Management

Schon jetzt an nachher denken

Mit der Suche nach einem Nachfolger rechtzeitig beginnen

Wer sich zu spät mit dem Thema Nachfolgeregelung befasst, hat das Nachsehen: Im schlimmsten Fall muss die Apotheke geschlossen werden. Deshalb sollten sich Apothekeninhaber schon dann über die Zukunft ihrer Apotheke Gedanken machen, wenn sie noch etliche Berufsjahre vor sich haben.

Der akute Mangel an geeigneten Nachfolgern bringt derzeit etliche Apothekenleiter in Bedrängnis. Im schlimmsten Fall muss die Apotheke geschlossen werden und die Mitarbeiter müssen sich einen neuen Arbeitsplatz suchen. Sich angesichts dieser Situation in Ruhe darüber Gedanken zu machen, wie es nun mit der Apotheke weitergehen soll, ist der denkbar schlechteste Zeitpunkt. Vor allem dann, wenn der Apothekeninhaber "eigentlich" schon viel früher in den wohlverdienten Ruhestand gehen wollte und nur noch weitermacht, weil er nicht aufhören "kann".

Attraktiv für Nachfolger

Das Sprichwort "Man soll dann aufhören, wenn es am schönsten ist", trifft die Sache auf den Punkt: So lässt sich für eine gut gehende, top geführte, modern ausgestattete Apotheke gegenüber eines Ärztehauses mit Parkplätzen viel leichter ein Nachfolger finden, als für einen Betrieb, bei dem wichtige Modernisierungen aufgeschoben wurden, sich das Ergänzungssortiment auf das Allernötigste beschränkt und die älteren Stammkunden nach und nach wegsterben.

Nicht zuletzt stellt sich auch die Frage, ob die Apotheke verkauft werden soll oder ob der Senior vielleicht einen Jungapotheker einstellt und ihm nach und nach das Ruder übergibt: Für letztere Lösung ist bei Weitem nicht jeder Unternehmer geeignet. Vor allem in Familienunternehmen gibt es genügend Beispiele, bei denen der Senior nicht loslassen kann, dem Juniorchef ständig reinredet und sämtliche Neuerungen blockiert. Wer diesem Typ angehört, sollte ehrlich zu sich sein und wissen, dass es hier nur eine Lösung gibt: Einen harten Schnitt machen, alle Formalitäten sauber regeln – und dann am besten die Apotheke verkaufen.

Mit den Mitarbeitern reden

So manch einem Apothekeninhaber fällt es auch schwer, mit den Mitarbeitern über dieses Thema zu reden. Doch wer notwendige Gespräche auf die lange Bank schiebt und die Angestellten erst in letzter Sekunde darüber informiert, dass die Apotheke verkauft oder geschlossen werden muss, handelt unverantwortlich. Viel besser und vertrauenswürdiger ist es, sich zunächst über die eigenen Pläne klar zu werden und dann die Lösung, für die man sich entschieden hat, schriftlich zu fixieren. Anschließend wird die Entscheidung den Mitarbeitern erläutert.

Kompetente Beratung

Bei diesem Prozess bietet es sich an, Berater hinzuzuziehen, die ausschließlich in der Branche tätig sind und sich auf das Thema Nachfolge spezialisiert haben. Um sicherzugehen, einen kompetenten Berater gefunden zu haben, sollte man sich Referenzen geben lassen.

Wichtig ist, dass wirklich alle Punkte angesprochen und geklärt werden, die zur Nachfolgeregelung gehören. Dazu gehören neben steuerlichen und arbeitsrechtlichen Fragen auch "weiche" Themen, wie etwa die Kommunikation mit den Mitarbeitern und Kunden.

Sinnvoll ist es, sich schon früh ein Bild darüber zu machen, was die eigene Apotheke überhaupt wert ist – beziehungsweise welchen Verkaufserlös man derzeit für sie erzielen könnte. Zum Vergleich kann man hin und wieder im Internet nach Angeboten googeln, um zu sehen, wie andere Objekte derzeit gehandelt werden. Das kann ein Schock sein – andererseits auch ein Anstoß, zu investieren. Wer in zehn Jahren aufhören will und Modernisierungen aufschiebt, wird den Marktwert seiner Apotheke nur noch weiter verringern und sie am Ende für einen Spottpreis abgeben oder gar verschenken müssen – beziehungsweise viel länger arbeiten, als man eigentlich vorhatte.

Im Idealfall wissen Apothekenleiter zu jeder Zeit, wo sie gerade stehen. Eine regelmäßige Bestandsaufnahme – zumindest halbjährlich – hilft, offen und ehrlich zu analysieren, wo die Stärken und Schwächen liegen, wo Handlungsbedarf besteht und wo man sich hinentwickeln will.

Geeignete Nachfolger suchen

Mögliche Nachfolger können extern, aber auch unter den eigenen Mitarbeitern gefunden werden. Wer bereits jetzt einen guten Stellvertreter im Team hat, kann beispielsweise in verschiedenen Situationen testen, wie er sich verhält, wenn er allein das Ruder übernimmt.

Sicherlich scheuen manche Menschen die Selbstständigkeit oder trauen sich schlichtweg nicht zu, allein eine Apotheke zu führen. Deshalb sollte man mit ihnen behutsam darüber sprechen, wenn man sich sicher ist, einen geeigneten Nachfolger zu kennen.

Weiterbildungen im Bereich Betriebsführung, Mitarbeiterführung, Management, aber auch Marketing können helfen, den betreffenden Mitarbeiter zu motivieren – und dienen gleichzeitig dazu herauszufinden, ob er wirklich geeignet ist und den nötigen Mut aufbringt. Ist er begeistert und hochmotiviert, können Weiterbildungen sein Selbstvertrauen stärken und ihn ermuntern, den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen.

Wer als Apotheker gut mit Menschen umgehen kann – und es auch zulässt, dass diese mal etwas anders machen als man selbst – kann hier durchaus einen fließenden Übergang wählen, sich immer weiter zurückziehen und bei Bedarf als Berater noch eine Zeitlang zur Verfügung stehen. Irgendwann ist es aber auch an der Zeit, loszulassen. Wer mit Ende 70 noch jeden zweiten Tag in "seiner" Apotheke vorbeischaut, sollte sich fragen, ob das wirklich nötig ist – und ob es nur reine Höflichkeit ist, dass er dort noch so freundlich empfangen wird.

Auch muss jeder Apotheker, der sein Unternehmen übergibt, akzeptieren, dass es sich auch nach seinem Ausscheiden weiterentwickelt – und möglicherweise in eine andere Richtung und in einem anderen Stil. Das ist oft sogar notwendig, um sich im Wettbewerb zu behaupten. Auch diese Veränderung sollte man akzeptieren und für sich mit einplanen.

Übergabeziel festlegen

Damit die geplante Übergabe glücklich verläuft, sollten sich Apothekeninhaber frühzeitig darüber klar werden, welche Ziele sie haben und wie ihre Prioritäten sind. Mögliche Übergabeziele können sein:

  • Der Bestand des Unternehmens muss gesichert werden. Schließlich ist jedes Unternehmen eine Investition, in die sowohl materieller, als auch immaterieller Aufwand gesteckt werden. Deshalb sollte sich dieser Aufwand auch auszahlen, wenn man sein Lebenswerk übergibt.

  • Die Arbeitsplätze sollen erhalten werden.
  • Eine angemessene Altersversorgung muss gewährleistet sein.
  • Die Nachfolgeregelung sollte steuerlich und erbrechtlich möglichst günstig sein.
  • Die Übergabe muss für beide Seiten attraktiv sein – sowohl für den ausscheidenden Apotheker, als auch den Nachfolger. So darf sich der Nachfolger finanziell nicht übernehmen, wenn er beispielsweise einen hohen Kaufpreis bezahlt und dann noch enorme Investitionen für Modernisierung und Marketing erforderlich sind.

Gemeinsam umsetzen

Im Idealfall bekommt der Nachfolger frühzeitig wichtige Bereiche der Apothekenführung übertragen, die er selbstständig verantwortet. Möglicherweise ist dies sogar ein Gewinn: Lag die Stärke des Seniors beispielsweise mehr im fachlichen Bereich als in der Mitarbeiterführung, kann ein Nachfolger, der in diesem Bereich geschult ist und außerdem vom Alter her den Mitarbeitern näher ist, sogar zu einem besseren Betriebsklima beitragen und die Motivation und den Arbeitseinsatz der Angestellten erhöhen.

Ist es dem Senior wichtig, dass der Geist und die Philosophie seines Unternehmens erhalten bleiben, sollte er bei seinem Nachfolger besonders auf die menschlichen Eigenschaften achten. Da kann es sich lohnen, schon ein paar Jahre vorher nach einem möglichen Nachfolger zu suchen beziehungsweise dies im Hinterkopf zu behalten: Möglicherweise trifft man gerade dann den oder die Richtige, wenn man gar nicht damit rechnet – und noch genügend Zeit hat, alles in Ruhe zu regeln und die Formalitäten zu klären.

Fazit: Wer sich frühzeitig mit dem Thema Nachfolge befasst, nimmt dem Thema nicht nur den Schrecken. Er hat auch die besseren Chancen, den geeigneten Nachfolger zu finden, damit das Lebenswerk auch weiterhin erfolgreich fortgeführt wird.


Regina Mittenhuber, Fachjournalistin und Autorin für Vertrieb und Unternehmensführung in Kevelaer



AZ 2012, Nr. 35, S. 6

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