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"Wir geben Ihnen eine Tüte!"

Die "Arznei-Sicherheits-Tüte" als Beratungs-Service

NEUMARKT/Opf (diz). Wie macht man Apothekenkunden auf das Thema möglicher Wechselwirkungen von Arzneimitteln aufmerksam? Wie kann man dem Patienten in der Apotheke augenfällig vermitteln, dass die Apotheke die Beratungskompetenz hat, Wechselwirkungen zu checken und zu allen Fragen rund um Arzneimittel zu beraten? Apothekerin Margit Schlenk aus Neumarkt in der Oberpfalz hatte eine Idee: sie entwarf die Arznei-Sicherheits-Tüte.

Sie ließ eine etwa 33 x 22 cm große weiße Papiertüte mit einem Text bedrucken, der auf das Angebot der Apotheke hinweist, die gekauften und bereits vorhandenen Arzneimittel einer Überprüfung auf Wechselwirkungen zu unterziehen. Gleichzeitig macht der Text auf den Beratungsservice der Apotheke zu Arzneimittelfragen (richtige Einnahme, Reichweite der Medikamente, richtige Lagerung etc.) aufmerksam. Mit dem Arzneimittel-Check, der im Rahmen der Arzneimittelberatung gratis geleistet wird, erhält der Kunde das Angebot, zweimal im Jahr einen "ApothekerSicherheitsNewsletter" (ASN) aus der Apotheke zu beziehen, der beispielsweise Neuerungen im Bereich der Nahrungsergänzungsmittel zusammenfasst und dem Kunden helfen soll, sich im Dickicht der Informationen und Angebote zurechtzufinden, Für diesen zusätzlichen Service verlangt die Apotheke 9,95 Euro.

Auf der Arznei-Sicherheits-Tüte findet der Patient außerdem gleich einen Antrag für eine Kundenkarte.

Die Idee zur Arznei-Sicherheits-Tüte kam Frau Schlenk auf der Heimfahrt von einem Wochenendworkshop zur Pharmazeutischen Betreuung. "Unsere Überlegung war", so die Apothekerin aus Neumarkt, "wie kann man die Stellung des Apothekers als Arzneimittelfachmann breit darstellen? Wie kann man die Zeit, bis das ABDA-KBV-Modell läuft, überbrücken und wie kann man das pharmazeutische Personal einbinden und auf dem Gebiet der Interaktionschecks schon heute trainieren?" Als Frau der Praxis, der an einem effizienten Wissenstransfer in die Praxis gelegen ist, kam ihr die Idee mit der Tüte: Sie erinnerte sich an die "Brown Bag" aus den USA, in die Arzneimittel in den Drugstores eingepackt werden, und kombinierte sie mit Hinweisen zur Arzneimittelsicherheit und auf die Kompetenz des Apothekers. "Wichtig war mir", so Frau Schlenk, "gleich einen Kundenkartenantrag zu integrieren, die Leistung nicht kostenfrei anzubieten und einen weiteren Kontakt zum Patienten zu halten." Dieser Kontakt wird dadurch gewährleistet, dass sich der Patient für den Erhalt des von ihr selbst erstellten und zweimal jährlich erscheinenden Newsletters einschreibt.

Wie erfahren die Kunden von dieser Aktion? "Wir sprechen alle Kunden mit ersichtlicher Dauermedikation aktiv an, wir legen die Tüte in jede Kundenzeitschrift ein und wir haben Annoncen zur Arznei-Sicherheits-Tüte geschaltet. Zudem halte ich viele Vorträge in Seniorenkreisen, beispielsweise einen Vortrag zu ‚Wechselwirkungen von Arzneimitteln‘, und im Anschluss daran verteile ich die Tüte an die Zuhörer", so die Apothekerin.

Und wie ist die Resonanz auf die Tüte? "Die Kundenresonanz ist sehr hoch, etwa 10 bis 15 Prozent der Angesprochenen bringen ihre Arzneimittel in der Tüte zum Check in die Apotheke. Die Kunden erhalten dann eine komplette Übersicht über mögliche Interaktionen, auch mit Nahrungsergänzungsmitteln", erklärt Frau Schlenk. "Wir checken auch, ob Senioren Arzneimittel der Priscus-Liste verordnet bekommen haben, gegebenenfalls nehmen wir Rücksprache mit dem Arzt. Das Ergebnis des Checks halten wir mittels standardisierten Erfassungsbögen der ABDA zum Medikationsmanagement fest und dokumentieren so das Ergebnis. Die 9,95 Euro, die wir verlangen, sind aber nicht das Honorar für den Arzneicheck, sondern das Entgelt für den zweimal im Jahr erscheinenden ‚ApothekerSicherheitsNewsletter’." Wie Frau Schlenk auf Nachfrage bestätigte, wird das Entgelt dafür ohne Probleme bezahlt: "Der Nutzen für den Patienten ist offensichtlich."

Das Konzept der Arznei-Sicherheits-Tüte stellt Frau Schlenk auch gerne interessierten Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung. Bisher arbeiten bereits zwölf Kollegen damit. Die Tüten können in einer Menge von 5000 oder 10.000 Stück (795 Euro bzw. 1300 Euro zzgl. MwSt. und Versandkosten) bei Frau Schlenk bestellt werden (margit.schlenk@odn.de). Die nächste Auflage wird im Mai erfolgen (Bestellschluss 30. April). Jeder Bestellung liegt eine Mappe bei mit einer Anleitung für das teilnehmende Team, einer Übersicht über die häufigsten Interaktionen und Formblätter zum Eintragen der aufgedeckten Interaktionen.



AZ 2012, Nr. 13, S. 7

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