Arzneimittel und Therapie

Kein Schutz durch Tenofovir-Vaginalgel

Ein Vaginalgel mit dem nukleotidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitor Tenofovir schützt afrikanische Frauen entgegen der Ergebnisse vorangegangener Studien nicht vor einer Infektion mit dem HI-Virus. Das teilten jetzt Forscher des Microbicide Trial Network mit, das zur University of Pittsburgh gehört und von den US-Behörden unterstützt wird.

Die entsprechende Studie wurde daher abgebrochen. In die Studie waren 2000 Frauen in Südafrika, Uganda und Simbabwe eingeschlossen. Die Hälfte von ihnen verwendete täglich ein Vaginalgel mit Tenofovir (1%), die andere Hälfte ein Gel ohne Wirkstoff. Das Gel sollten die Frauen zwölf Stunden vor dem Geschlechtsverkehr und in den zwölf Stunden danach ein zweites Mal anwenden. Außerdem erhielten alle Frauen Kondome, um sie durch die Studienteilnahme nicht zu einem Risikoverhalten zu verleiten. Innerhalb eines Jahres infizierten sich sechs von 100 Frauen, die das Tenofovir-Gel anwendeten, und sechs von 100 in der Placebogruppe.

Strategien zur HIV-Prävention

Im Gegensatz dazu konnte das Tenofovir-Gel in einer vorangegangenen Untersuchung, die im vergangenen Jahr im Wissenschaftsmagazin Science veröffentlicht wurde, das Infektionsrisiko um 39% reduzieren, wenn die Frauen das Gel regelmäßig angewendet hatten. Warum sich diese Ergebnisse nicht bestätigt haben, ist unklar. Möglicherweise war der Wirkstoff falsch dosiert oder die Frauen haben das Gel zu unregelmäßig aufgetragen.

Die Studie zum Tenofovir-Gel ist Teil einer größeren, 2009 gestarteten Studie, in der neben dem Gel auch orale Wirkstoffe als Schutz vor einer HIV-Infektion getestet werden sollten und an der mehr als 5000 HIV-negative, sexuell aktive Frauen in Südafrika, Uganda und Simbabwe teilnehmen. Diese Studie trägt die Bezeichnung VOICE (Vaginal and Oral Interventions to Control the Epidemic). Hier sollten verschiedene Strategien zur HIV-Prävention miteinander verglichen werden: die tägliche Einnahme von Tenofovir oder der Kombination aus Tenofovir und Emtricitabin oder Placebo in Tablettenform und die tägliche Anwendung eines Vaginalgels mit Tenofovir oder ohne Wirkstoff. Nach einer Zwischenauswertung der Daten war bereits im September dieses Jahres der Studienarm mit oraler Tenofovir-Einnahme gestoppt worden, da diese nicht besser wirkte als Placebo. Aus demselben Grund wird jetzt die Behandlung mit dem Vaginalgel nicht weitergeführt. Weiterhin untersucht wird eine Therapie, in der die orale Tenofovir-Emtricitabin-Kombination mit Placebo verglichen wird.


Zum Weiterlesen


Schwerpunkt HIV und AIDS

HIV-Impfstoffentwicklung: Probleme und Erfolgschancen.

HIV-Therapie – Wo stehen wir?

HIV und Ernährung – eine Herausforderung.


DAZ 2011, Nr. 48, S. 64– 92.


Quelle

Quarraisha, A. K., et al.: Science (2010) 329 (5996): 1168-74, Online: doi:10.1126/science.1193748.


hel



DAZ 2011, Nr. 49, S. 48

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.

DAZ.online mit Werbung und Tracking

Nutzen Sie den Newsbereich von DAZ.online wie gewohnt kostenlos. Alle Details zu unseren Werbe- und Trackingverfahren finden Sie hier.

DAZ.online – ohne Tracking

Nutzen Sie DAZ.online ohne verlagsfremde Werbung und ohne Werbetracking für 9,80 Euro pro Monat.
Alle Details zu unserem DAZ.online PUR-Abo finden Sie hier.

Jetzt DAZ.online PUR-Zugang buchen

(Sie können Ihren DAZ.online PUR-Zugang jederzeit kündigen.)