Aus Kammern und Verbänden

Kämpferisch-aufregende Jahre und die Insel der Seligen

Der scheidende Beirat des Landesapothekerverbandes Baden-Württemberg macht sich weiter für die inhabergeführte, öffentliche Apotheke stark. Die pharmazeutische Beratung der Apotheken sei deren Joker geworden, sagte LAV-Präsident Fritz Becker bei der Herbstsitzung des Gremiums Mitte Oktober in Stuttgart. "Die zurückliegenden vier Jahre waren aufregend", bilanzierten der Verbandschef und LAV-Geschäftsführerin Ina Hofferberth. Mit Blick in die Zukunft appellierten sie an die Vorsitzenden der Regionen: "Kämpfen Sie weiter."
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Liess keine Fragen offen LAV-Präsident Fritz Becker gab den Vorsitzenden der Regionen zahlreiche Auskünfte.

Die Vorsitzenden der 22 LAV-Regionen hatten während ihrer Legislaturperiode zahlreiche Aktionen vor Ort geplant und umgesetzt – meist mit Unterstützung der Stuttgarter Geschäftsstelle. In jüngster Vergangenheit zählten hierzu beispielsweise gesundheitspolitische Fachgespräche, Besuche von Bundestagsabgeordneten in der Apotheke oder Kooperationen mit Selbsthilfegruppen. Becker und Hofferberth dankten den Vorsitzenden der Regionen für ihren Einsatz, den diese trotz zunehmender Bürokratie und immer detaillierterer Vorschriften ehrenamtlich erbracht hatten.

"Apotheken dürfen keinen Schaden bei elektronischen Betriebsprüfungen erleiden."

Wie vielfältig die Risiken der elektronischen Betriebsprüfung sein können, zeigte der Stuttgarter Treuhand-Niederlassungsleiter Johann Marxt anhand seines Vortrages vor den Beiräten auf. Während es in einigen anderen Bundesländern bereits eine große Welle an Prüfungen gebe, lebe Baden-Württemberg hier noch auf einer "Insel der Seeligen". Sollte dennoch einmal eine Prüfung kommen, sollten Apothekenleiter "nicht panisch den Colt ziehen, sondern auf Augenhöhe kommunizieren", so Marxt. Am leichtesten hätten es Apotheken, die keine großen Unregelmäßigkeiten in den Büchern aufwiesen.

Oft hake es aber daran, dass das Finanzamt Aufstellungen verlange, die von den Apotheken-Softwaresystemen gar nicht ausgegeben werden könnten. In diesem Fall, so Marxt, sollten die Apothekenleiter bei den Softwarehäusern diese Leistung einfordern – schließlich bezahlten die Apotheker oft viel Geld an die Software-Firmen. Hilfe für die Apothekenleiter soll in Kürze ein Kriterienkatalog bringen, den der Deutsche Apothekerverband derzeit zusammen mit der Wirtschafts- und Steuerprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers erstellt. Der Kriterienkatalog soll die Minimalanforderungen enthalten, die ein Apotheken-Softwaresystem im Rahmen einer digitalen Betriebsprüfung leisten können muss.


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Erklärende Worte LAV-Präsident Fritz Becker erläuterte den Vorsitzenden der ­Regionen die aktuelle politische Lage.

"Großhandel wälzt Sparpaket auf Apotheken ab"

In seinem Bericht zur politischen Lage zeigte LAV-Präsident Fritz Becker noch einmal die existenziell bedrohte Lage vieler Apotheken auf, die die Vorsitzenden der Regionen besonders im ländlichen Bereich erlebten. Überall ächzten die Apotheken unter dem erhöhten Zwangsabschlag und den massiven Einbrüchen bei den Großhandelsrabatten und dem nicht mehr gewährten Skonto des Großhandels.

Dass die Politik den Apotheken viel zugemutet habe, sähen mittlerweile sogar die Politiker ein. Becker forderte, dass der Apothekenabschlag von 2,05 Euro daher auf 2011 beschränkt bleibe und 2012 zurückgefahren werden müsse. Insgesamt, so Becker weiter, sei dringend nötig, dass sich auch auf der Einnahmenseite der Apotheke deutlich etwas bewege. So müsse das seit 2004 unveränderte Apothekenhonorar an aktuelle Entwicklungen angepasst werden. Becker sprach sich hier für eine Dynamisierung des Festbetragsanteils aus. Zudem müssten die Vergütung für kostenintensive Pflichtleistungen wie des Nacht- und Notdienstes auf eine Pauschale umgestellt und die Vergütung für das Fertigen von Rezepturen und die Bearbeitung von Betäubungsmittelrezepten angehoben werden.

Viele weitere Themen

Becker informierte zudem über den aktuellen Stand in Sachen ABDA-/KBV-Konzept, der standespolitischen Alternative zum Pick-up-Verbot sowie zu den drohenden Einschnitten für Apotheken im Zuge der nächsten Reform der Packungsgrößenverordnung 2013. Mit Blick auf das kommende Versorgungsstrukturgesetz sagte Becker, dass sich dieses eher indirekt auf die Apotheken auswirke. Positiv könne sich die zu beschließende Förderung der Landärzte auswirken.

Becker wie auch LAV-Geschäftsführerin Ina Hofferberth begrüßten die Einstellung des Kartellverfahrens gegen den LAV. Hofferberth informierte zudem über Verhandlungen neuer GKV-Verträge. Weitere Themen waren die Voraussetzungen zum Austausch biotechnologisch hergestellter Arzneimittel, die neuen Vordrucke des T-Rezeptes sowie Regelungen zur Abschlagspflicht für Impfstoffe. Zudem wurde nochmals die Vorgehensweise bei nichtverfügbaren Rabattarzneimitteln besprochen und Hinweise zur Abrechnung von Betäubungsmittel-Rezepten gegeben.

Viele Aufgaben für den neuen Beirat

"Es bleibt spannend: Die Arbeit geht uns nicht aus", sagte LAV-Präsident Becker in seinem Schlusswort. Es werde auch für den neuen Beirat des LAV viel zu tun geben. Wer diesem Gremium dann angehört, steht Ende November fest.


LAV Baden-Württemberg



DAZ 2011, Nr. 42, S. 88

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