Gesundheitspolitik

IKK classic schreibt Rabattverträge aus

Detaillierte Vorgaben sollen es Apotheken leichter machen – auch KKH-Allianz startet neue Rabattrunde

Berlin (ks). Rabattverträge wohin man schaut: Die größte deutsche Innungskrankenkasse, die IKK classic, hat vergangene Woche Wirkstoffe in 157 Fachlosen ausgeschrieben. Bis zum 24. August können Hersteller und Bietergemeinschaften ihre Angebote abgeben. Die Kasse gibt für jedes Fachlos die jeweils verlangten Wirkstärken-Normpackungsgrößen-Kombinationen vor – mitbieten können aber auch Unternehmen, die nicht die ganze Bandbreite im Sortiment haben. Auch die KKH-Allianz hat eine neue Ausschreibung veröffentlicht.

49 der 157 Fachlose will die IKK Classic exklusiv an einen Bieter oder eine Bietergemeinschaft vergeben. Für die übrigen Fachlose sucht sie maximal drei Rabattpartner. Für ihre 3,6 Millionen Versicherten hat die Kasse zahlreiche häufig verordnete Substanzen ausgeschrieben, etwa Diclofenac, Metformin, Metoprolol, Omeprazol, Pantoprazol und Simvastatin. Aber auch für selten abgegebene Wirkstoffe werden pharmazeutische Unternehmen als Partner gesucht. Starten werden die Verträge voraussichtlich am 1. Januar 2013 – sie sollen zwei Jahre laufen.

Die IKK Classic zeigt sich bemüht, den Apotheken "möglichst wenig Probleme" zu bereiten. So soll etwa vermieden werden, dass unterschiedliche N-Packungen des gleichen Wirkstoffs an unterschiedliche Unternehmen vergeben werden. Dennoch ist es nicht zwingend, dass ein Hersteller, der mitbieten möchte, sämtliche Kombinationen im Angebot hat. Auch wer beispielsweise nur für eine N3-Packung einen Preisnachlass bietet, kann einen Zuschlag erhalten. Dies setzt aber ein aus Kassensicht so gutes Rabattangebot voraus, dass es für diese immer noch wirtschaftlicher ist, auf Rabattverträge über die anderen Packungsgrößen zu verzichten, als ein anderes Unternehmen zu bezuschlagen, das für alle Normgrößen bietet.

Extra-Los für Metoprolol Retard mit ZOK

Bei den einzelnen Losen finden sich weitere Besonderheiten. So ist beispielsweise Metoprolol in vier Lose aufgeteilt: Für Metoprololtartrat gibt es zum einen ein Los für Tabletten inklusive Film- und Lacktabletten. Zwei weitere Fachlose gibt es für Retard-Tabletten: einmal mit und einmal ohne ZOK (zero order Kinetik) – denn hier sollte keinesfalls unbedacht zwischen den verschiedenen Retardformen ausgetauscht werden. Zu guter Letzt sind auch Metoprololsuccinat Retard Tabletten ausgeschrieben.

Auch bei der Substanz Doxazosin gibt sich die IKK Classic patientenorientiert. Da nicht alle Hersteller ihr Arzneimittel mit diesem Wirkstoff in allen denkbaren Indikationen zugelassen haben, sorgte die Substanz – bzw. ihr Beipackzettel – immer wieder für Irritationen beim Austausch in der Apotheke. Künftig soll sich eine Bluthochdruckpatientin nicht wundern müssen, warum sie ein Medikament zu Behandlung einer Prostatavergrößerung verordnet bekommen hat. Innerhalb dieses Fachloses werden daher Angebote sowohl für Anbieter mit der Zulassung "Hypertonie" als auch solche mit der Zulassung für "benigne Prostatahyperplasie" gesucht.

126 Fachlose bei der KKH-Allianz

Auch die KKH-Allianz sucht Rabattpartner: Sie hat insgesamt 126 Lose ausgeschrieben – für 61 von ihnen sucht sie einen exklusiven Rabattpartner. Für die anderen 65 Lose will sie mit jeweils drei pharmazeutischen Unternehmen zusammenarbeiten. Die Verträge über die Wirkstoffe/Wirkstoffkombinationen sollen ab Auftragsvergabe 26 Monate laufen. Sie sollen überwiegend zum 1. November 2012 starten – nur die Verträge über die Wirkstoffe Amiodaron, Glimepirid und Lansoprazol beginnen am 1. Dezember 2012. Hersteller können bis zum 17. August Gebote abgeben.

Erst zum 1. Juli sind neue Rabattverträge der rund 1,8 Millionen Versicherte zählenden Kasse über 63 generische Substanzen in Kraft getreten. Zudem hat die Krankenkasse Rabattverträge über einige patentgeschützte Medikamente – zumeist HIV-Therapeutika – mit Arzneimittelimporteuren abgeschlossen.



AZ 2012, Nr. 28, S. 3