Gesundheitspolitik

Impfstoffe: Zusätzliche Dosen erwartet

Berlin (ks). Die Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenkassen und das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) haben am 8. November angekündigt, es würden mehr als eine Million Dosen Grippeimpfstoff zusätzlich auf dem deutschen Markt erwartet. Letzten Freitag lag die Zahl der freigegebenen Dosen laut Webseite des PEI bei 15,3 Millionen. Bald soll jedoch die 16 Millionen-Marke geknackt sein. Bei den Krankenkassen macht sich Erleichterung breit – die Apothekerverbände in den besonders vom Lieferengpass betroffenen Regionen reagierten jedoch ohne Überschwang. Sie wollen erst sehen, dass diese Impfdosen auch tatsächlich in den Apotheken landen.

Schon Ende Oktober hatte das PEI unter anderem 400.000 Impfstoffdosen von GlaxoSmithKline freigegeben, die auch für den deutschen Markt bestimmt sind – sie sollen ab dem 13. November ausgeliefert werden. Am 2. November folgte die Freigabe weiterer 500.000 Impfdosen. Und noch mehr sollen folgen. Nach Informationen der AZ sind auch zwei weitere Chargen Optaflu von Novartis darunter – insgesamt 240.000 Impfdosen. Sie werden in Marburg und nicht – wie Begripal und Fluad – in Siena hergestellt.

AOK dankt Herstellern

Die unlängst geführten Gespräche zwischen Vertretern der gesetzlichen Krankenkassen und dem Paul-Ehrlich-Institut mit Impfstoffherstellern stimmen die Beteiligten optimistisch. "Wir haben gemeinsam alle Hebel in Bewegung gesetzt. Den Unternehmen, die aushelfen, danke ich im Namen der Gesetzlichen Krankenversicherung", erklärte Uwe Deh, Geschäftsführender Vorstand des AOK-Bundesverbandes. PEI-Präsident Prof. Dr. Klaus Cichutek sagte, die Gespräche seien "außergewöhnlich konstruktiv" gewesen: "Ich freue mich, dass wir dieses sehr gute Ergebnis in der Kürze der Zeit erzielen konnten." Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des Verbands der Ersatzkassen, betonte, dass es nun darauf ankomme, dass der Impfstoff dorthin gelangt, wo er am dringendsten benötigt wird.

Skeptische Hoffnung bei den Apothekern

Nach Bayern, Schleswig-Holstein und Hamburg – die vom Novartis-Ausfall besonders betroffenen Regionen – sollen nun zielgenau etwa 740.000 Dosen Grippeimpfstoff gelenkt werden, heißt es in der Pressemeldung der Kassenverbände. Beim Bayerischen Apothekerverband will man sich nicht vorschnell freuen. Man müsse zunächst warten, wie schnell und in welchem Umfang die Impfstoffe in die betroffenen Regionen gelangen, ehe man den Effekt auf die derzeitige Situation beurteilen kann, so Pressesprecher Thomas Metz. "Gut ist grundsätzlich alles, was zu einer Entspannung der Lage beiträgt."

Dr. Jörn Graue, Vorsitzender des Hamburger Apothekervereins, betonte gegenüber der AZ, dass in Hamburg der Engpass noch keinesfalls beseitigt sei. Sämtliche Vorräte des Großhandels seien abgefordert. "Es ist nichts da", so Graues nüchterne Feststellung. Auch er hofft nun auf den 13. November, für den die Auslieferung des GSK-Impfstoffs angekündigt ist. 40.000 Einheiten hiervon sollen für Hamburg sein. Selbst dies ist vergleichsweise wenig, wenn man bedenkt, dass bislang in dieser Saison 90.000 Dosen in Hamburg verimpft wurden, in der vergangenen aber 250.000.

Luft nach oben

In den vergangenen Jahren waren in der Regel schon Anfang Oktober alle für die Saison vorgesehenen Grippeimpfstoffe vom PEI freigegeben – mindestens 20 Millionen, meist noch mehr. So wenige wie in diesem Jahr waren es noch nie. Ob man noch weitaus mehr als die 16 Millionen Impfdosen bekommen wird, bleibt abzuwarten. Ebenso, wie viele davon am Ende tatsächlich auf dem deutschen Markt landen werden. Von GlaxoSmithKline ist jedenfalls nichts mehr zu erwarten. In seinem Dresdner Werk ist man bereits vollauf mit der Produktion für die Südhalbkugel beschäftigt.



AZ 2012, Nr. 46, S. 1