Arzneimittel und Therapie

Zoledronsäure in der Adjuvanz?

Der breite Einsatz von Zoledronsäure in der adjuvanten Therapie des Mammakarzinoms ist infrage gestellt, da einer neueren Studie zufolge die Zoledronsäure-Gabe das krankheitsfreie und das Gesamtüberleben von Patientinnen mit einem frühen Mammakarzinom nicht verlängert.

Das Bisphosphonat Zoledronsäure (Zometa®) wird laut Zulassungsstatus zur Prävention von Skelettkomplikationen bei Knochenmetastasen und zur Behandlung einer tumorinduzierten Hypercalciämie eingesetzt. Darüber hinaus scheint auch die Off-Label-Anwendung im Rahmen einer adjuvanten Therapie beim frühen, nicht-metastasierten Mammakarzinom weit verbreitet zu sein. Dieses Vorgehen basiert auf Studien, die Bisphosphonaten das Potenzial zur Verhinderung von Rezidiven und zur Vorbeugung therapiebedingter Knochenverluste attestiert haben. Eine weitere Studie – die AZURE-Studie (Adjuvant Zoledronic Acid to Reduce Recurrence) – hat die Wirkungen einer adjuvanten Gabe von Zoledronsäure beim frühen Mammakarzinom erneut untersucht.

Studie mit prä- und postmenopausalen Patientinnen

Für die randomisierte, multizentrische, kontrollierte, open-label Phase-III-Studie wurden 3360 prä- und postmenopausale Frauen mit einem Mammakarzinom im Stadium II/III ausgewählt. Die Patientinnen hatten entweder einen Lymphknotenbefall oder eine bestimmte Tumorgröße bzw. Ausdehnung, so dass eine Fernmetastasierung nicht auszuschließen ist. Alle Patientinnen erhielten daher eine Chemotherapie, die Hälfte von ihnen zusätzlich fünf Jahre lang Zoledronsäure. Dabei wurden sechs Gaben in einem drei- bis vier-wöchentlichen Abstand appliziert, dann folgten acht Gaben jeden dritten Monat, gefolgt von weiteren fünf Applikationen alle sechs Monate. Es wurden jeweils 4 mg Zoledronsäure als Kurzinfusion verabreicht.

Der primäre Studienendpunkt war das rezidivfreie Überleben nach fünf Jahren. Der sekundäre Endpunkt ermittelte das Gesamtüberleben. Die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug 59 Monate. Die Analyse der Daten aller Studienteilnehmerinnen führte zu folgenden Ergebnissen:

  • Im Hinblick auf das krankheitsfreie Überleben konnte kein Unterschied zwischen den beiden Gruppen festgestellt werden. Die Rate lag in beiden Gruppen bei 77% (Hazard ratio für die Zoledronsäure-Gruppe 0,98; 95% Konfidenzintervall 0,85-1,13; p = 0,79).

  • Rezidive oder Todesfälle waren bei 377 der Patientinnen in der Zoledronsäure-Gruppe und bei 375 in der Vergleichs-Gruppe aufgetreten.

  • Das Gesamtüberleben lag in der Zoledronsäure-Gruppe bei 85,4% und in der Vergleichsgruppe bei 83,1% (HR 0,85; 95% Konfidenzintervall 0,72 bis 1,01; p = 0,07).

  • Unter der Zoledronsäure-Gabe trat bei 17 Frauen eine Kiefernekrose auf, bei weiteren neun Patientinnen bestand der Verdacht auf eine Kiefernekrose. In der Vergleichs-Gruppe trat diese gefürchtete Bisphosphonat-Nebenwirkung nicht auf. Alle anderen unerwünschten Wirkungen waren in beiden Gruppen vergleichbar.

  • In einer im Vorfeld geplanten Subgruppen-Analyse zeigte sich, dass Frauen, deren Menopause länger als fünf Jahre zurücklag, von der Zoledronsäure-Gabe profitierten. Der Benefit zeigte sich im Gesamtüberleben und im progressionsfreien Überleben.

Die Studienautoren kommen zum Schluss, dass diese Studienergebnisse keine Basis für die breite Anwendung von Zoledronsäure in der adjuvanten Therapie des frühen Mammakarzinoms sind. In welchem Umfang postmenopausale Frauen von der Therapie profitieren, sollte genauer untersucht werden. Dasselbe gilt für das Wechselspiel zwischen Zoledronsäure-Wirkungen und reproduzierenden Hormonen. Ferner sollte geklärt werden, ob Therapieschemata und die Art des eingesetzten Bisphosphonats das Behandlungsergebnis beeinflussen und optimiert werden können.


Quelle

Coleman R., et al.: Breast-cancer adjuvant therapy with zoledronic acid. N Engl J Med 356, 1396 -1405 (2011).

www.clincaltrial.gov NCT00072020


Apothekerin Dr. Petra Jungmayr



DAZ 2011, Nr. 49, S. 42

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