Gesundheitspolitik

Gründer kaufen Europa Apotheek zurück

Berlin (ks). Der US-Gesundheitsdienstleister Express Scripts – seit der Übernahme seines Konkurrenten Medco auch Eigentümer der Europa Apotheek Venlo – hat sich von der holländischen Versandapotheke getrennt. Nun liegt die Apotheke wieder in den Händen ihrer ehemaligen Gründer: Sie haben am 4. Dezember alle Unternehmensanteile von Express Scripts übernommen. Über den Kaufpreis und Vertragsdetails wurde Stillschweigen vereinbart.

Bewegte Geschichte

Die 2001 von Klaus Gritschneder und Michael Köhler gegründete Europa Apotheek hat bereits eine bewegte Geschichte hinter sich: Selbst bevor der Versandhandel mit Arzneimitteln 2004 in Deutschland erlaubt wurde, mischte sie schon im hiesigen Markt mit; unter anderem schloss sie dabei Kooperationen mit Krankenkassen. Als der Versand dann offiziell zugelassen wurde, startete die Europa Apotheek die Pick-up-Kooperation mit den dm-Drogeriemärkten, die dieses Jahr allerdings ihr Ende finden wird. Im Jahr 2008 erwarb das US-Unternehmen Medco Health Solutions, den Mehrheitsanteil des zuvor im Privatbesitz befindlichen holländischen Arzneimittelversenders. Rund 120 Mio. US-Dollar ließ sich Medco damals die Übernahme kosten, Mitte 2010 kaufte das US-Unternehmen die restlichen Anteile hinzu. Doch Medcos Erwartungen, den deutschen Arzneimittelmarkt zu stürmen, zerschlugen sich alsbald. Ein Joint-Venture mit Celesio fruchtete nicht – es wurde eingestellt kurz nachdem im Sommer 2011 Medco seinerseits – samt der Europa Apotheek – von seinem US-Mitbewerber Express Scripts gekauft wurde. Ein gutes Jahr später hat der neue Eigentümer den deutschen Markt offenbar ganz aufgegeben.

Nach dem nun erfolgten sogenannten "Management-Buy-Out" (MBO) sind die Gründer der EuropaApotheek Michael Köhler und Klaus Gritschneder wieder Eigentümer der Europa Apotheek. Sie waren dem Unternehmen auch in der "amerikanischen" Zeit in Management-Posten treu geblieben. Ebenfalls am MBO beteiligt sind die Gründer der EAV-Tochter shop-apotheke.com Dr. Peter Weber, Stephan Weber und Marc Fischer, die verantwortliche Apothekerin Theresa Holler sowie der CFO Dr. Ulrich Wandel. Hinzu kommen "namhafte Investoren", heißt es in der Pressemeldung der Europa Apotheek. Die neuen Inhaber würden dem Unternehmen für das zukünftige Wachstum "einen hohen zweistelligen Millionenbetrag" zur Verfügung stellen.

Zukäufe geplant

Köhler ist überzeugt, dass das Management am besten weiß, wo die Potenziale der Apotheke liegen. Mit der Übernahme habe man "eine großartige Chance", die sich in einer Konsolidierungsphase befindliche Marktsituation zu nutzen und die Marktposition der Europa Apotheek stark auszubauen. Die neue Führung wolle dazu in drei Kernbereiche investieren: So sollen die bereits starken Online- Präsenzen ausgebaut werden, ebenso die Kooperationen mit deutschen gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen sowie die bereits bestehenden Patientenbetreuungsprogramme. Und Köhler kündigt an: "Darüber hinaus werden wir Wachstumschancen durch gezielte Übernahmen nutzen." Infrage kommen könnte etwa die insolvente Sanicare-Versandapotheke in Bad Laer.

Die Europa Apotheek Venlo ist mit rund 20 Prozent Marktanteil am Versandhandel die zweitgrößte Versandapotheke im deutschen Apothekenmarkt. Eigenen Angaben zufolge liegt der Gesamtumsatz bei 37 Mrd. Euro. Der aktuelle Marktanteil der Versandapotheken am Gesamtumsatz des deutschen Apothekenmarktes beträgt zurzeit rund 3 Prozent – doch die EAV sieht hier angesichts der wachsenden Versandaffinität der Endverbraucher viel Luft nach oben: Vergleichbare Branchen wiesen bereits einen Versandhandelsanteil von rund 20 Prozent auf.



AZ 2012, Nr. 50, S. 1