Praxis

Interaktionsgefahr durch Nahrungsergänzungsmittel?

Eine Patientin bittet um Prüfung ihrer Medikation auf Wechselwirkungen. Sie nimmt folgende Präparate ein:

– Simvastatin 10 mg (abends)

– L-Thyrox Hexal® 50 µg (morgens nüchtern)

– Citalopram 1A-Pharma® 20 mg (½ Tablette zweimal wöchentlich abends)

– Vitacor PlusTM (morgens)

– Macro BalanceTM (morgens)

– MCP Stada® 4 mg/ml (20 Tropfen nicht täglich, nicht regelmäßig)

Wie können Interaktionen vermieden werden?
Die Antwort gibt Apothekerin Sylvia Obermeier, Regionales Arzneimittelinformationszentrum der LAK Baden-Württemberg, Schwarzwald-Baar Klinikum Villingen-Schwenningen

Simvastatin ist ein Arzneimittel, das zur Senkung eines erhöhten Cholesterinspiegels und/oder zur Prävention kardiovaskulärer Ereignisse verschrieben wird und abends eingenommen werden soll. Die Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen (gleichzeitige Nahrungsaufnahme hat keinen Einfluss auf die Aufnahme von Simvastatin). Die Einnahme am Abend wird für Simvastatin als Cholesterinsynthese-Hemmstoff deshalb empfohlen, da die körpereigene Cholesterinproduktion verstärkt in der Nacht erfolgt. Auch wenn Simvastatin im unteren Dosierungsbereich angewendet wird, sollte während der Therapie auf den Genuss von Grapefruitsaft verzichtet werden, da dieser (auch wenn er am Morgen getrunken wird) zu einer erhöhten Wirksamkeit von Simvastatin führen kann. Dies hängt damit zusammen, dass Grapefruitsaft das Enzym CYP3A4 hemmt, das die Verstoffwechslung von Simvastatin katalysiert. Eine mögliche Folge wäre ein verstärktes Auftreten von Nebenwirkungen.

L-Thyroxin ist ein Hormon, das bei Störungen im Schilddrüsenhormonhaushalt verschrieben wird. L-Thyroxin muss nüchtern am besten mit Leitungswasser etwa 30 min vor dem Frühstück eingenommen werden, da Nahrungsbestandteile und auch Tee, Kaffee, Milch und Mineralwässer mit hohem Mineralstoffanteil den Arzneistoff binden und ihn so an der Aufnahme in den Körper hindern können.

Citalopram wird in einer sehr reduzierten Dosis (10 mg, zweimal in der Woche) eingenommen. Das macht durchaus Sinn in der langsamen Einstellungs- oder Ausschleichphase. Die Wirksamkeit der Therapie mit Citalopram lässt sich häufig erst nach zwei bis vier Wochen regelmäßiger Einnahme, mitunter aber auch erst nach drei Monaten in vollem Ausmaß bewerten. Entschließt sich der Arzt für eine Dosisreduktion oder das Absetzen, muss dies langsam und schrittweise über Wochen bis Monate erfolgen, um Absetzphänomene zu verhindern.

MCP-Tropfen werden bei Übelkeit oder Erbrechen angewendet und sollen etwa 15 min vor einer Mahlzeit eingenommen werden. Ungeklärte häufige Übelkeitsepisoden oder Erbrechen sollten allerdings vom Hausarzt abgeklärt worden sein.


Die Antwort kurz gefasst


  • Die Patientin sollte auf die vorschriftsmäßige Einnahme achten, insbesondere die Nüchterneinnahme von L-Thyroxin.

  • Wechselwirkungsgefahr besteht im Zusammenhang mit den in Macro Balance enthaltenen Ballaststoffen und dem Biopolymer Chitosan. Sie lässt sich durch Verschieben der Einnahme auf 30 Minuten vor dem Mittagessen vermeiden.

Nahrungsergänzungsmittel – ein Problem?

Die Patientin nimmt zusätzlich Vitacor Plus und Macro Balance ein.

Vitacor Plus ist eine Vitamin-, Mineralstoff- und Spurenelementkombination. Die Patientin nimmt das Präparat aber nur einmal täglich statt dreimal täglich, wie vom Hersteller empfohlen, so dass eine Überdosierung ausgeschlossen ist. Eine gute Aufnahme der fettlöslichen Vitamine in der Tablette wird durch die Einnahme direkt zu einer Mahlzeit erreicht.

Macro Balance ist eine Kombination aus verschiedenen Ballaststoffen, Chitosan (ein Poly aminosaccharid, das sich vom Chitin ableitet und eine hohe Fettbindungskapazität hat) und Vitamin C. Ein Messlöffel muss in 200 ml Wasser oder Fruchtsaft gerührt werden und 30 min vor einer Mahlzeit eingenommen werden. Die vorgeschriebene Menge Wasser ist wichtig, damit die Ballaststoffe ausreichend quellen und ein natürliches Sättigungsgefühl hervorrufen können. Wichtig ist auch, dass darüberhinaus etwa 2 Liter Flüssigkeit am Tag zugeführt werden. Dies ist für eine verbesserte Darmpassage entscheidend.


Biopolymer L112 und Ballaststoffe


Das Biopolymer L112 (z. B. enthalten in formoline L112) hat unter den Chitosanen die höchste Fettbindungskapazität mit etwa dem 800fachen seiner Eigenmasse. Neben Fetten und fettlöslichen Vitaminen (A, D, E, K) können auch Hormone wie Kontrazeptiva, Schilddrüsenhormone und andere Arzneistoffe gebunden werden. Der Hersteller empfiehlt einen Zeitabstand von mindestens 4 Stunden zwischen der Chitosan-Einnahme und der Einnahme von Arzneimitteln und/oder fettlöslichen Vitaminen.

Ballaststoffe binden mit Hilfe von Flüssigkeit Mikroorganismen, Cholesterin und Gallensäure im Darm. Dies wirkt sich positiv auf den Organismus aus. Sie binden aber auch Mineralstoffe, die ebenfalls ausgeschieden werden. Bei ausgewogener Mischkost stellt das kein Problem dar, bei separater Ballaststoffzufuhr kann längerfristig jedoch ein Mineralstoffmangel auftreten.

Wechselwirkung mit Ballaststoffen

Vitacor Plus und andere Arzneimittel müssen in einem Abstand von etwa einer Stunde zu Macro Balance eingenommen werden, da Fette, fettlösliche Vitamine und möglicherweise Arzneistoffe ansonsten an die Ballaststoffe und Biopolymere gebunden und unverdaut ausgeschieden werden.

Um diese Wechselwirkung zu vermeiden, wird vorgeschlagen, die Einnahme von Macro Balance auf 30 min vor das Mittagessen und die Einnahme von Vitacor Plus auf das Abendessen zu verschieben. Nur so kann zum einen eine uneingeschränkte Wirksamkeit des Arzneimittels L-Thyroxin erreicht werden und zum anderen eine Beeinflussung der Vitaminaufnahme aus Vitacor Plus durch Macro Balance ausgeschlossen werden.

Zur Therapieüberwachung empfiehlt sich bei dieser Therapie eine regelmäßige Kontrolle der Cholesterinwerte (Gesamtcholesterin, LDL und HDL) sowie eine Kontrolle der Schilddrüsenfunktionsparameter (TSH, T3, T4).


Autorin

Apothekerin Sylvia Obermeier

Schwarzwald-Baar-Klinikum

Villingen-Schwenningen GmbH

Vöhrenbacher Str. 23

78050 Villingen-Schwenningen



DAZ 2011, Nr. 50, S. 52

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