Arzneimittel und Therapie

Kinder und Jugendliche mit Grunderkrankungen impfen!

Die Grippeimpfung wird für chronisch Kranke aller Alterstufen, für Schwangere, Senioren über 60 Jahre und Medizinpersonal empfohlen. Infektionsepidemiologen des Robert Koch-Instituts haben jetzt eine Studie mit Daten zu schweren und tödlichen Erkrankungen durch pandemische Influenza (Influenza A (H1N1) 2009) bei Kindern und Jugendlichen vorgelegt. Die Ergebnisse zeigen deutlich mehr schwere Erkrankungen als in den Jahren zuvor und belegen die seit Langem vorliegende Empfehlung der Ständigen Impfkommission für eine Grippeschutzimpfung insbesondere für Kinder mit Grunderkrankungen.
Auch Kinder mit Grunderkrankungen profitieren Eine aktuelle Studie von RKI-Epidemiologen belegt die Dringlichkeit einer Grippeschutzimpfung für Kinder und Jugendliche mit Grunderkrankungen. Die Ergebnisse zeigten deutlich mehr schwere Erkrankungen als in den Jahren zuvor. Foto: Novartis Behring

Die Empfehlung der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) für eine Grippeschutzimpfung gilt vor allem für Risikopersonen (Säuglinge, ältere Menschen über 60 Jahre, chronisch Kranke aller Altersstufen sowie Personen mit geschwächtem Immunsystem, Schwangere), Mitarbeiter im Gesundheitswesen und andere Personen, die häufig mit Kranken in Kontakt kommen. In diesen Gruppen sollte die Impfung forciert und die Durchimpfungsrate auf über 70% gesteigert werden; in Deutschland liegt sie tatsächlich bei Senioren (60 Jahre und älter) unter 50%, bei chronisch Kranken bei etwa 30% und Mitarbeitern im Gesundheitswesen bei nur knapp 25%. Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Prof. Dr. Reinhard Burger, betont, dass eine Impfung durchaus noch sinnvoll sein könne, auch wenn die Influenzawelle bereits begonnen habe. Bei der Aufklärung über die Impfung sollte darauf hingewiesen werden, dass die volle Ausbildung eines Impfschutzes etwa zwei Wochen benötigt.

Chronisch kranke junge Menschen impfen

Beim derzeitig dominierenden Influenza-Virus A/California/7/2009 (H1N1) muss auch bei Jugendlichen und Kindern weiterhin mit schweren Erkrankungen gerechnet werden, wenn Grundkrankheiten vorliegen. Das Team von Infektionsepidemiologen des RKI untersuchte jetzt intensivstationspflichtige und tödliche Fälle von pandemischer Influenza bei jungen Patienten unter 15 Jahren. Für diese Gruppe gab es europaweit bislang kaum wissenschaftliche Daten. Die Wissenschaftler befragten dazu zwischen August 2009 und April 2010 monatlich rund 380 Kinderkliniken. Dabei kooperierten sie mit der Erhebungseinheit für Seltene Pädiatrische Erkrankungen in Deutschland (ESPED) der Universität Düsseldorf, in der alle Kinderkliniken beteiligt sind. Mehr als 80% der ausgeteilten Fragebogen wurden ausgefüllt und zurückgeschickt.

Für die Studie wurden die Angaben zu 93 schwer erkrankten Kindern und Jugendlichen mit nachgewiesenen Influenzainfektionen ausgewertet, 15 (16%) von ihnen sind gestorben. Im selben Zeitraum wurden in Deutschland insgesamt 29 Todesfälle für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren gemeldet, die mit einer Influenza assoziiert waren. Der Unterschied zwischen Studien- und Meldedaten kommt vermutlich dadurch zustande, dass in der Studie nur Fälle in Kinderkliniken untersucht wurden. Drei Viertel der jungen Patienten aus der Studie hatten mindestens eine chronische Grunderkrankung. Am häufigsten waren neurologische Entwicklungsstörungen, gefolgt von chronischen Atemwegserkrankungen, Immunschäden und Herzerkrankungen. In einer früheren Studie mit demselben Kliniknetzwerk waren während der drei saisonalen Influenza-Epidemien 2005/06, 2006/07 und 2007/08 insgesamt nur zwei Todesfälle registriert worden. Walter Haas, Mitautor der Studie, vermutet, dass eine höhere Zahl in der Pandemie teilweise auf die erhöhte Aufmerksamkeit während der Pandemie zurückgehen könnte. Nur 9% der Kinder über sechs Monaten waren gegen die pandemische Influenza geimpft, alle überlebten. Der Impfstoff stand allerdings erst Anfang November 2009 zur Verfügung.

Influenza-Wochenbericht: Aktuelle Lage: Deutschland mittlere Aktivität, Luxemburg sehr hohe Aktivität


Die Aktivität der akuten Atemwegserkrankungen (ARE) ist bundesweit in der Kalenderwoche 3 (15. bis 21. Januar 2011) im Vergleich zur Vorwoche stabil geblieben. Der Praxisindex liegt im geringfügig erhöhten Bereich. Die Konsultationsinzidenz ist in den Altersgruppen der 0- bis 4-Jährigen sowie der 5- bis 14-Jährigen weiter gestiegen, in allen anderen Altersgruppen sanken die Werte.

Im Nationalen Referenzzentrum für Influenza (NRZ) wurden in der 3. Kalenderwoche in 129 (Positivenrate 59%) der 217 eingesandten Sentinelproben Influenzaviren nachgewiesen: 102 (79%) Influenza A (H1N1) 2009-Viren und 27 (21%) Influenza B-Viren.

Dem RKI wurden seit der 40. Meldewoche (MW) 2010 insgesamt 4658 klinisch-labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle übermittelt, davon waren 757 (16%) hospitalisiert. Insgesamt wurden seit der 40. MW 25 Todesfälle mit Influenza A (H1N1) 2009-Infektion übermittelt. Keiner der verstorbenen Fälle, zu dem Informationen zur Impfung vorliegen (21/25), war gegen Influenza geimpft. Bei weiter steigenden Meldezahlen ist auf Bevölkerungsebene wie in der Vorwoche nur eine gering erhöhte Krankheitslast durch Influenza im ambulanten Bereich zu verzeichnen.

Über die europäischen Influenza-Surveillance werden auch international Informationen über die Influenzaaktivität gesammelt. Für die 2. Kalenderwoche 2011 übermittelten 27 Länder epidemiologische Daten. Luxemburg berichtete über sehr hohe Influenza-Aktivität. Irland und Norwegen berichteten über hohe Aktivität. 18 Länder, darunter Deutschland, berichteten über mittlere Aktivität. Weitere sechs Länder berichteten über geringe Aktivität.


Quelle: Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) Datenstand: 25. Januar 2011.

Medizinisches Personal unbedingt impfen

Neun der 93 Kinder erkrankten während des Aufenthalts im Krankenhaus. Das Risiko einer solchen nosokomialen Übertragung ist bereits in früheren Studien nachgewiesen worden. Es muss daher von einer Übertragung des Grippevirus durch Mitarbeiter im Krankenhaus ausgegangen werden. Damit wird die Dringlichkeit einer Grippeimpfung für medizinisches Personal und eines umgehenden diagnostischen Nachweises belegt.


Quelle

Altmann, M. et al.: Severe Cases of Pandemic (H1N1) 2009 in Children, Germany. Emerg. Infect. Dis. 2011, 17(2); DOI: 10.3201/eid1702.101090.

Kinder mit Grunderkrankungen sollten gegen Influenza geimpft sein. Pressemitteilung des Robert Koch-Instituts vom 26. Januar 2011.

Influenza-Wochenbericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) am Robert Koch-Institut für die Kalenderwoche 3.


Dr. Hans-Peter Hanssen



DAZ 2011, Nr. 5, S. 44

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