DAZ aktuell

Lesen Sie bloß keine Sonntagszeitung …

… sonst bleibt Ihnen vor Ärger das Brötchen im Hals stecken. Warum ich Ihnen das rate: Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) berichtete in ihrer Ausgabe Nr. 42 vom 23. Oktober über "neue Studien zu einem alten Streit: Nutzt die Einnahme von Vitamin- und Mineralpräparaten? Oder schadet sie sogar?" so der Untertitel des Zeitungsartikels. Der Beitrag setzt sich mit zwei neuen Studien, veröffentlicht in zwei angesehenen medizinischen Fachzeitschriften, auseinander (s. a. DAZ 2011, Nr. 42, S. 43 und S. 63 in dieser Ausgabe der DAZ): Es geht um die immer noch offene Diskussion, ob die Einnahme von Vitamin- und Mineralstoffpräparaten dem gesund und ausreichend ernährten Menschen nützt – oder sogar schaden kann.

Nichts gegen den Beitrag, der das Für und Wider dieser Präparate anhand der Studienergebnisse darstellt und Experten zu Wort kommen lässt und nach deren Einschätzung fragt. Doch wie für solche Journalisten sichtlich unverzichtbar, spricht auch dieser Artikel von der "milliardenschweren Vitaminindustrie" und "deren noch umsatzstärkere Konkurrenz aus der Pharmabranche". Ohne solche Formulierungen scheint man nicht über die Pharmaindustrie in diesem Genre auskommen zu können.

Doch das war dem Journalisten nicht genug. Er brauchte eine knallige Überschrift: "Fragen Sie bloß keinen Apotheker" ließ er oder die Titelredaktion dieser Sonntagszeitung sich einfallen. Toll, oder? Der gesamte Beitrag hat überhaupt nichts mit Apotheke zu tun. Weder der Apotheker noch die Apotheke kommen in diesem Beitrag vor – aber es musste eine plakative Überschrift sein, die einen Berufsstand beim Leser erst einmal in Misskredit bringt. Ist das lustig? Warum bedient man hier solche billigen Klischees, nur um die Aufmerksamkeit auf einen Beitrag zu lenken? Hat die FAS jetzt diesen oberflächlichen reißerischen Journalismus nötig?

Mag sein, dass die Nerven bei mir als Apotheker blank liegen, was die Verunglimpfung des Apothekerberufes angeht. Aber dennoch: Ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl bei der Wahl einer Überschrift würden wir uns wünschen.


Peter Ditzel



DAZ 2011, Nr. 43, S. 51

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