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"Pille danach" – rezeptfrei?

STUTTGART (rb). Die "Pille danach" – mit dem Wirkstoff Levonorgestrel – ist in Deutschland seit acht Jahren auf dem Markt. Seit 2009 gibt es ein weiteres Präparat, das als Wirkstoff Ulipristalacetat enthält, einen Progesteron-Rezeptor-Modulator. Beide sind in Deutschland rezeptpflichtig und werden zur postkoitalen Kontrazeption, also zur Verhütung für den Notfall, eingesetzt.

Um sicher zu wirken, sollte Levonorgestrel möglichst innerhalb der ersten 24 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Schnelle Verfügbarkeit des Präparats ist also wichtig, um eine Schwangerschaft zu verhindern. Schon seit Jahren fordert daher Pro Familia, die "Pille danach" mit dem Wirkstoff Levonorgestrel von der Rezeptpflicht zu befreien und damit schneller verfügbar zu machen – im Interesse der betroffenen Frauen.

Rezeptfrei erhältlich ist Levornorgestrel zur postkoitalen Empfängnisverhütung in Belgien, Dänemark, Estland, Finnland, Griechenland, Großbritannien und Nordirland, Island, Lettland, Litauen, Österreich, Portugal, Schweden, Schweiz, Slowakei, Spanien, Türkei, den Niederlanden, Norwegen, Frankreich und Luxemburg. In Großbritannien und Frankreich werden diese Präparate in Schulen bei Bedarf an Schülerinnen abgegeben.

In den USA ist die "Pille danach" mit dem Wirkstoff Levonorgestrel seit April 2009 für Frauen ab 17 Jahren rezeptfrei erhältlich, nur für Frauen unter 17 Jahren ist sie verschreibungspflichtig.

In Italien ist Levonorgestrel als "Pille danach" – ebenso wie in Deutschland – rezeptpflichtig. Erst kürzlich plädierte Christian Albring, der Vorsitzende des Berufsverbandes der Frauenärzte, in der Fachzeitschrift "Frauenarzt" für die bestehende Verschreibungspflicht. Seine Argumente: Durch die ärztliche Verordnung komme die betroffene Frau in den Genuss einer kontrazeptiven Beratung, die ihr weiterhelfe. Außerdem würden die Frauen die fachliche Kompetenz und professionelle Distanz der Ärzte schätzen.

Die Vorsitzende von Pro Familia hält dagegen, dass die zeitnahe Versorgung der Frauen oft mit großen Hürden und hohen Kosten für ärztliche Untersuchungen verbunden sei, die privat bezahlt werden müssten.

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DAZ 2012, Nr. 10, S. 42