Gesundheitspolitik

Gericht verbietet DocMorris-Pick-up im Norden

Graue: Celesio sollte jetzt Versandhandel aufgeben – Berliner DocMorris-Apotheker will vorerst weitermachen

BERLIN (lk). Nach einem Urteil des Landgerichts Itzehoe steht das hausinterne DocMorris-Pick-up-Modell zur Disposition. Zwei DocMorris-Apotheken in Pinneberg und Elmshorn müssen ihren Pick-up- Service in Kooperation mit der gleichlautenden niederländischen Versandapotheke einstellen. Die beklagte Apothekenleiterin wehrte sich nämlich nicht gegen das bereits im Dezember vom Landgericht Itzehoe durch Versäumnis-Urteil erlassene Verbot – damit wurde es rechtskräftig. Für jeden Fall der Zu widerhandlung droht der Apothekerin ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro.

Dr. Jörn Graue: "Celesio sollte das DocMorris Versandgeschäft aufgeben." Foto: AZ/tmb

Das dritte Pick-up-Pilotprojekt in Berlin war nicht Gegenstand der Klage. DocMorris-Apotheker Christoph Neumann will in seiner Köpenicker Zweitapotheke daher vorerst weitermachen: "Ich warte zunächst die höchstrichterliche Klärung ab", sagte Neumann zur Apotheker Zeitung. "Kein Apotheker wünscht sich Versandhandel", so Christoph Neumann weiter. Er sei aber der Meinung, dass ein solcher Service besser in der Apotheke aufgehoben sei. Im benachbarten Drogeriemarkt würden ebenfalls Rezepte gesammelt, beschreibt Neumann seine Wettbewerbssituation vor Ort, die ihn zu diesem Schritt veranlasst habe.

Ursprünglich als Pilotprojekt geplant, startete die beklagte Apothekerin Cordula Niemeyer im Mai des vergangenen Jahres die bundesweit erste Pick-up-Kooperation in ihren beiden Apotheken in Elmshorn und Pinneberg: Kunden konnten Rezepte und OTC-Bestellungen in einer der beiden Vor-Ort-Apotheken abgeben und sich ihre Arzneimittel von der niederländischen Versandapotheke in die beiden Apotheken oder direkt nach Hause liefern lassen. Für die Bestellung in den Niederlanden erhielten die Kunden einen Bonus von bis zu 15 Euro pro Rezept.

Gegen das Modell hatte die Wettbewerbszentrale vor dem Landgericht Itzehoe geklagt. Die Beklagtenseite reagierte aber weder auf den Schriftsatz, noch erschien sie zum Verhandlungstermin. Darin sieht der Vorsitzende des Hamburger Apothekervereins, Dr. Jörn Graue, ein untrügerisches Indiz, dass der Celesio-Mutterkonzern sein DocMorris-Konzept bereits still und leise aufgegeben hat: "Sonst hätte Celesio seine DocMorris-Apothekerin in diesem juristischen Präzedenzfall mit Sicherheit unterstützt", so Graue gegenüber der Apotheker Zeitung.

Bis Ende März reiner Tisch mit DocMorris?

In der Tat könnte diese ein Anzeichen für den Kurswechsel bei Celesio sein. Kurz nach seinem Amtsantritt hatte der neue Celesio-Vorstandvorsitzende, Markus Pinger, angekündigt, das "Kriegsbeil" mit den Apothekern zu begraben und das "Rote Tuch" DocMorris aus der Welt zu schaffen. Wie das geschehen soll, wusste Pinger letzten Oktober noch nicht – nur so viel: "Diesen Konflikt werden wir bis Ende 2012 lösen." Über einen kompletten oder Teilverkauf der Marke DocMorris wurde seitdem nachgedacht.

Auch andere Lösungen wurden in Betracht gezogen. Die Entscheidung steht noch aus. Intern hat sich Celesio aber ein Zeitlimit zur Lösung des DocMorris Themas gesetzt. Bis zur Präsentation der Celesio-Bilanz Ende März will Pinger mit DocMorris reinen Tisch machen. Der zu diesem Anlass geplante Blick in eine rosigere Celesio-Zukunft soll nicht vom DocMorris- Schatten verdunkelt werden.

Aber die DocMorris-Lösung ist nicht einfach. Seit der Ankündigung der Regierungskoalition, den Rx-Boni-Vorteil ausländischer Versandapotheken im Rahmen der AMG-Novelle zu kappen, steht das Geschäftsmodell infrage. Zudem steht das höchstrichterliche Urteil des Gemeinsamen Senats des Bundesgerichtshofes noch aus. Die unklare Rechtslage erleichtert die Suche nach einer DocMorris-Lösung sicher nicht.

Hamburgs Apothekerverein-Vorsitzender Graue hat für Pinger daher einen guten Rat parat: Celesio sollte das DocMorris Versandgeschäft aufgeben. Graue: "Dafür wäre jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen." Als lockere Apothekenkooperation könne DocMorris fortgeführt werden. "Es gibt ja auch andere Kooperationen, mit denen wir uns dem Wettbewerb stellen. Und Gehe würde sich sicherlich freuen, dass dieser Stachel aus dem Fleisch gezogen würde", so Graue.



AZ 2012, Nr. 4, S. 1

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