Gesundheitspolitik

dm-Drogeriemärkte: Zur Rose statt EAV

dm bleibt Pick up treu und freut sich über wachsende Umsätze

Berlin (ks). Die Kooperation zwischen dem dm-Drogeriemarkt und der Europa Apotheek Venlo läuft zum Jahresende aus. Dies gab dm letzte Woche anlässlich seiner Jahrespressekonferenz bekannt. Die Trennung erfolge einvernehmlich, hieß es; die Europa Apotheek wolle sich künftig voll und ganz ihrer "Kernzielgruppe", den Chronikern, zuwenden. Die Drogeriekette hat aber schon einen neuen Apothekenpartner: die in Halle ansässige Zur Rose Versandapotheke. Sie wird ab dem kommenden Jahr die 850 Pharmapunkte in den 1345 deutschen dm-Filialen übernehmen.
Informationsterminal – Laut dm nutzen viele Kunden diese anonyme Informationsmöglichkeit. Drumherum sind freiverkäufliche Arzneimittel und Gesundheitsprodukte platziert. Foto: www.dm.de

"Am 31. Dezember 2012 beenden die Europa Apotheek Venlo und dm nach fast neun Jahren ihre erfolgreiche Zusammenarbeit, die den deutschen Apothekenmarkt nachhaltig verändert hat", verkündete Petra Schäfer, dm-Geschäftsführerin Marketing und Beschaffung, am 18. Oktober in Berlin. Alle Bestellungen bei der Europa Apotheek, die bis zum 15. Dezember 2012 in einem dm-Markt aufgegeben werden oder deren Auslieferung über einen dm-Markt bis zu diesem Termin gewünscht wird, würden wie gewohnt ausgeführt.

Mehrwertkonzepte in Arbeit

Schäfer blickt positiv auf die vergangenen Jahre zurück: Man habe mit dem Pharmapunkt neue Zielgruppen erschlossen. Und auch nach der Trennung von der Europa Apotheek will dm nicht auf das "sinnvolle Angebot" des diskreten Arzneimittelbezugs verzichten. Die Versandapotheke Zur Rose sei "ein idealer Kooperationspartner", so Schäfer. dm habe mit mehreren Apotheken Gespräche über eine Kooperation geführt. Dass die Wahl auf Zur Rose fiel, mag mit daran liegen, dass die österreichischen dm-Märkte bereits mit der zur Zur-Rose-Gruppe gehörenden tschechischen VfG-Versandapotheke zusammenarbeiten. Doch auch sonst ist Schäfer überzeugt: Bei der Apotheke in Halle (Sachsen-Anhalt) gebe es OTC-Arzneimittel nicht nur bis zu 50 Prozent günstiger als in anderen Apotheken. Sie biete auch sonst "tolle Leistungen" an. Derzeit arbeite man noch an "Mehrwertkonzepten", die den dm-Kunden ab dem kommenden Jahr zur Verfügung stehen sollen. "Am Pick-up-Modell wird sich nichts ändern", versicherte die dm-Geschäftsführerin bereits. Bislang gibt es rund 850 dm-Märkte, die einen Pharmapunkt bereit halten. Doch bald könnten alle Filialen ausgerüstet sein. Schon jetzt finden sich mitten in den Regalreihen mit den freiverkäuflichen Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten Computerterminals, über die Kunden Informationen zu diesen Artikeln abfragen können. In diese Terminals könnte die Funktion des Pharmapunktes integriert werden. Das Informationsterminal wird dm zufolge gut angenommen. Gegenüber der persönlichen Beratung durch die Drogisten bevorzugten viele Kunden sogar die anonyme Variante, um sich über Arzneimittel zu informieren. Auch für die dm-Mitarbeiter sei die Gesundheitsberatung per Bildschirm eine "wichtige Ergänzung", so dm-Logistik-Geschäftsführer Christian Bodi. Schließlich ist es nicht ganz einfach, stets alle Informationen zu den Produkten abrufbereit im Kopf zu haben. Doch das Geschäft mit freiverkäuflichen Arzneimitteln, Nahrungsergänzungsmitteln und Diätartikeln brummt. Die Eigenmarke "Das gesunde Plus" sei hinsichtlich der Abgabemengen eine der stärksten, so Bodi. Man setze beim Gesundheitssortiment aber auf eine gute Mischung mit Markenprodukten. Ingesamt geht es dm blendend. Im nun abgeschlossenen Geschäftsjahr 2011/12 hat das Unternehmen dabei auch von der Schlecker-Pleite profitiert. In Deutschland hat dm die 5-Milliarden-Euro-Umsatzmarke geknackt. Die Geschäftsführung ist überzeugt, dass die Dynamik hierzulande anhalten wird.



AZ 2012, Nr. 43, S. 3