Gesundheitspolitik

Bahr "macht Nachtdienst"

Bundesgesundheitsminister im Apotheken-Dialog

Jetzendorf (diz). Eine Apotheke im Nachtdienst – Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr wollte sich selbst davon überzeugen, wo die Nöte und Sorgen der Apothekerinnen und Apotheker liegen. Am Vorabend des Apothekertags besuchte er die diensthabende Landapotheke in Jetzendorf, rund 40 km nördlich von München, im Nachtdienst.

Die "Apotheke am Schloss" in Jetzendorf hatte das Ministerium rein zufällig ausgewählt. Apothekerin Gertrud Elsenberger staunte nicht schlecht, als Berlin den Besuch des Ministers ankündigte.

Er traf Punkt 19 Uhr ein, ein Tross an Journalisten der Tages- und Fachpresse hatte sich bereits in der Apotheke installiert. Die Apothekerin und Bahr ließen sich davon allerdings wenig stören. Der Minister bat, die Apothekenräume anschauen zu können, Offizin, Labor, Helferinnenraum. "Die Apotheke war früher mal ein Kuhstall", verriet ihm die Apothekerin, die noch drei weitere Apotheken besitzt. Er erkundigte sich nach der Beziehung zu den Großhändlern, fragte nach Retax-Problemen mit Krankenkassen, nach Rezeptur und den Anforderungen der Apothekenbetriebsordnung.

Bahr stellte – unter Blitzlichtgewitter – die Sinnhaftigkeit des Notdienstes heraus, sah aber auch Probleme und versprach, sich für die angekündigten 120 Mio. Notdienst-Zulage einzusetzen. Allerdings sei noch vollkommen unklar, wie diese Zulage verteilt werde. Die kursierenden 200 Euro pro Nachtdienst seien so noch nicht spruchreif.

Nachdem Bahr auf Wunsch einer Regionalzeitung einen Fotoshooting-Termin vor dem Freiwahl-Regal über sich ergehen lassen hatte, zog er sich mit der Apothekerin und ihrem Nachbar-Apotheker Robert Götz, der zum Nachtdienst-Treffen hinzugestoßen war, in den ersten Stock der Apotheke zurück, um in einer gemütlich bayerischen Sitzrunde bei einem Glas Sprudel Weiteres über die Ansichten und Einschätzungen der Apotheken zu erfahren. Nur einmal klingelte die Nachtdienstglocke, und Bahr konnte Zeuge für die Inanspruchnahme des Notdienstes werden. Die Kundin, durch das Aufgebot an Journalisten, Medienvertretern und Bodyguard ein wenig verunsichert, erkannte den Minister sichtlich nicht und ließ sich von ihm auch nicht in ein Gespräch verwickeln.

Nach zwei Stunden und ausgiebigen Gesprächen mit der Apothekerin wird Bahr wieder ein Stück Apothekenwirklichkeit mit nach Berlin nehmen können.

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