Selbstmedikation

Alzheimer-Schutz durch hochdosierten Ginkgo

Die Einnahme des Ginkgo-biloba-Spezialextraktes EGb 761® (Tebonin®) kann das Risiko, an einer Alzheimer Demenz zu erkranken, reduzieren. Die Ergebnisse der doppelblind placebokontrollierten Studie GuidAge zeigen, dass bei Einnahme des Spezialextraktes über mindestens vier Jahre und guter Compliance das Risiko für das Entstehen von Alzheimer um 47% vermindert werden kann.
Wieder etwas vergessen? Ginkgo-Extrakt kann möglicherweise den Übergang zu einer Demenz verzögern. Dafür lieferte die GuidAge-Studie Hinweise, in der bei den älteren Menschen, die vier Jahre einen Ginkgo-Extrakt einnahmen, die Demenzrate signifikant niedriger war als mit Placebo.   Foto: Ingo Bartussek – Fotolia.com

An der französischen GuidAge-Studie nahmen 2854 Probanden mit einem Mindestalter von 70 Jahren teil. Das Durchschnittsalter betrug 76,8 Jahre. Eingeschlossen wurden Menschen, die bei ihren Hausärzten über Gedächtnisprobleme geklagt hatten, die jedoch noch keine auffälligen Defizite im Mini-Mental-Status-Test zeigten. Die Studienteilnehmer erhielten randomisiert 240 mg EGb 761® /Tag oder Placebo. Es zeigte sich, dass der Ginkgo-biloba-Spezialextrakt das Risiko, an einer Alzheimer-Demenz zu erkranken, bei Patienten, die regelmäßig über mehrere Jahre den Extrakt einnahmen, reduzieren kann. Nach mindestens vierjähriger Behandlung war der Therapievorteil statistisch signifikant.

Ginkgoextrakt schützt neuronale Mitochondrien

Wie der Ginkgo-Extrakt einer Demenz entgegenwirken soll, wird in Zellkultur-Versuchen untersucht. Diskutiert werden Hinweise auf eine Schutzwirkung des Spezialextraktes EGb 761® auf neuronale Mitochondrien. Ginkgoinhaltsstoffe wirken als direkte Radikalfänger, schützen die neuronalen Mitochondrien und verbessern deren Funktion. Damit soll eine Verbesserung des Energiestoffwechsels im ZNS gewährleistet werden. Die Einnahme von Ginkgo-biloba-Spezialextrakt kann Alzheimer-typische Plaques im Gehirn reduzieren und Zellfunktionen wieder herstellen. Deswegen wird der Spezialextrakt EGb 761® als frühzeitig verabreichte Alternative bzw. Beigabe zu Cholinesterasehemmern diskutiert. Die Ergebnisse der GuidAge-Studie lassen vermuten, dass bei ausreichend hoher Dosierung (240 mg pro Tag) und langer Einnahmedauer Ginkgo-Extrakt Alzheimer-präventiv wirksam ist. Bereits beim Auftreten von mild-moderaten Dysfunktionen in Gedächtnis- und Konzentrationsleistung kann Ginkgo eingenommen werden, zumal die Einnahme praktisch nebenwirkungsfrei ist. Im Frühstadium bleibt die Alzheimer-Demenz oft unbemerkt. Zu den ersten Symptomen gehören uncharakteristische Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis, Konzentrations- und Orientierungsschwierigkeiten. Das Fortschreiten der Krankheit wäre aber bei früher Diagnose und eingeleiteter Therapie zu verlangsamen. Die Betroffenen leugnen allerdings oft das Problem. Während des Symposiums wurde diskutiert, wie mit dem negativ besetzten Begriff Demenz in der Praxis dem Kunden gegenüber umgegangen werden kann, so dass der Patient vertrauensvoll die Ratschläge und Therapievorschläge des Apothekers annehmen kann. Weiterhin sollte ein Augenmerk auf die Angehörigen gelegt werden, die oftmals sehr sensibel die frühen Symptome und Veränderungen bei den Betroffenen erkennen können. Daneben empfahl Prof. Dr. Walter E. Müller bei auftretenden Störungen des Gedächtnisses im Kurzzeitbereich oder bei Wortfindungsschwierigkeiten eine Absprache mit dem Hausarzt oder gegebenenfalls mit sogenannten Memorykliniken oder in Gedächtnissprechstunden. Eine Liste solcher Spezialeinrichtungen ist im Internet unter www.hirnliga.de abrufbar.


Quelle

Prof. Dr. Walter E. Müller, Frankfurt; Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Frankfurt; Prof. Dr. Siegfried Kasper, Wien; Dr. Kristina Leuner, Frankfurt; Prof. Dr. Anne Eckert, Basel; Prof. Dr. Ralf Ihl, Krefeld: "EGb 761® im Blickpunkt der ZNS-Forschung", Frankfurt, 22. Oktober 2010, veranstaltet von der Willmar Schwabe GmbH, Karlsruhe.


Ramona Bergbauer, Medizinjournalistin



DAZ 2011, Nr. 6, S. 58

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