Gesundheitspolitik

Deutscher Apothekertag 2012 im Zeichen des Umbruchs

Diskussion über Apothekenhonorar – ABDA-Spitze vor Neuwahl – Rede von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr

Berlin (lk). In einer angespannten wirtschaftlichen wie politischen Situation findet ab kommenden Donnerstag in München der diesjährige Deutsche Apothekertag (DAT) statt. Erwartet werden kontroverse Diskussionen rund um die kürzlich von der Bundesregierung beschlossene Erhöhung des Apothekenhonorars um 25 Cent auf 8,35 Euro. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) wird zudem ihre Position für die anstehenden Verhandlungen über den Kassenabschlag nochmals untermauern. Offen ist, ob die zum Jahrsende bevorstehende Neuwahl der ABDA-Spitze ihre Schatten voraus wirft. Und als Ehrengast hat sich Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) angekündigt.

Auf besonderes Interesse dürfte die Rede Bahrs wegen der heftigen und im Ton teilweise aggressiven Diskussion um die Honorarerhöhung und wegen der Protestaktionen der Apotheker dagegen stoßen. Bei seinem ersten Auftritt als Minister vor dem Apothekertag wird Bahr vermutlich zudem einige Anmerkungen zur Novelle der Apothekenbetriebsordnung machen, die auf Druck der ABDA über den Bundesrat gegen Bahrs Willen noch einige wichtige Änderungen erfahren hatte. Möglicherweise hat Bahr bereits Andeutungen im Gepäck, wie die neue 120-Millionen-Euro-Pauschale für den Not- und Nachtdienst umgesetzt werden kann.

Bereits vor dem offiziellen Beginn des Apothekertages versucht die ABDA-Führung, mit einem Dialogangebot an die "Protestapotheker" den erwarteten Aktionen auf dem DAT die Spitze zu nehmen. Nach AZ-Informationen will eine Gruppe um Video-Apothekerin Ann-Katrin Kossendey aber auf jeden Fall die Antragsdiskussion nutzen, um im DAT-Saal öffentlichkeitswirksam auf ihre Positionen aufmerksam zu machen.

Insgesamt liegen dem DAT rund 75 Anträge zur Beratung vor. Viele beschäftigen sich mit der zurückliegenden Honorardebatte. Auch der Not- und Nachtdienst spielt eine Rolle. Daneben gibt es kritische Anträge zur Arbeit der ABDA. Darin werden eine kraftvollere Öffentlichkeitsarbeit und mehr Transparenz eingefordert. Als "skandalös" wird der von der ABDA-Mitgliederversammlung im Frühsommer beschlossene "Maul-korberlass" kritisiert.

Ein Antrag fordert die Änderung der ABDA-Satzung mit dem Ziel, den neuen ABDA-Präsidenten durch den Apothekertag 2013 direkt wählen zu lassen. Die Landesapothekerkammer Thüringen beschäftigt sich in einem Antrag mit den ausufernden Diskussionen über Apothekenthemen in verschiedenen Internetforen. In dem Antrag wird die ABDA aufgefordert, die Kommentierungsfunktion auf ihrer Facebook-Seite zu schließen.

Breiten Raum einnehmen werden auch die anstehenden Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband über den Kassenabschlag ab 2013. Der DAV besteht auf dem Wert von 1,75 Euro als Ausgangsbasis für die Gespräche. Die ABDA wird dazu ein umfangreiches Argumentationspapier vorstellen. Auch im DAT-Plenum dürfte es eine intensive Diskussion über den Kassenabschlag geben. Der Apothekerverband Hessen fordert dessen komplette Abschaffung und will den Kassen nur noch Skonti bei pünktlicher Zahlung einräumen. Darüber soll auf dem DAT diskutiert werden.

Zum Jahresende stehen bekanntermaßen Neuwahlen der gesamten ABDA-Spitze an. Die Präsidentin der Bundesapothekerkammer, Erika Fink, hat in einem DAZ-Interview im Sommer bereits angekündigt, nicht wieder zu kandidieren. Bislang hat noch kein Interessent öffentlich seine Kandidatur erklärt. Das gilt auch für die ABDA-Präsidentschaft, die am 6. Dezember neu gewählt wird. Es wird erwartet, dass Heinz-Günter Wolf zu seinen Absichten Stellung bezieht.

Messe in schwieriger Situation

Auch auf der Expopharm, die bereits am Mittwoch ihre Türen öffnet, spiegelt sich die angespannte wirtschaftliche Lage der Branche wieder. Zwar gehen mit 501 Ausstellern mehr Firmen an den Start als im Vorjahr. Dafür fehlen aber führende Softwarehäuser wie Pharmatechnik und Lauer Fischer. Allerdings ist der neue Expopharm-Geschäftsführer Metin Ergül zuversichtlich, die Firmen für das Jahr 2013 zurückzugewinnen: Es liefen bereits Gespräche über die Standfläche, heißt es aus der Expopharm-Pressestelle.



AZ 2012, Nr. 41, S. 1

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