Gesundheitspolitik

Honorarstreik kostet 100 Millionen Euro

Arzneimittelmarkt bricht im September 2012 ein – IMS Health sieht eine Ursache in Streiks

Berlin (lk). Im September ist der Apothekenmarkt überraschend stark eingebrochen. Der Absatz zulasten der GKV schrumpfte um knapp acht Prozent – rund 200 Millionen Euro weniger Umsatz als im Vorjahr. Dass der September 2012 zwei Arbeitstage weniger hatte als 2011 reicht als Erklärung für diesen Einbruch nicht aus. Der Honorarstreik von Apothekern und Ärzten kostete im September ebenfalls Absatz und Umsatz: "In diesem Monat fanden Ärzte- und Apothekerstreiks statt. Das dürfte neben den zwei Arbeitstagen weniger auch einen Einfluss gehabt haben", so IMS Health. Rund 100 Millionen Euro könnten die Protestmaßnahmen gekostet haben.

Im Mai 2012 gab es die gleiche Ausgangslage: Der Wonnemonat hatte ebenfalls zwei Arbeitstage weniger als ein Jahr zuvor. Die Folge: Der GKV-Umsatz sank um rund vier Prozent, also nur etwa halb so kräftig wie im September dieses Jahres. Ordnet man den im September 2012 darüber hinausgehenden Umsatzrückgang den Streikfolgen zu, so errechnet sich ein Umsatzvolumen von knapp 100 Millionen Euro.

Im September 2011 zog der GKV-Umsatz nach der Sommerpause nämlich wieder leicht um 0,2 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro an. Im September 2012 wurden nur noch Arzneimittel im Wert von 2,4 Milliarden Euro zulasten der GKV abgegeben. Noch deutlicher fällt die Differenz bei den Packungszahlen aus. Statt 56 Millionen Packungen zulasten der GKV waren es in diesem September nur 52 Millionen Stück.

Umsatz und Absatz des gesamten Apothekenmarktes brachen im September im mittleren einstelligen Bereich um 5,3 Prozent beziehungsweise um 3,8 Prozent ein. Das geht aus aktuellen Zahlen von IMS Health hervor. Der Rückgang hängt aber neben den Streikauswirkungen mit statistischen Effekten zusammen, da der September 2012 zwei Arbeitstage weniger hatte als der September 2011. Die kumulierte Entwicklung über die ersten neun Monate des Jahres zeigt denn auch eine sehr moderate Entwicklung: Der Umsatz erhöhte sich leicht um 1,7 Prozent auf 18,9 Milliarden Euro (ApU), während der Absatz mit negativem Vorzeichen (- 0,4 Prozent) bei 1,1 Milliarden Packungen stagnierte.

Stärker als der Gesamtmarkt schrumpfte im September 2012 der Rx-Absatz. Hier betrug der Rückgang nach Wert minus 6,3 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro (ApU) und nach Menge sogar minus 6,8 Prozent auf 54 Millionen Packungen. Erst zum zweiten Mal nach Mai 2012 gingen laut IMS Health im September 2012 auch Verordnungen der N3-Packung zurück. In allen anderen Monaten legten Verschreibungen von Großpackungen zu, während kleinere N1 und N2 Packungen stagnierten.

Der Rückgang im September wirkt sich entsprechend negativ auf die Entwicklung im kumulierten Zeitraum der ersten neun Monate auf dem Rx-Markt aus: Die Steigerung nach Wert betrug nur noch 1,8 Prozent auf 15,9 Milliarden Euro (ApU). Der Absatz stagnierte (+ 0,2 Prozent) bei 522 Millionen Rx-Packungen. In den ersten acht Monaten des Jahres legten Umsatz (+ 2,9 Prozent) und Absatz (+ 1,0 Prozent) noch stärker zu.

OTC-Markt stagniert

Bei OTC-Produkten gleicht die Septemberentwicklung der des Vormonats: Der Umsatz stagnierte bei 320 Millionen Euro (ApU) und die Zahl der abgegebenen Packungen bei 59 Millionen Stück. Kumuliert über die ersten neun Monate des Jahres erhöht sich der Umsatz um knapp ein Prozent auf drei Milliarden Euro (ApU) bei einem leichten Rückgang (- 0,9 Prozent) der Packungen auf 554 Millionen Stück.



AZ 2012, Nr. 46, S. 1

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