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"Gefällt mir"

Peter Ditzel

Vor Kurzem habe ich eine interessante Analyse gelesen, warum Facebook einen so starken Zulauf verzeichnet, vor allem in der jüngeren Generation: Während man früher aus einem weitgehend ländlichen und überschaubaren Leben in die verwirrende und anonyme Vielfalt des Stadtlebens aufgebrochen ist und dies als modern und zukunftsweisend empfunden hat, scheint sich der Trend derzeit umzukehren. Die Sehnsucht nach dem einfachen, überschaubaren Leben wächst. Nicht von ungefähr steigt die Auflagenzahl von Magazinen wie Landlust oder anderen Heim- und Landzeitschriften.

Facebook gibt seinen Nutzern so eine Art dörfliche Welt zurück: "Jeder kennt jeden, zwar nicht immer so genau, aber wenigstens über Umwege", schreibt der Kolumnist Frank Wiebe im Handelsblatt, "man weiß, was der andere so treibt, teilt sich auch Banalitäten mit. Es wird getratscht, die Grenze zwischen privatem und öffentlichem Leben verschwimmt. Man kennt nicht nur die Nachbarn, sondern weiß auch, wer die Eltern, Geschwister oder Kinder sind. Man gratuliert selbst Leuten, mit denen man nicht enger befreundet ist, zum Geburtstag." Das soziale Netzwerk gibt den Leuten Halt, man fühlt sich nicht mehr alleine in der großen weiten Welt des Internets: "Statt hilflos vor sich hin zu googeln, kann man sich jetzt auf die Empfehlungen der virtuellen Nachbarn verlassen", analysiert der Autor weiter. Selbst große Firmen und Politiker haben mittlerweile Facebook-Seiten eingerichtet, um in der kleinen Welt des Einzelnen dabei zu sein und um in der Medienflut überhaupt noch wahrgenommen zu werden.

Es ist in der Tat erstaunlich, was dieser Trend zurück ins "Facebook-Dorf" mit seinen Teilnehmern macht. Während viele früher darum kämpften, keine Daten von sich preisgeben zu müssen ("meine Daten gehören mir"), Widerstand gegen Volkszählungen leisteten und auch heute – zu Recht – Verletzungen des Datenschutzes bei Kunden-, Bonus-, Kredit- und anderen Karten, bei der Ortung von Smartphones und auch bei der Speicherung von Rezeptdaten scharf verfolgt werden, stellen Facebook-Nutzer mitunter ihren gesamten Lebenslauf mit vielen privaten Daten und Fotos, die man bisweilen auch lieber nicht sehen möchte, ins Netz. Man darf gespannt sein, wohin dieser Trend ins virtuelle Dorf führt, wie lange er anhält und ob auch hier möglicherweise irgendwann eine Gegenbewegung einsetzen wird.

Egal wie, noch ist der Zulauf in die Dorfgemeinschaft der Facebook-Welt ungebrochen. Ein Thema auch für die Apotheke? Darüber nachdenken sollten Sie auf jeden Fall. Zum einen über die Frage, ob Sie mit einer Seite auf Facebook präsent sein wollen (bisher machen dies erst wenige Apotheken). Sie können auf Facebook Ihre Aktivitäten posten, Ihre Dienstleistungen vorstellen, Gesundheitstipps verbreiten, Fotostrecken einstellen, beispielsweise von der Apotheke, aus dem Labor, von Mitarbeitern, und sogar kleine Imagefilme hochladen. Facebook-Nutzer werden Ihre Apotheke als moderne Apotheke wahrnehmen. Und wenn zufriedene Kunden "gefällt mir" anklicken, ist das kostenlose Werbung.

Allerdings setzt dies alles voraus, dass Sie oder ein(e) Mitarbeiter(in) Ihrer Apotheke netzaffin und vor allem Facebook-affin sind. Eine solche Seite in der Facebook-Welt will gepflegt und betreut sein.

Doch neben Facebook gibt es noch eine reale Welt, in der die Menschen auch Halt und Orientierung suchen. Gerade hier kann und wird die Apotheke, so meine Prognose für die Zukunft vor dem Hintergrund der Sehnsucht nach Land und Leben auf dem Dorf, punkten können. Angesichts einer Welt voll austauschbarer Kettenläden, großen Einkauf-Malls und Outlet-Centers ist die Apotheke noch so etwas wie eine vertraute und zuverlässige Größe im Markt. Sie hat so ein bisschen was von einem – im charmanten Sinn – "Tante-Emma-Laden": Der Kunde steht einem Menschen gegenüber, der seine Waren kennt, der Patient kann mit einem kompetenten Menschen über seine Arzneimitteltherapie und Gesundheitsprobleme sprechen und erhält Gesundheitsratschläge. Und, selbst in städtischen Apotheken, wird ein bisschen über die Familie und anderes Privates gesprochen – es ist so etwas wie Facebook live, in der realen Welt. Sie können dieses Bedürfnis der Menschen für Ihre Apotheke nutzen, geben Sie Ihren Kunden Halt in der verwirrenden Welt von Giga, Gaga und Internet – Möglicherweise auch ein Ausweg aus der Krise.

Mit der Krise und der Zukunft der Apotheke befasst sich auch ein Beitrag in dieser DAZ, den ich Ihnen – neben den Artikeln von Dingermann und Zündorf über die Krebsentstehung und dem Beitrag von Sörgel zur eZigarette – empfehlen möchte: Der Soziologe Gerhard Schulze spürt in seinem Aufsatz der Entwicklung des Apothekerberufs nach und zeigt auf Zukunftsperspektiven hin, die Mut machen können.

Außerdem möchte ich Sie einladen zu einem ganz realen Netzwerk: vom 9. bis 11. März findet die Interpharm in Frankfurt statt, der größte pharmazeutische Fachkongress in Deutschland. Nehmen Sie teil, netzwerken Sie mit Referenten, treffen Sie Freunde und Bekannte.

In diesem Sinne: viele "Gefällt mir-Klicks"!


Peter Ditzel



DAZ 2012, Nr. 10, S. 3

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