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DGOP startet Initiative

BERLIN (ks). Die Deutsche Gesellschaft für Onkologische Pharmazie (DGOP) will alle Apotheken dafür gewinnen, sich mit der oralen Zytostatikatherapie zu befassen. Denn diese speziellen Arzneimittel gehören zu den beratungsintensivsten Präparaten überhaupt. Am 2. November 2011 startete die DGOP in Berlin die zentrale Auftaktveranstaltung für ihre Initiative "Orale Zytostatikatherapie – sicher und effektiv durch gemeinsame Beratung".
Foto: DAZ/Schelbert
In jeder Apotheke sollte es aus Sicht der DGOP jemanden geben, der fähig ist, einen Patienten zu beraten, der mit einer Verordnung über ein orales Zytostatikum kommt.

Orale Zytostatika sind auf dem Vormarsch – die Zahl der Tumortherapeutika nimmt beständig zu, insbesondere die der niedermolekularen Kinaseinhibitoren. Letztere gelten zwar als "zielgerichtete Therapeutika", die "hoch spezifisch" gegen Tumore wirken. Doch auch sie haben die Zytostatika-typischen KMR-Eigenschaften (K = krebserzeugend, M = mutagen, R = reproduktionstoxisch) und ein erhebliches Neben- und Wechselwirkungspotenzial, erläuterte Jürgen Barth von der DGOP. Dennoch empfinden Patienten orale Zytostatika oftmals als weniger "giftig" – und auch als weniger wirkungsvoll – als die "aggressive" parenterale Chemotherapie. Und dies zeigt, wie wichtig hier die pharmazeutische Beratung ist. Eine "Marginalisierung" der Therapie aufgrund der oralen Darreichungsform müsse auf jeden Fall vermieden werden, betonte auch Dr. Thorsten Hoppe-Tichy vom Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA).

Multiprofessioneller Ansatz

Die DGOP will mit einem multiprofessionellen Ansatz onkologische Patienten dazu befähigen, mit ihrer oralen Medikation richtig umzugehen und therapietreu zu bleiben. "Wir wollen den Arzt nicht ersetzen, sondern etwas für den Patienten tun", betonte DGOP-Präsident Klaus Meier. Der onkologische Patient stehe klar im Mittelpunkt – und nicht ein bestimmtes Zytostatikum. Um das Ziel zu erreichen, geht die DGOP nun auf Ärzte zu – aber selbstverständlich auch auf die Apotheker. DGPO-Mitglieder werden in den kommenden Monaten Vorträge halten, den Bundesapothekerkammern wird ein Curriculum für eine achtstündige Fortbildungsveranstaltung "Orale Zytostatikatherapie" angeboten. Zudem soll Apotheken künftig eine internetbasierte Möglichkeit zur Dokumentation der pharmazeutischen Betreuung onkologischer Patienten zur Verfügung gestellt werden. Hier werden die Verordnungen sowie die Selbstmedikation festgehalten, ebenso die vom Patienten berichteten unerwünschten Arzneimittelwirkungen. Mit dem Programm können Informationen für die Patienten zusammengestellt werden, die diesen mitgegeben werden können.

Bedeutung der Vor-Ort-Versorung

Aus Sicht der DGOP sollte es in jeder Apotheke jemanden geben, der fähig ist, einen Patienten zu beraten, der mit einer Verordnung über ein orales Zytostatikum kommt. Und diese Beratung sollte sich nicht in der Aussage erschöpfen "Das ist ein wirklich gefährliches Arzneimittel, das Sie da bekommen", betonte Max Eberwein vom Verband der zytostatikaherstellenden Apotheken (VZA). Da die Patienten ihr Arzneimittel in "ihrer Apotheke" abholen, sei hier Platz für die pharmazeutische Betreuung. Das Erkennen und Lösen von arzneimittelbezogenen Problemen sei Kernkompetenz der Apotheker – und diese könne sich gerade im Zusammenhang mit der oralen Zytostatikatherapie beweisen. Der DGOP ist dabei nicht zuletzt der "Vor-Ort"-Aspekt wichtig: Durch die enge Zusammenarbeit und räumliche Nähe von Arzt, Apotheker und Patienten sowie Pflegenden und ggf. anderen Heilberufen könne die Therapie wirtschaftlich und sicher gemacht werden. "Der Aufbau einer multiprofessionellen Infrastruktur zur Compliance-Überwachung und -Förderung ist unverzichtbar, wenn das Potenzial der oralen Zytostatikatherapie ausgeschöpft werden soll", unterstrich Michael Höckel von der Universität Bonn.


Infos im Web


Mehr Informationen zur Initiative finden Sie im Internet unter www.dgop.org




DAZ 2011, Nr. 45, S. 40

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