Arzneimittel und Therapie

Quadrupel-Therapie gegen Helicobacter pylori

Helicobacter pylori ist ein Krankheitserreger, der sich in der Magenschleimhaut einnistet und dort zu Entzündungen führen kann. Bestimmte Stämme des Bakteriums produzieren unterschiedliche Pathogenitätsfaktoren, die das Risiko für Geschwüre im Magen und Zwölffingerdarm sowie für Magenkrebs erhöhen. Zunehmende Resistenzen gegen das Antibiotikum Clarithromycin führen mittlerweile häufig zu Therapie-Misserfolgen. Mit einer neuen Therapie ist es möglich, das Magenbakterium Helicobacter pylori auch dann noch zu beseitigen, wenn es gegenüber dem Antibiotikum Clarithromycin resistent ist.
Helicobacter pylori Clarithromycin-resistente Stämme von H. pylori lassen sich mit einer neuen Quadrupel-Therapie aus einem Protonenpumpenhemmer und einer Medikamenten-Kombination bestehend aus Wismutsalz und den beiden Antibiotika Metronidazol und Tetracyclin besser eradizieren als mit der standardmäßigen Tripel-Therapie. Foto: Abbott GmbH, Wiesbaden

Helicobacter pylori ist ein gramnegatives, spiralig gekrümmtes Stäbchenbakterium. Der mikroaerophile Keim kann den menschlichen Magen besiedeln; eine Infektion mit dem Bakterium kann zu verschiedenen Erkrankungen des Magens und Zwölffingerdarms führen. Eine chronische Infektion mit H. pylori ist ein Risikofaktor für die Entstehung des Magenkarzinoms. In Deutschland sind schätzungsweise 33 Millionen Menschen mit H. pylori infiziert. In Entwicklungsländern mit geringeren hygienischen Standards und schlechter Gesundheitsversorgung können es bis zu 80% sein. Durch eine verbesserte Hygiene und Therapiemöglichkeiten konnte die Zahl der Infektionen in den Industriestaaten hingegen deutlich gesenkt werden.

Viererkombi erfolgreicher als Tripel-Therapie

Die standardmäßige Eradikation von Helicobacter pylori besteht derzeit aus einer Kombination von drei Komponenten – eines Protonenpumpenhemmers und zwei Antibiotika (Amoxicillin und Clarithromycin). Um die Pathogene vollständig aus dem Magen zu entfernen, muss diese sogenannte Tripel-Therapie über sieben Tage konsequent durchgeführt werden, In jüngster Zeit kommt es allerdings weltweit in bestimmten Regionen zu einer Zunahme von Resistenzen vor allem gegenüber dem Makrolidantibiotikum Clarithromycin. Als Grund für diese erhöhte Resistenzrate wird die häufige Anwendung des Antibiotikums als Monotherapie bei Infektionen der Atemwege und des Hals-Nasen-Ohren-Bereiches, aber auch mangelnde Compliance während der Therapie genannt. In einer randomisiert kontrollierten Open-label-Studie sollte jetzt die standardmäßig eingesetzte Tripel-Therapie mit einer neuartigen Quadrupel-Therapie verglichen werden. An ihr nahmen 440 Männer und Frauen im Alter von über 18 Jahren teil. Alle Patientinnen und Patienten litten vor der Behandlung nachweislich unter Magenschleimhautentzündungen. Die Quadrupel-Therapie bestand in einer zehntägigen Therapie mit dem Protonenpumpenhemmer Omeprazol und einer Wirkstoffkombination, die aus Wismutsalz und den beiden Antibiotika Metronidazol und Tetracyclin bestand. Als Novum wurden die drei Medikamente in einer Kapsel appliziert. Die Wissenschaftler unter Führung des Magdeburger Mediziners Peter Malfertheiner konnten nachweisen, dass das pathogene Bakterium bei 80% der mit der Quadrupel-Therapie behandelten Probanden entfernt wurde. Bei der standardmäßigen Tripel-Therapie waren es dagegen lediglich 55%. Die Zahl der unerwünschten Wirkungen war vergleichsweise nicht erhöht. Als First-line-Therapie sollte nach Ansicht der Wissenschaftler gerade in Regionen mit einer hohen Resistenzrate gegenüber Clarithromycin das Quadrupel-Therapieschema zur Eradikation von Helicobacter pylori der Tripel-Therapie vorgezogen werden.


Quelle

Malfertheiner, P.; et al.: Helicobacter pylori eradication with a capsule containing bismuth subcitrate potassium, metronidazole, and tetracycline given with omeprazole vs clarithromycin-based triple therapy. Lancet 2011; doi:10.1016/S0140-6736(11) 60020-2 vom 22. Februar 2011.


Dr. Hans-Peter Hanssen



DAZ 2011, Nr. 9, S. 40