauft jeder Bürger pro Woche drei Packungen Körperpflege, aber pro Jahr nur acht Packungen OTC-Produkte. Warum also die Kunden nicht mit einem Sonderangebot für Zahnpasta in die Apotheke locken, fragte Herzog. Die Apotheker müssten sich den gesamten Gesundheitsmarkt erschließen, so Herzogs Rat, denn "die Zukunft des Berufes liegt auch in der Medizintechnik". Der Apotheker müsse für sein wirtschaftliches Wohlergehen zu neuen Ufern aufbrechen. Herzogs Botschaft: "Der Apotheker muss sehen, was er unter seiner Fuchtel behält und bekommt."


lk


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DAZ 2012, Nr. 11, S. 66

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