Gesundheitspolitik

CDU setzt auf "rollende Apotheken"

Leitantrag sorgt für Wirbel

Berlin (lk/jz). Die CDU denkt über weitere Wege zur Sicherstellung der Arzneimittelversorgung nach, besonders auf dem Land: Neben den Vor-Ort-Apotheken und dem Versandhandel könnten dort künftig "rollende" Apotheken als mobile Lösungen den Arzneimittelvertrieb gewährleisten. Das geht aus einem am 27. August vom CDU-Bundesvorstand auf den Weg gebrachten Leitantrag für den Bundesparteitag Anfang Dezember hervor.
Rollende Apotheke – Zukunftsvision der CDU.Foto: BilderBox, Bildmontage: AZ

Unter der Überschrift "Wie Deutschland mobil bleibt" macht sich die CDU-Zentrale im Konrad-Adenauer-Haus in ihrem Leitantrag angesichts einer schrumpfenden Bevölkerung unter anderem Gedanken über die Mobilität und die Versorgung der Bürger auf dem Lande. "Aber auch in den Gegenden, wo die Bevölkerungszahl zurückgeht, wollen wir die Mobilität sicherstellen. Wir wollen, dass diese Regionen auch bei sinkender Einwohnerzahl – mit weniger Schul- und Ausbildungsverkehr und immer mehr mobilen älteren Menschen – lebenswert bleiben", heißt es dort – so weit so gut und unproblematisch.

Es folgen "bewährte" Beispiele: Bürger- und Anrufbusse oder Busse, die neben Personen auch Fahrräder oder Pakete transportieren. Es gebe Mitfahrgelegenheiten, die über das Internet buchbar seien, sowie "rollende Verkaufsläden, Apotheken und Banken". Rechtliche Grundlagen und Finanzierung für all dies müssten gesichert und hemmende Vorschriften "konsequent geändert oder gestrichen" werden. Auf AZ-Nachfrage erläuterte die CDU-Parteizentrale, die CDU Deutschlands reagiere damit auf den demografischen Wandel in strukturschwachen ländlichen Gebieten. "Wir wollen eine gleichwertige Versorgung mit Arzneimitteln und Medikamenten und eine qualifizierte Beratung durch Apotheker/innen vor Ort." Es sei dabei eine Möglichkeit, verstärkt auf mobile Lösungen zu setzen – auch auf neue Konzepte.

ABDA: Keine Lösung

Die ABDA reagierte auf die CDU-Idee zunächst irritiert: "‘Suche Approbierten mit Busführerschein – die Stellenanzeige der Zukunft?" Fest stehe zwar, dass es in ländlichen Regionen in absehbarer Zeit zu großen Versorgungslücken kommen werde, erklärte ABDA-Sprecher Florian Martius. Insofern seien sicher auch kreative Ideen gefragt, wie man die Menschen dort in Zukunft gut versorgt. "Aber: Busse lösen das Problem nicht. Es muss ja garantiert sein, dass die Versorgung sicher bleibt." Bei der Sicherheit der Patienten müssten diese sich darauf verlassen können, dass nicht mit zweierlei Maß gemessen werde. "Der beste Weg ist deshalb, die Apotheken auf dem Lande so auszustatten, dass sie dort existieren können."

Spahn: Ein Denkanstoß

Der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn arbeitete am neuen Leitantrag zwar selbst nicht mit – begrüßt die Überlegung der CDU-Parteizentrale dennoch: In manchen sehr ländlichen Regionen Deutschlands werde künftig viel Kreativität erforderlich sein, um die medizinische Versorgung sicherzustellen, erklärt er. Es gebe Landstriche, da lohne es sich für einen Arzt oder Apotheker allein wegen der geringen Bevölkerungszahl nicht, sich niederzulassen. "In einem solchen Fall können auch rollende Apotheken denkbar sein. Ich jedenfalls finde es ok, wenn die Partei hier Denkanstöße gibt." Bis zum Bundesparteitag der CDU am 4. und 5. Dezember 2012 in Hannover wird der Leitantrag allerdings noch zahlreiche Diskussionen in den CDU-Landesverbänden durchlaufen.



AZ 2012, Nr. 36, S. 1