Arzneimittel und Therapie

Neue Behandlungsstrategien gegen Prostatakarzinome

Die vielfach eingesetzte Hormontherapie zur Behandlung des Prostatakarzinoms ist häufig nur begrenzt erfolgreich, da die Krebszellen den Androgenrezeptor nach einer bestimmten Zeit über den Botenstoff Interleukin 6 (IL-6) dennoch aktivieren können. Eine neue Therapiestrategie besteht darin, die Aktivität von Interleukin 6 direkt auszuschalten. In einer Phase-I-Studie konnte die Aktivität des Botenstoffs mit dem Interleukin-6-Antikörper Siltuximab herunterreguliert und die Apoptose so erhöht werden.
Prostatakrebs ist inzwischen die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Therapieoptionen sind Operation (Prostatektomie), Bestrahlung und Hormonblockade, gegebenenfalls in Kombination. Eine neue Therapiestrategie mit dem monoklonalen Antikörper Siltuximab, mit dem die Funktion des Botenstoffes Interleukin 6 vor der radikalen Entfernung der Prostata niederreguliert wird, zeigt erste vielversprechende Ergebnisse. Foto: Westdeutsches Prostatazentrum

Das Prostatakarzinom ist eine maligne Tumorerkrankung, die vom Drüsengewebe der Vorsteherdrüse ausgeht. In Deutschland ist das Prostatakarzinom die häufigste diagnostizierte Krebserkrankung und nach Bronchialkarzinom und kolorektalem Karzinom dritthäufigste tödliche Krebserkrankung des Mannes. Die jährliche Mortalität liegt bei etwa 11.000 Fällen. Eine Behandlung mit Aussicht auf Heilung ist nur möglich, wenn das entartete Gewebe die Organgrenzen noch nicht überschritten hat und keine Metastasen vorliegen. Therapeutische Optionen sind eine radikale Prostatektomie (Operation mit kompletter Entfernung der Prostata), Strahlentherapie, Hormontherapie und in manchen Fällen die Chemotherapie. Eine Entscheidung zur Art der Behandlung ist schwierig und vom Einzelfall abhängig.

Monoklonaler IL-6-Antikörper Siltuximab

Bei der Entwicklung eines Prostatakarzinoms kommt den männlichen Sexualhormonen (Androgenen) eine Schlüsselrolle zu. Entartete Zellen in der Prostata benötigen zur Stimulation ihres ungebremsten Wachstums den Androgen-Rezeptor. Um diesen Androgen-Rezeptor in den Tumorzellen abzuschotten und somit das unkontrollierte Zellwachstum zu hemmen, werden seit den 1960er Jahren Hormone eingesetzt. Diese "Antiandrogen-Therapie" kann allerdings von den Krebszellen nach einiger Zeit umgangen werden. Sie wirkt nur begrenzt, da die entarteten Zellen in der Lage sind, durch das bei Entzündungsprozessen wichtige Zytokin Interleukin 6 (IL-6) den Androgen-Rezeptor dennoch zu aktivieren. Eine neue Therapiestrategie besteht daher darin, die Aktivität des IL-6 direkt auszuschalten. Damit erhofft man sich auch eine Abschaltung der Aktivierung des Androgen-Rezeptors. Der Interleukin-6-Antikörper Siltuximab (CNTO 328) des US-Unternehmens Centocor zeigt nach den ersten Resultaten einer klinischen Phase-I-Studie Erfolg versprechende Ergebnisse. Bei 20 Patienten im Durchschnittsalter von rund 62 Jahren konnte durch die intravenöse Gabe des neuen Antikörpers die Funktion des Botenstoffes Interleukin 6 vor der Prostatektomie herunterreguliert und die Apoptose so erhöht werden.

Die Autoren gehen davon aus, dass der monoklonale Antikörper Siltuximab grundsätzlich das Potenzial hat, Entzündungen zu hemmen und das Wachstum von Tumoren zu verhindern.


Quelle

Karkera, J.; et al.: The Anti-interleukin-6 Antibody Siltuximab Down-regulates Genes Implicated in Tumorigenesis in Prostate Cancer Patients from a Phase I Study. The Prostate 2011, Vorabpublikation DOI: 10.1002/pros.21362 vom 14. Februar 2011.


Dr. Hans-Peter Hanssen



DAZ 2011, Nr. 8, S. 36

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