Deutscher Apothekertag 2011

PTA-Ausbildungsreform: Erst das Ministerium – und dann wir?

Reinhild Berger

Die Ausbildungs- und Prüfungsordnung für PTA ist in die Jahre gekommen. Die letzte Anpassung war 1997 erfolgt – seitdem hat sich in den Apotheken viel verändert und Europa ist näher zusammengerückt. Möglicherweise entspricht die deutsche Ausbildung zur PTA nicht mehr dem europäischen Qualifikationsrahmen für Gesundheitsberufe. Eine Einschätzung, die von der ABDA zurzeit allerdings nicht geteilt wird. ABDA-Geschäftsführerin Dr. Christiane Eckert-Lill versprach in Düsseldorf jedoch zu prüfen, ob die deutschen PTA im europäischen Vergleich "Nachteile erleiden", und wenn ja, "nachzuziehen". Eine inhaltliche Diskussion der PTA-Ausbildung sei nach Aussage von Eckert-Lill zum jetzigen Zeitpunkt "Kaffeesatzleserei". Es mache keinen Sinn, das Berufsbild der PTA, das sehr eng mit der Apothekenbetriebsordnung verknüpft sei, derzeit zu diskutieren, ohne zu wissen, wie die Apothekenbetriebsordnung künftig aussehen werde, betonte Eckert-Lill. Das schien auch alle Apothekertagsdelegierten zu überzeugen. Denn der entsprechende Antrag zur Anpassung des Berufsbilds und der PTA-Ausbildung wurde ohne jede weitere Wortmeldung mit großer Zustimmung an einen Ausschuss verwiesen.

Nun kann man sich folgende Fragen stellen: Warum ist die Reihenfolge – erst Ministerium, danach Diskussion in der Apothekerschaft – zwingend? Liegt nicht die Kompetenz, den PTA-Beruf inhaltlich zu definieren und auszugestalten eher beim Apotheker (bzw. den Berufsvertretungen der PTA selbst)? Wäre es nicht sinnvoll, dem Ministerium eine Vorlage mit eigenen Wünschen zu liefern? Warum sich freiwillig fremdbestimmen lassen? Und: Welche Vorschrift der Apothekenbetriebsordnung könnte so massiv in das Berufsbild der PTA eingreifen, dass ebenso massive Änderungen der Ausbildungs- und Prüfungsordnung erforderlich wären? Oder möchte man bei der ABDA einfach nur Zeit gewinnen – aus welchen Gründen auch immer? Den PTA-Beruf insgesamt "attraktiver" zu machen ist ja vielen Apothekern leider nicht geheuer. Nicht ohne Grund stellte der Apothekerverband Westfalen-Lippe, der für den Antrag verantwortlich war, beim mündlichen Vortrag der Begründung als erstes fest: "Wir wollen nicht den Apotheker zweiter Klasse." Ich finde: Mutig und dem Berufsstand der PTA gegenüber gerecht wäre es, auf einer PTA-Ausbildung "erster Klasse" zu bestehen – Zweitklassigkeit ist mit dem hohen Qualitätsanspruch der Apotheken ohnehin nicht vereinbar. Um es klar zu sagen: Die erstklassig ausgebildete PTA sehe ich dabei in ihrer heutigen, unverzichtbaren Rolle, ohne Vertretungsbefugnis.

Wir dürfen neugierig sein, welche Arbeit der entsprechende Ausschuss bis zum nächsten Jahr leistet und ob das Ergebnis "Klasse" hat.


Reinhild Berger



DAZ 2011, Nr. 41, S. 108

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