Arzneimittelinformation

15 Jahre AMINO – eine Erfolgsgeschichte

Aus der Arbeit der Arzneimittelinformationsstellen

Von Tobias Hückel, Detlef Klauck und Sigrun Rich

In diesem Jahr konnte die Arbeitsgemeinschaft der Arzneimittelinformationsstellen AMINO gleich zwei Jubiläen feiern: vor 15 Jahren wurde die Arbeitsgemeinschaft gegründet, und vor zehn Jahren ging der gemeinsame Server, die AMINO-Datenbank, ans Netz. Zwei Gründe, die Erfolgsgeschichte von AMINO zusammenzufassen.

Seit den 90er Jahren ist der Bedarf nach unabhängiger und verlässlicher Arzneimittelinformation für Apotheken und deren Mitarbeiter rapide angestiegen. Der umfangreiche, wissenschaftliche Erkenntnisgewinn, die Globalisierung der Arzneimittelmärkte, die Bürokratisierung der Arzneimittelabgabe und die Sortimentsvielfalt der Apotheke machen es dem Apotheker zunehmend schwer, alle Fragen in kurzer Zeit kompetent zu recherchieren und zu beantworten.

Neben der Verpflichtung nach § 20 der Apothekenbetriebsordnung, dass der Apotheker, Kunden und die zur Ausübung der Heilkunde, Zahnheilkunde oder Tierheilkunde berechtigten Personen informieren und beraten muss, trug auch der Informationsbedarf des "aufgeklärten Patienten" dazu bei, dass berufsständische, regionale Arzneimittelinformationsstellen installiert wurden. Doch recht schnell stellte sich heraus, dass einzelne Kammern den Anforderungen an ein Arzneimittelinformationssystem allein schwer gerecht werden können.

Mit drei Apothekerkammern fing es an

Daher trafen sich 1996 Mitarbeiter der Geschäftsstellen der Apothekerkammern Mecklenburg-Vorpommerns, Sachsen-Anhalts und Sachsens, um Synergien auf diesem Gebiet auszuloten. Ein gemeinsamer Nenner war schnell gefunden: Kooperation bei der Beschaffung, Dokumentation und dem Austausch von Informationen, die von öffentlichen Apotheken und Krankenhausapotheken nach gefragt werden. Die Arbeitsgemeinschaft Arzneimittelinformationsstellen Nord-Ost mit dem Kürzel AMINO war geboren. Mit Enthusiasmus, Neugier sowie Experimentierfreude mit den neuen Medien – das Internet war noch jung – ging es an die Arbeit.

Die drei Partner dokumentierten die ersten Anfragen mit einer dBase-Datenbank am Rechner in der Geschäftsstelle. Die Daten wurden wöchentlich per E-Mail ausgetauscht und in eine lokale Datenbank eingespielt. Aus heutiger Sicht umständlich und technisch anfällig, aber für damalige Verhältnisse eine Arbeitserleichterung. Bald wurde der Kreis der Interessenten und Mitglieder größer. Seit dem Jahr 2000 arbeiten die Geschäftsstellen der Apothekerkammern Bremens sowie Niedersachsens und seit 2001 die Apotheke des Universitätsklinikums Regensburg mit im Verbund. Heute kooperieren elf Apothekerkammern auf diesem Gebiet, weshalb der Begriff AMINO eine neue Auslegung erhielt: Verbund deutscher Arzneimittel informationsstellen.

Wachstum und Kooperationen

Die gemeinsame Arbeit basiert auf einer Satzung, die seit 2001 den Rechtsrahmen vorgibt. Ziel und Zweck der Zusammenarbeit ist es,

  • die nutzbaren Möglichkeiten im Bereich der Arzneimittelinformation zu fördern und zu erweitern, um eine höhere Effektivität der Arbeit der Arzneimittelinformationsstellen der einzelnen Mitglieder zu erzielen, die einzelnen Apotheker optimal zu betreuen und zugleich Kosten für die gemeinsame Dienstleistung an den Kammermitgliedern zu sparen;

  • die Qualität in der Beratung der Apotheker zu sichern sowie zu verbessern und dadurch die Kompetenz des Apothekers zu stärken.

Bei ihrer Zusammenarbeit blieben die Arzneimittelinformationsstellen nicht unter sich – wo es sinnvoll und möglich war, wurde der Kontakt zu anderen kompetenten Ansprechpartnern wie dem NRF (Neues Rezeptur-Formularium) und dem ZAPP (Zentrum für Arzneimittelinformation und Pharmazeutische Praxis der ABDA) aufgebaut.

Ein verlässlicher und starker externer Kooperations partner ist auch die Universitätsbibliothek der TU Braunschweig. Das dort beheimatete Sondersammelgebiet Pharmazie umfasst den umfangreichsten Bestand an pharmazeutischer Literatur in der Bundesrepublik. Sie hat zurzeit über 600 pharmazeutische Zeitschriften aus aller Welt abonniert und erwirbt Jahr für Jahr über 1000 in- und ausländische Fachbücher.

Die effektive Nutzung der Informationsquellen ist nur durch regelmäßige Fortbildungen möglich. Auch auf diesem Gebiet arbeiten die AMINO-Partner nach dem Prinzip "Hilfe durch Selbsthilfe" zusammen und führen einen regen Erfahrungsaustausch. Einmal jährlich findet eine gemeinsame Fortbildungstagung statt.

Rationale Informationsbeschaffung und Dokumentation

Mit den Jahren wuchs der Pool der von AMINO genutzten Datenbanken stetig. Beispielhaft zu nennen sind hier die Monografie-Datenbank DRUGDEX, EMBASE und HAGER-Online. Hochwerti ge Informationsquellen sind teuer, doch die Kosten bleiben durch Kooperation und Arbeitsteilung für die einzelnen Apothekerkammern überschaubar.

Dokumentation ist ein wesentlicher Bestandteil der Arzneimittelinformation. Die anfangs betriebene Offline-Datendokumentation bei den einzelnen AMINO-Stellen war technisch bald überholt und wurde im Juni 2001 von einer internetbasierten MySQL-Datenbank abgelöst, die allen Partnern einen ständigen Zugriff zum gemeinsamen Datenpool ermöglicht. Alle Anfragen in den einzelnen Arzneimittelinformationsstellen können mithilfe des AMINO-Servers dokumentiert und ausgewertet werden.

Wie Apotheker die AMINO-Datenbank nutzen können

Mithilfe des AMINO-Servers und der damit verbundenen Anfragendokumentation entstand die AMINO-Datenbank, die auch von den Apothekern direkt genutzt werden kann, nachdem sie das erforderliche Passwort ihrer Kammer-Website eingegeben haben. Bei einer Online-Recherche über die Stichwortsuche in der AMINO-Datenbank kann jeder Apotheker prüfen, ob zu seiner Frage bereits veröffentlichte Informationen vorliegen. Neben Fakten zu Arzneimitteln enthält die Datenbank auch Hinweise zu ausgewählten Nahrungsergänzungsmitteln und Herstellungstipps für Rezepturarzneimittel. Das Ergebnis der Recherche wird sofort angezeigt und ist damit auch ohne zeitliche Verzögerung verfügbar.

Selbstverständlich sind die Angaben in der Datenbank zur Hilfestellung bei der Entscheidungsfindung durch den Apotheker bestimmt. Dies entbindet ihn aber nicht von der Pflicht, die Informationen – insbesondere vor der Weitergabe an Dritte – entsprechend der eigenen Fachkenntnisse zu prüfen und gegebenenfalls zu überarbeiten.

Das Datenbanksystem von AMINO ist in den letzten Jahren funktional und technisch kontinuierlich verbessert worden. So existiert bereits ein internes Korrektursystem zur Qualitätssicherung der dokumentierten Rechercheergebnisse. Für die Zukunft ist geplant, dass Datenbankeinträge vor der Veröffentlichung von einem zweiten Kollegen begutachtet und freigegeben werden.

Individuelle Anfragen bei den Arzneimittelinformationsstellen

Während der Teil der AMINO-Datenbank, der über die Websites der Apothekerkammern zugänglich ist, nur Fragen und Antworten enthält, die von allgemeiner Bedeutung sind, können Apothekenmitarbeiter individuelle Fragen direkt an die Mitarbeiter der Arzneimittelinformationsstellen richten. Sie können die Informationsstellen – regional unterschiedlich – per Fax, E-Mail oder telefonisch kontaktieren (siehe Kasten "Kontakt zu den Arzneimittelinformationsstellen von AMINO"). Voraussetzung für eine Anfrage sollte sein, dass man zuvor in den apothekenüblichen Informationsmedien recherchiert hat, aber nicht fündig geworden ist.

Für die strukturierte Arzneimittelinformation in der Apotheke bietet die Leitlinie zur Qualitätssicherung der Bundesapothekerkammer "Arzneimittelinformation in der Apotheke" die nötige Hilfestellung. Die Leitlinie ist im Internet unter www.abda.de > Apotheke > Qualitätssicherung > Leitlinien inklusive Arbeitshilfen und Kommentaren verfügbar.

Kontakt zu den Arzneimittelinformationsstellen von AMINO


Baden-Württemberg:

Infocenter der Landesapothekerkammer Villastr. 1, 70190 Stuttgart

Tel. (07 11) 9 93 47-54/-68, Fax 9 93 47-41

www.lak-bw.de > Infocenter > Amino-Datenbank


Bayern:

Arzneimittelinformationsstelle der Bayerischen Landesapothekerkammer an den Apotheken der Universitätskliniken Erlangen, Regensburg und Würzburg

Fax (0 32 12) 1 07 35 22, am-info@blak.de

www.blak.de/relaunch/index.php?view=ami_formular


Berlin:

Apotheke des HELIOS Klinikum Berlin Buch

Schwanebecker Chaussee 50, 13125 Berlin

Fax (0 30) 9 40 15 13 19


Apotheke Unfallkrankenhaus Berlin

Warener Straße 7, 12683 Berlin

Fax (0 30) 56 81-41 53


Zentralapotheke im Vivantes Klinikum Neukölln

Rudower Str. 48, 12351 Berlin

Fax (0 30) 1 30 14 25 66


Brandenburg:

Landesapothekerkammer Am Buchhorst 18, 14478 Potsdam

Tel. (03 31) 8 88 66-0, Fax 8 88 66-20, kammer@lakbb.de

www.lakbb.de/web01/index.php?web=&amptop=28&seite=29


Bremen:

Apothekerkammer, Bgm.-Smidt-Str. 16, 28195 Bremen

Tel. (04 21) 17 09 17, Fax 17 09 18, info@ak-bremen.de


Mecklenburg-Vorpommern:

Apothekerkammer Wismarsche Str. 304, 19055 Schwerin

Tel. (03 85) 5 92 54-0, Fax 5 92 54-12

info@akmv.de


Niedersachsen:

Apothekerkammer An der Markuskirche 4; 30163 Hannover

Tel. (05 11) 3 90 99-0, Fax 3 90 99-66

info@apothekerkammer-nds.de

www.apothekerkammer-nds.de


Nordrhein:

Arzneimittelinformationsstellen an den Apotheken der Städt. Kliniken Neuss, Lukaskrankenhaus GmbH, des HELIOS Klinikums Krefeld und der Universität Bonn, Klinische Pharmazie:

Service-Fax: (08 00) 4 34 32 22

www.aknr.de/infoservice/serviceangebote/regioinform.php


Sachsen:

Landesapothekerkammer Pillnitzer Landstraße 10, 01326 Dresden

Tel. (03 51) 26 39 32 07, Fax 26 39 35 00, t.hueckel@slak.de

www.slak.de/mitglieder/arzneimittelinformation


Sachsen-Anhalt:

Apothekerkammer Doctor-Eisenbart-Ring 2, 39120 Magdeburg

Tel. (03 91) 6 09 04-0, Fax 6 09 04-35

kammer@ak-sa.de, www.ak-sa.de > AM-Information


Thüringen:

Landesapothekerkammer Thälmannstr. 6, 99085 Erfurt

Tel. (03 61) 2 44 08-15, Fax 2 44 08-69, info@lakt.de

www.lakt.de > LAKT-INTERN > Pharmazie > Arzneimittelinfo


Arzneimittelinformationsstelle der Apotheke im Klinikum der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Tel. (0 36 41) 9 32 54 27, Fax 9 32 54 12, am-info@med.uni-jena.de

Erfolgreiche Bilanz

Seit der Gründung von AMINO vor 15 Jahren haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Arzneimittelinformationsstellen unzählige Anfragen von Apothekenmitarbeitern, Ärzten, Patienten und verschiedenster Institutionen beantwortet. 18.000 Antworten wurden bisher in der gemeinsamen Datenbank dokumentiert und stehen damit den Kooperationspartnern von AMINO im Volltext zur Verfügung; knapp 1200 davon sind über die Websites der Apothekerkammern für den Direktzugriff der Kammermitglieder freigeschaltet.

Den Service von AMINO für alle Fragen zu Arznei- oder Nahrungsergänzungsmitteln, klinischen Studien oder Rezepturarzneimitteln können alle Mitarbeiter der Apotheken in den jeweiligen Kammerbezirken kostenlos in Anspruch nehmen.


Autoren

Tobias Hückel, Sächsische Landesapothekerkammer

Dr. Detlef Klauck, Apothekerkammer Sachsen-Anhalt

Dr. Sigrun Rich, Landesapothekerkammer Baden-Württemberg



DAZ 2011, Nr. 47, S. 89