Arzneimittel und Therapie

"Pille" senkt Ovarialkrebs- und erhöht Brustkrebsrisiko

Eine langwährende Verhütung mit kombinierten oralen Kontrazeptiva senkt das Ovarialkrebsrisiko. Damit bestätigt eine aktuelle Auswertung der EPIC-Studie mit mehr als 300.000 Frauen den Einfluss von Hormonen auf das Ovarialkarzinom. Für Frauen, die mindestens zehn Jahre lang auf diese Weise verhüteten, ist das Risiko nahezu halbiert im Vergleich zu Frauen, die entsprechende Präparate höchstens ein Jahr lang oder gar nicht anwenden. Allerdings ist mit dieser Verhütung ein deutlich erhöhtes Brustkrebsrisiko verbunden.

Etwa 9000 Frauen erkranken in Deutschland jährlich an einem Ovarialkarzinom. Die bösartige Erkrankung der Eierstöcke hat eine schlechte Prognose und ist nach dem Endometrium- und dem Zervixkarzinom das dritthäufigste Genitalmalignom der Frau in der westlichen Welt. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei etwa 65 Jahren, jedoch sind auch jüngere Frauen betroffen. Die familiäre Häufung des Ovarialkarzinoms zeigt eine genetische Prädisposition als Risikofaktor.

Schwangerschaften senken das Ovarialkarzinomrisiko

Ein Zusammenhang zwischen der Verhütung mit oralen Kontrazeptiva und einem geringeren Ovarialkrebsrisiko war bereits nach der Auswertung früherer kleiner Studien vermutet worden. Die Beobachtungsstudie EPIC (European Prospective Investigation of Cancer) hat jetzt deren Ergebnisse bestätigt. Die Studie mit 327.396 Teilnehmerinnen verlief über einen Zeitraum von neun Jahren. Während dieser Nachbeobachtungszeit kam es bei 878 Frauen zu einer Eierstockkrebserkrankung. Teilnehmerinnen, die zehn Jahre oder länger orale Kontrazeptiva eingenommen haben, erkrankten zu 45% seltener an einem Ovarialkarzinom als Frauen, die diese Präparate höchstens ein Jahr oder überhaupt nicht angewendet hatten. Somit kommen 15 Krebserkrankungen nach einer langwährenden Applikation statt 28 auf 100.000 Frauen pro Jahr.

Auch eine Schwangerschaft führt zu einer Minderung des Risikos um 29%, an Eierstockkrebs zu erkranken. Jede weitere Schwangerschaft verringert das Risiko um weitere 8%. Der Vergleich der Ergebnisse im Hinblick auf Menarche und Menopause zeigte keine protektive Wirkung von einem frühen Auftreten der Regelblutung. Die Wissenschaftler konnten allerdings für eine späte Menopause (nach dem 52. Lebensjahr gegenüber vor dem 45. Lebensjahr) ein um 46% erhöhtes Ovarialkrebsrisiko nachweisen.

Als Folge eines erhöhten Brustkrebsrisikos kommt es nach einer Applikation von oralen Kontrazeptiva allerdings zu 50 zusätzlichen Brustkrebserkrankungen auf 100.000 Frauen pro Jahr. Somit bleibt eine Applikation von Hormonpräparaten auch weiterhin zwiespältig. Eine Erhöhung des Ovarialkrebsrisikos war erst kürzlich für die Anwendung von Hormontherapien nachgewiesen worden.


Quelle

Tsilidis, K.K.; et al.: Oral contraceptive use and reproductive factors and risk of ovarian cancer in the European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition. Br. J. Cancer 2011; 105(9): 1436 – 1442.

Collaborative Group on Epidemiological Studies of Ovarian Cancer: Ovarian cancer and oral contraceptives: collaborative reanalysis of data from 45 epidemiological studies including 23 257 women with ovarian cancer and 87 303 controls. The Lancet 2008; 371(9609): 303 – 314.

Mørch, L.S.; et al.: Hormone therapy and ovarian cancer. JAMA 2009; 302(3): 298 – 305.


Dr. Hans-Peter Hanssen



DAZ 2011, Nr. 44, S. 59

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